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Phytotherapie

Aloe vera und Cayennepfeffer wirken gegen Psoriasis

Der Einsatz von Kräutern und Heilpflanzen gegen Hauterkrankungen hat in allen Kulturen eine Jahrtausende alte Tradition. Die moderne Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) leitet sich davon ab und stützt sich gleichzeitig auf experimentelle und kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit der eingesetzten Mittel. Auch gegen Psoriasis sind pflanzliche Arzneimittel wirksam.

Unter Phytotherapie wird der Einsatz von Pflanzen, Pflanzenteilen oder Pflanzenextrakten in der Medizin verstanden. Die ursprüngliche Zusammensetzung der Pflanze bleibt dabei erhalten, so dass Phytopharmaka meist aus einem komplexen Gemisch von Substanzen mit mehreren Wirkprinzipien bestehen.Die Zulassung von Phytopharmaka unterliegt in Deutschland, Österreich und einigen anderen europäischen Ländern genauso strengen Kriterien wie die synthetischer Arzneimittel. Erst nach eingehender Prüfung der Wirksamkeit hinsichtlich einer bestimmten Erkrankung sowie der Unbedenklichkeit bezüglich Nebeneffekten in experimentellen und klinischen Studien dürfen Phytopharmaka zugelassen werden.Arzneimittel, die nur einzelne pflanzliche Wirkstoffe enthalten, künstlich nachgeahmte Naturstoffe, homöopathische Mittel auf pflanzlicher Basis, anthroposophische Arzneimittel, Bachblütenpräparate, ayurvedische Arzneimittel, Naturkosmetika und Nahrungsergänzungsmittel zählen nicht zu den Phytopharmaka.

Verursacht Phytotherapie Nebenwirkungen?

Prinzipiell birgt jedes wirksame Arzneimittel auch die Gefahr von Nebenwirkungen.Die Wirkung von Phytopharmaka tritt in der Regel erst nach mehrtägiger Anwendung auf. Sie eignen sich daher nicht für den Akutfall, sondern eher zur Behandlung chronischer Beschwerden.Phytopharmaka verursachen im Allgemeinen weniger Nebenwirkungen als synthetische Arzneimittel. Mögliche Nebenwirkungen sind vor allem allergische und toxische Hautreaktionen.

Welche Phytopharmaka wirken bei Hauterkrankungen?

Aloe vera und Cayennepfeffer werden zur Behandlung der Psoriasis vulgaris empfohlen. Entzündungshemmend bei Hauterkrankungen wirken außerdem Kamille, Ringelblume, Stiefmütterchen und Hamamelis.

  • Aloe vera
    Aloe vera ist eine von mehr als 360 Aloe-Arten. Ihre Blätter produzieren ein Gel, dessen antientzündliche, antioxidative und schmerzhemmende Wirkung im Labor sowie in Tierversuchen nachgewiesen wurde. Es hemmt die Produktion von verschiedenen Entzündungsfaktoren (z. B. Prostaglandine). Daneben fördert Aloe vera die Wundheilung, kann Juckreiz lindern und entfaltet außerdem antibakterielle und pilzhemmende Effekte.
  • Cayennepfeffer/Capsaicin (Capsicum anuum)
    Cayennepfeffer ist die pulverisierte Form der getrockneten Früchte des Paprikastrauches. Das Gewürz wird auch spanischer Pfeffer genannt, da die ursprünglich aus Mittelamerika stammende Paprikapflanze erst durch Christopher Columbus in Spanien eingeführt wurde.Hauptbestandteil des aus Cayennepfeffer hergestellten Arzneimittels ist das Capsaicin. Auf die Haut aufgetragen dringt es in tiefere Schichten, in die so genannte Lederhaut (Corium) vor und beeinflusst dort liegende Nervenfasern. Zunächst kommt es dadurch zur Erweiterung von Blutgefäßen in der Haut sowie zur Auslösung von Hautrötung, Brennen, Juckreiz und Schmerzen. Bei mehrmals täglicher Anwendung von Capsaicin jedoch entleeren sich die in den Nervenfasern befindlichen Speicher derjenigen Substanzen, die für den Schmerz- und Juckreiz verantwortlich sind. Dies erklärt die Wirksamkeit von Capsaicin gegen verschiedene entzündliche bzw. mit Schmerz und Juckreiz einhergehende Hauterkrankungen wie Psoriasis.Capsaicin-haltige Präparate sollten mindestens dreimal täglich auf die Haut aufgetragen werden, damit die schmerz- und juckreizlindernde Wirkung anhaltend gewährleistet ist. Dabei sollte man mit geringen Mengen Capsaicin (0,001 bis 0,005 Prozent) einschleichend beginnen und auf maximal 0,1 Prozent im Verlauf steigern.
  • Kamille (Chamomilla recutita)
    Die echte Kamille ist eine der ältesten und bekanntesten Heilpflanzen. Der Extrakt aus den Blüten der Pflanze wirkt entkrampfend, antientzündlich, antibakteriell und fördert nachweislich die Wundheilung. Nässende Wundflächen trocknen schneller ab, außerdem verbessert sich die Regeneration des Gewebes. Empfohlen wird die Anwendung von Kamille bei Entzündungen der Haut und Schleimhäute sowie bei bakteriell bedingten Hauterkrankungen (einschließlich Mund-, Anal- und Genitalbereich). Kamille kann als Dampfbad, Badezusatz, Aufguss sowie in Creme- oder Salbenform angewendet werden.
  • Ringelblume (Calendula officinalis)
    Die Ringelblume fördert die Wundheilung und wirkt Entzündungen in der Mund- und Rachenschleimhaut entgegen. In Tierversuchen wurden außerdem antibakterielle und pilztötende Eigenschaften festgestellt. Extrakte der Ringelblume stehen als Tinktur für Aufgüsse und Umschläge sowie als Salben zur Verfügung.
  • Stiefmütterchen (Viola tricolor)
    Bereits seit der Renaissance wird Stiefmütterchen in Form von Aufgüssen gegen Hautausschlag, Geschwüre und Milchschorf angewendet. Es hat eine antientzündliche, antioxidative und kortisonähnliche Wirkung und wird unterstützend in der Behandlung von Juckreiz eingesetzt.
  • Virginische Zaubernuss (Hamamelis virginiana)
    Die Zaubernuss, Hamamelis, stammt aus Kanada und dem Osten der USA. Ihre Wirkextrakte werden aus den Blättern und Zweigen oder aus der Rinde des Baumes gewonnen. Hamamelis hemmt Entzündungen der Haut, lindert Juckreiz und fördert die Wundheilung. Sie eignet sich deshalb u.a. zum Einsatz gegen Haut- und Schleimhautentzündungen.
  • Mahonia aquifolium (gemeine Mahonie)
    Extrakte aus Mahonia aquifolium, einer aus der traditionellen indianischen Medizin Nordamerikas bekannten Heilpflanze, haben sich in der äußerlichen Behandlung der Psoriasis bewährt. Die Inhaltsstoffe des Pflanzenextraktes, welcher in Form von Salben oder Cremes erhältlich ist, haben einen hemmenden Einfluss auf die Zellteilung und die Entzündung. Sie sind sowohl für die Langzeitbehandlung bei leichter bis mittlerer oder abheilender Schuppenflechte geeignet als auch für die Kombinationstherapie mit einer gleichzeitigen UV-Behandlung. Der Vergleich mit Dithranol im Rahmen einer Studie zeigte, dass die Wirkung der Mahonien-Präparate zwar langsamer einsetzte, dafür aber mit der Dithranolwirkung vergleichbar war und zudem wesentlich weniger unangenehme Begleiterscheinungen auftraten. Die Patienten empfanden die Mahonia-Therapie dadurch


Quelle: S. Meyer et al: Einsatz von Phytopharmaka in der Dermatologie; Der Hautarzt 2005; 56: 483-502
Autor: kso
Stand: Jan 15, 2009


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