Dithranol
Dithranol reduziert die übersteigerte Oberhautbildung
Dithranol ist eine wirksame Substanz, welche die übersteigerte Vermehrung der Oberhautzellen bei Psoriasis normalisiert. Der Wirkstoff reizt die Haut allerdings sehr stark und gesunde Haut muss während der Anwendung sorgfältig abgedeckt werden. Zudem färbt Dithranol stark ab.
Die Substanz Dithranol (Cignolin, Anthralin, Dihydroxyanthron) ist ein synthetisch hergestellter Abkömmling eines Naturstoffgemischs, welches in der indischen und südamerikanischen Heilkunde bereits im 18. Jahrhundert gegen Hauterkrankungen eingesetzt wurde. Dithranol normalisiert die übersteigerte Vermehrung der Oberhautzellen bei Psoriasis.
Der hochwirksame Arzneistoff kann allerdings die Haut stark reizen und darf deshalb nur auf die Psoriasis-Herde, nicht aber auf die umgebende Haut aufgetragen werden. Nach einer jeweils individuell zu bestimmenden und von der Wirkstoffkonzentration, dem Therapieregime sowie den Therapiebedingungen (ambulant oder stationär) abhängigen Einwirkzeit wird der Arzneistoff in der Regel wieder abgewaschen. Im Verlauf der Behandlung wird die Einwirkungsdauer und/oder die Konzentration des Wirkstoffs in der Salbe üblicherweise allmählich gesteigert.
Man unterscheidet die so genannte Minutentherapie von der klassischen Dithranol-Therapie, bei der der Wirkstoff in niedrigerer Konzentration halb- oder ganztägig unter einem Schlauchverband auf der Haut verbleibt. Die Wirkdauer variiert bei der Minutentherapie mit höher dosierten Zubereitungen von zehn bis maximal sechzig Minuten. Die Behandlung erfolgt im Allgemeinen unter stationären Bedingungen. Die Kurzzeittherapie hat den Vorteil, dass der Wirkstoff in die erkrankten Hautareale schneller eindringt als in gesunde Haut, so dass letztere durch den zeitlich stark begrenzten Kontakt weniger gereizt wird.
Sogar bei korrekter Anwendung ausschließlich im Bereich der Psoriasis-Herde kommt es meist zu Reizungen der umgebenden Hautareale bis hin zu brennenden Hautentzündungen, die sich unter dem klinischen Bild des Dithranol-Erythems zeigen. Für die Dithranol-Behandlung ist viel Erfahrung notwendig, um einen maximalen therapeutischen Effekt bei möglichst geringer Reizung der umgebenden Haut zu erreichen.
Die Therapie mit Dithranol sollte regelmäßig durch den Hautarzt kontrolliert werden. Noch besser wird sie im Rahmen einer vollstationären bzw. tagesklinischen Behandlung durchgeführt.
ACHTUNG: Dithranol verfärbt nicht nur die umliegende Haut sondern auch Wäsche, Waschbecken oder die Badewanne bräunlich. Diese Flecken können meist nicht mehr entfernt werden. Da der Wirkstoff außerdem instabil ist, sollten Dithranol-haltige Präparate immer kühl und vor Licht- und Sauerstoff geschützt aufbewahrt werden.
Kombinationstherapien mit Dithranol
Dithranol kann auch in Form einer Kombinationstherapie eingesetzt werden. Unter dem Namen ?Ingram-Schema? ist beispielsweise die Kombination mit Teer-Bad und UV-Bestrahlung bekannt. Auch mit einer systemischen Retinoidtherapie kann der Wirkstoff kombiniert werden. Als "Stanford-Schema" ist die alternierende Simultantherapie mit lokalen Glukokortikoiden bekannt, bei der nachts Dithranol, tagsüber Glukokortikoide aufgetragen werden.
Prof. Dr. H. Meffert: Schuppenflechte; Verlag Gesundheit (Medicus)
Dr. D. Burkhardt, Prof. Dr. K. Degitz: Rat und Hilfe bei Schuppenflechte; Südwest Verlag
A. Unholzer, Prof. Dr. H. C. Korting: Psoriasis vulgaris (Psoriasis, Schuppenflechte);
J.-H. Blume: Therapieoptionen bei der Psoriasis vulgaris; in: Haut - Dermatologie, Phlebologie, Allergologie 1/2005 (Viavital Verlag)





