Neue Wege bei der Therapie
Nicht oder, sondern und: Wirkstoff plus Placebo
Nur ein Viertel der bisherigen Dosis, und trotzdem gehen die Beschwerden weg? Wissenschaftler zeigten in einer Studie, wie das funktionieren kann: Indem sie den so genannten Placeboeffekt ausnutzten.
Der Placeboeffekt (placebo, lat. „ich werde gefallen“) ist in der Medizin seit langem bekannt. Es handelt sich dabei um positive Veränderungen des subjektiven Befindens und objektiv messbarer körperlicher Funktionen bei einer Therapie mit einem Scheinmedikament. Dieses enthält keinen Wirkstoff. Die positiven Reaktionen auf das Placebo können deshalb nicht auf eine pharmakologische Wirkung zurückgeführt werden. Stattdessen haben sie ihren Ursprung vermutlich in psychosozialen Faktoren, etwa in der Erwartungshaltung oder Konditionierung des Patienten auf eine medizinische Behandlung.
Den Placeboeffekt therapeutisch nutzen
In klinischen Studien wird der Placeboeffekt seit langem genutzt. So wird die Wirksamkeit neuer Arzneimittel oft im Vergleich zur Placebowirkung getestet. Wissenschaftler aus den USA zeigten jetzt am Beispiel der Psoriasis, wie man den Placeboeffekt auch in der Therapie sinnvoll einsetzen kann, sodass diese zwar immer noch genauso wirksam bleibt, aber gleichzeitig verträglicher wird.
Die Forscher behandelten Patienten, die an einer milden bis mittelschweren Form der Schuppenflechte litten, zunächst mit der üblichen Dosis eines lokal wirksamen Glukokortikoids in Form einer Lotion. Anschließend erhielt ein Teil der Patienten weiterhin die volle Dosis des Glukokortikoids. Eine zweite Gruppe wurde ein Viertel bis die Hälfte der Therapiezeit mit der vollen Wirkstoffdosis weiterbehandelt und erhielt in der restlichen Zeit eine wirkstofffreie Emulsion, ein Placebo. Eine dritte Patientengruppe wurde mit einer reduzierten Wirkstoffdosis von einem Viertel bis der Hälfte der normalen Dosis weiterbehandelt. Alle Studienteilnehmer erklärten sich vor Studienbeginn damit einverstanden, dass sie möglicherweise mit einer reduzierten Dosis eines lokalen Glukokortikoids behandelt würden.
Kombination aus Wirkstoff und Placebo war wirksam
Tatsächlich wurden in der Gruppe der mit zunächst voller Wirkstoffdosis und anschließend Placebo Behandelten die gleichen Behandlungserfolge erzielt wie bei den mit voller Wirkstoffdosis weiterbehandelten Patienten. In beiden Gruppen war der Behandlungserfolg besser als bei den Teilnehmern der dritten Gruppe, die lediglich eine reduzierte Wirkstoffdosis erhalten hatten. Auch die Zahl der Krankheitsrückfälle war in den beiden ersten Gruppen etwa gleich, in der dritten Gruppe hingegen deutlich höher.
Weniger Wirkstoff bei gleichem Therapieerfolg
Damit erwies sich die Kombination aus Wirkstoff und Placebo als genauso wirksam wie der Wirkstoff allein – und das, obwohl insgesamt nur ein Viertel bis die Hälfte der sonst üblichen Wirkstoffmenge zur Therapie eingesetzt wurde. Der Wirkstoff, in eigentlich unwirksamer Menge, konnte also mit Unterstützung des Placeboeffekts doch noch seine Wirkung entfalten, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.
In weiteren Studien soll nun getestet werden, ob sich die Ergebnisse der Untersuchung auch auf andere Autoimmunerkrankungen übertragen lassen. Erhoffter Vorteil einer Kombination aus weniger Wirkstoff und Placebo: Neben niedrigeren Behandlungskosten könnten bei gleicher Wirksamkeit womöglich auch die Nebenwirkungen der Therapie reduziert werden. Allerdings muss auch das erst in Studien untersucht werden.





