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Biologika

Allgemeine Information zur Anwendung von Biologics

Bei den Biologics handelt es sich um kompliziert aufgebaute Substanzen (bio- bzw. gentechnisch hergestellte Eiweiße) - eine völlig neue Generation von Medikamenten. Im Zusammenhang mit Schuppenflechte oder Psoriasis-Arthritis richten sie sich meist gegen Botenstoffe des Körpers, die für Entzündungsvorgänge verantwortlich sind. Bei chronischen Entzündungen sind hier die wichtigsten der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) und die Interleukine 1 (IL-1) und 6 (IL-6).

Wie werden Biologics angewendet?

Da sie im Magen-Darm-Trakt zerstört werden, können Biologics nicht in Tablettenform eingenommen werden. Sie werden daher als Infusion direkt in die Vene oder als subkutane Injektion ("Spritze unter die Haut") ins Unterhautgewebe verabreicht.Die subkutane Injektion ist durch den Patienten selbständig durchführbar. Die Infusionen erfolgen unter ärztlicher Aufsicht in der Klinik oder der Arztpraxis.

Allgemeine Voraussetzung für die Anwendung

Für die Erstattung durch die Krankenkassen ist es im allgemeinen erforderlich, dass andere systemische - im ganzen Körper wirkende - Therapien mit beispielsweise Methotrexat, Ciclosporin oder PUVA bei der Schuppenflechte oder zwei so genannten Basismitteln bei der Psoriasis-Arthritis nicht ausreichend erfolgreich wirksam waren, nicht vertragen wurden oder kontraindiziert sind, also aus gesundheitlichen Gründen nicht angewendet werden dürfen.

Was muss beim Einsatz der Biologics beachtet werden?

Das Infektionsrisiko kann unter einer Therapie mit Biologics erhöht sein. Deshalb sollten Biologics nicht bei Menschen mit aktiven Infektionen, egal ob chronisch oder lokalisiert, zum Einsatz kommen. Ebenso schließt eine bekannte Überempfindlichkeit gegen die verwendeten Wirk- und Inhaltsstoffe eine Anwendung aus. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sollte bei bestimmten Blutbildveränderungen, bei Tumorerkrankungen und bei Entmarkungserkrankungen (z.B. Multiple Sklerose) erfolgen. Vor Beginn einer Behandlung werden die Patienten deshalb gründlich untersucht - Standard sind die Kontrolle der Blutwerte, Anfertigung von Röntgenbildern der Lunge und ein Tuberkulose-Test.

Kombination mit anderen Medikamenten

Ein häufiger Kombinationspartner ist das MTX. Die Wirkung des Biologics wird dadurch in der Regel verstärkt. Gleichzeitig wird damit einem eventuellen Wirkverlust vorgebeugt - MTX verhindert wahrscheinlich die Bildung von Antikörpern, die sich gegen das Biologic richten können.Eine Kombination mit anderen Medikamenten, die bei der Behandlung der Schuppenflechte zum Einsatz kommen, ist prinzipiell möglich. Auch topisch ("örtlich") anzuwendende Wirkstoffe können mit Biologics kombiniert werden. Zur Vorsicht geraten wird bei parallel durchgeführten UV-Therapien aufgrund des möglicherweise gesteigerten Hautkrebsrisikos.

Impfungen

In der Behandlungszeit sollten keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen erfolgen. Keine Einschränkung besteht bei der Anwendung von Totimpfstoffen wie Tetanus, Grippe oder Diphterie. Es sollte jedoch gegebenenfalls anschließend eine Überprüfung des Antikörpertiters erfolgen, da unter dem Einfluss der Biologics der Impferfolg abgeschwächt sein kann.Es empfiehlt sich deshalb, möglichst bereits vor Beginn einer Therapie den Impfschutz zu überprüfen und eventuell zu aktualisieren.

Operationen

Operative Eingriffe sind unter der Therapie mit Biologics grundsätzlich durchführbar. Da aber noch nicht abschließend geklärt ist, ob Biologics das Risiko für Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen erhöhen, sollte bei geplanten Eingriffen ca. 14 Tage vor und nach der Operation - bis zum Abschluss der Wundheilung - die Therapie ausgesetzt werden.

Zeugung, Schwangerschaft und Stillzeit

Da es bisher keine ausreichenden Daten zum Einfluss von Biologics auf die allgemeine Fortpflanzungsfähigkeit, Schwangerschaft und Stillzeit gibt, sollte während einer Therapie mit Biologics ein ausreichende Verhütung bzw. Empfängnisschutz gewährleistet sein - dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.

Wann dürfen Biologics nicht angewendet werden?

Biologics dürfen bei Patienten mit mäßiggrader oder schwerer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) nicht eingesetzt werden.Bei einer bekannten Krebserkrankung ist Vorsicht geboten. Über eine Therapie mit Biologics sollte im Einzelfall zusammen mit den behandelnden Ärzten entschieden werden.

Anwendung bei seltenen Formen der Schuppenflechte

Die Biologics sind nur zur Therapie der mittelschweren und schweren Plaque-Psoriasis und einige zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis zugelassen. Allerdings haben verschiedene Studien gezeigt, dass Biologics auch in der Behandlung schwerwiegender Formen der PPP (Psoriasis pustulosa palmoplantaris) oder bei ausgepräger Nagelpsoriasis wirksam sind. Hier kann nach Ermessen des behandelnden Arztes die Therapie im sogenannten "Off-Label-Use" erfolgen."Off-Label-Use" bedeutet die Anwendung eines Arzneimittels außerhalb des in der Zulassung genehmigten Gebrauches.

Praktisches zur Anwendung

Alle Biologics sollten im Kühlschrank bei 4 - 8°C gelagert werden. Auf keinen Fall darf eine Aufbewahrung im Gefrierschrank erfolgen, durch Minustemperaturen wird die Eiweißstruktur des Medikamentes zerstört. Für längere Transporte - zum Beispiel auf Urlaubsreisen - bieten die Hersteller eine spezielle Kühlbox an.

Eine halbe Stunde vor der Injektion sollte das Biologic in seiner jeweiligen Darreichungsform (Lyophilisat, Fertigspritze, PEN) aus dem Kühlschrank genommen werden, damit sich die Lösung bis auf Raumtemperatur erwärmen kann.


Quelle: Aktuelle Fachinformationen der im Bereich der Psoriasis zugelassenen Biologics. Stand 01.09.2008
Autor: Springer Medizin
Stand: May 6, 2009


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