Prostata-OP

Die Operation ist nicht immer sinnvoll

Im Stadium I wird man ein Prostatakarzinom in der Regel zunächst gar nicht behandeln, sondern sorgfältig durch regelmäßige eingehende Untersuchungen beobachten. Diese sehr kleinen und mit dem Finger vom Enddarm her nicht tastbaren Tumoren werden meist nur zufällig entdeckt, etwa wenn wegen einer gutartigen Prostatavergrößerung zur Verbesserung des Harnabflusses Gewebe entnommen und mikroskopisch untersucht wird.

Im Stadium II ist der Tumor bereits größer und entweder durch Tastbefund oder durch einen erhöhten PSA-Wert entdeckt worden. Er ist jedoch noch auf die Prostata beschränkt, so dass bei einer vollständigen Entfernung gute Aussichten auf eine Heilung bestehen. Die Therapie der Wahl wird hier daher im Regelfall die totale Entfernung der Drüse sein (die so genannte radikale Prostatektomie). Genau genommen handelt es sich dabei sogar um eine Prostatovesikulektomie (d.h. die Prostata wird einschließlich Kapsel, Samenbläschen, Teilen der Samenleiter und eines Teils des Blasenhalses entfernt). Regelfall heißt hier, dass der Patient abgesehen von seinem Tumor so gesund ist, dass diese nicht ganz leichte Operation ohne ein erhöhtes Risiko für ihn durchführbar ist. Im allgemeinen operiert man bis zu einem Alter von 70-75 Jahren, in Einzelfällen aber auch ältere, körperlich fitte Patienten. Entscheidend ist eine Lebenserwartung von noch mindestens zehn Jahren; andernfalls würde der Patient bei dem relativ langsam wachsenden Tumor von der Operation nicht profitieren.

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Kontrolle der Lymphknoten

Vor der Prostatektomie werden in der Regel die Lymphknoten in der Nachbarschaft der Prostata entfernt und noch während des Eingriffs mikroskopisch auf Tumorzellen untersucht. Findet man in den Proben Tumorzellen, so kann es sinnvoll sein, dem Patienten die radikale Operation mit ihren möglichen Komplikationen (s.u.) zu ersparen, denn die Beseitigung sämtlicher Tumorzellen ist dann durch die Entfernung der Prostata nicht mehr möglich.

Mögliche Komplikationen durch die OP

Der Eingriff kann entweder von oberhalb des Schambeins durch den Bauchraum hindurch oder vom Damm her erfolgen. Eine relativ häufige Komplikation ist eine Verletzung des Nerven, der für die Erektionsfähigkeit des Penis verantwortlich ist. Gelingt es aber, bei der Operation das Gefäß-Nerven-Bündel, das diesen Nerven enthält, zu schonen - das hängt allerdings von der Ausdehnung des Tumors ab - kann die Potenz meistens erhalten werden.

Eine weitere relativ häufige Komplikation ist die Harninkontinenz durch die Beschädigung des Schließmuskels bei der Operation. Wie hoch das Risiko dafür ist, hängt vom Geschick und der Erfahrung des operierenden Urologen ab.

Manche fortgeschrittene Tumoren werden operiert

In manchen Fällen - sofern es der Allgemeinzustand des Patienten zulässt - kann jedoch auch bei schon weiter fortgeschrittenen Tumoren mit befallen Lymphknoten eine solche Operation sinnvoll sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sich dadurch Komplikationen durch das weiter fortschreitende Tumorwachstum verhindern oder verringern lassen (Verschluss von Harnröhre oder Harnleitern bzw. Blutungen). Außerdem kann die Operation unter Umständen auch die Überlebenszeit verlängern.

Ist eine solch große Operation nicht mehr möglich, so kann man, um den Harnabfluss zu erleichtern, von der Harnröhre aus endoskopisch Tumorgewebe abtragen - ähnlich wie das bei der gutartigen Prostatavergrößerung geschieht.


Autor: Springer Medizin
Stand: Aug 8, 2008


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