Komplementärmedizin
Sanfte Behandlungsformen in der Urologie
Forscher untersuchen seit Jahren die Wirksamkeit der Komplementärmedizin bei der Prevention und der unterstützenden Therapie urlogischer Erkrankungen.
Menschen mit Krebserkrankungen suchen nach Methoden, mit denen sie die Therapie ihrer Erkrankung wirkungsvoll unterstützen können. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. bereits seit einigen Jahren mit den Chancen und Risiken naturheilkundlicher Angebote. Professor Dr. Claus Fischer, der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin, sieht sich in seiner Arbeit immer wieder mit dubiosen oder schwer einzuschätzenden Angeboten konfrontiert. Er betont, dass eine seriöse Komplementärmedizin ein Bereich der wissenschaftlichen Medizin ist und als sich als solcher wissenschaftlichen Untersuchungen stellen muss.
Seriöse Angebote unterstützen die Prophylaxe
Seriöse Angebote der Komplementärmedizin können laut Fischer zum wissenschaftlichen Verständnis oder auch zur Prävention des Prostatakrebses beitragen. Sie können sowohl die Primärprophylaxe positiv beeinflussen, um die Krankheit im Vorfeld zu verhüten, als auch die Sekundärprophylaxe, die es ermöglicht, eine bestehende Erkrankung zu lindern oder auszubremsen. Scheinbar spielen Homöopathie und alternativmedizinische Verfahren wie Bachblütentherapie dabei keine wichtige Rolle. Viel wesentlicher ist die vorbeugende Wirkung von bestimmten chemischen Substanzen.
Naturheilkunde nicht in jedem Fall harmlos
Experten setzten lange Zeit große Hoffnung in das Element Selen und das Vitamin E. Die Substanzen standen im Verdacht, Prostatakrebs vorzubeugen. Die SELECT-Studie sollte der Annahme nachgehen. Mehr als 35.000 Männer nahmen seit 2001 an der Studie teil. Sieben Jahre später wurde sie vorzeitig abgebrochen, da Zwischenergebnisse vermuten ließen, dass die verabreichte Dosis Vitamin E das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, sogar erhöht. Die untersuchte Dosis Selen wiederum könnte sich ungünstig auf das Diabetesrisiko auswirken. Nicht weniger schlecht schnitt eine andere vermeintliche Wunderwaffe gegen den Krebs ab: die Tomate. Ihr hoher Anteil an Lycopin sollte in der Lage sein, Krebs vorzubeugen. Tatsächlich jedoch konnte keine Studie einen entsprechenden Zusammenhang beweisen. Die Forscher konnten im Gegenteil sogar zeigen, dass das Beta-Carotin der Tomate das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann. Fischer erläutert, dass einzelne Nährstoffe keine Wunder bewirken können. Es gehe vielmehr darum, ganzheitlich zu agieren, schädliche Gewohnheiten wie Stress, Nikotin und Alkohol abzustellen und zu einem gesunden Lebensstil zu finden. Auch zu den bisweilen schockierenden Ergebnissen der letzten Studien äußert sich der Forscher. So könnten Untersuchungen wie die SELECT-Studie einmal mehr beweisen, dass Komplementärmedizin nicht von sich aus harmlos ist. Selbst Vitamine könnten in hohen Dosierungen zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Daher sei es in jedem Fall riskant, sich naturheilkundlich selbst zu therapieren.
Ernährung unterstützt die Krebsvorsorge
Seit den 1990er-Jahren forscher Wissenschaftler weltweit, wie sich dem Prostatakarzinom vorbeugen lässt. Ein wesentlicher Schwerpunkt bildet dabei die Ernährung. Anders als Vitamine und Mineralstoffe aus dem Labor funktioniert eine ausgewogene Nahrung garantiert ohne Nebenwirkungen. Besonders günstig scheint sich die mediterrane Ernährung auf die Lebenserwartung auszuwirken. Reichlich Gemüse, Fisch, mageres Fleisch und mehrfach ungesättigte Fette aus Olivenöl versorgen den Körper mit allen Nährstoffen, die er benötigt, und helfen ihm dabei, gesund zu bleiben. Die Komplementärmedizin wird auch in Zukunft weiterhin eine wichtige Rolle in der Urologie spielen. Trotz negativer Studien müssten vielversprechende Ansätze laut Fischer weiterhin vorbehaltslos geprüft werden. Sei die Wirksamkeit einzelner komplementärer Verfahren bewiesen, gehe es darum, sie als fester Bestandteile der Therapie zu etablieren.



