
Prostatakrebs in der Familie
Wie hoch ist das Risiko?
Für ein gehäuftes Auftreten von Prostatakrebs werden mehrere Risikofaktoren verantwortlich gemacht. Als gesichert gilt ein erhöhtes Risiko, wenn in der Familie eines Mannes bereits nahe Angehörige erkrankt sind.
Eine familiäre Häufung des Prostatakrebses findet sich bei ungefähr 15% aller Patienten. Wie hoch das Risiko gesunder Angehöriger von Betroffenen mit Prostatakrebs im Einzelnen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Anzahl erkrankter Familienangehöriger, der Nähe der Verwandtschaft zu dem Erkrankten sowie dessen Alter zum Zeitpunkt der Diagnose.
Betroffene Angehörige ersten Grades
Bei einem Mann, der einen betroffenen direkten Angehörigen hat (beispielsweise Vater oder Onkel) ist das Erkrankungsrisiko gegenüber jemandem, in dessen Familie niemand an Prostatakrebs erkrankt ist, um etwa das zwei- bis dreifache, bei zwei Angehörigen um das fünffache und bei drei Verwandten bereits um das elffache erhöht. Daneben spielt der Verwandtschaftsgrad der betroffenen Angehörigen eine wichtige Rolle.
Sind der Vater oder der Bruder, also Verwandte ersten Grades, erkrankt, ist das eigene Risiko höher, als wenn der Onkel, Cousin oder Großvater - Verwandte zweiten Grades - betroffen wären. Und auch das Alter der Angehörigen zum Zeitpunkt der Diagnose beeinflusst das eigene Erkrankungsrisiko. Es nimmt zu, je jünger die Verwandten waren, als bei ihnen der Krebs entdeckt wurde.
Erbliche Veranlagung wahrscheinlich
Die beobachtete Ansammlung von Erkrankungsfällen innerhalb einer Familie lässt auf genetische Faktoren und eine erbliche Veranlagung schließen. Mittlerweile haben Wissenschaftler Veränderungen im Erbgut identifiziert, welche die Entstehung von Prostatakrebs begünstigen. Dabei handelt es sich um Abweichungen eines Teilstücks des menschlichen Erbmaterials, das sich auf dem Chromosom 1 befindet.
Mutationen des dort angesiedelten HPC-1 Gens scheinen zumindest bei denjenigen Patienten eine Rolle zu spielen, die vergleichsweise jung an einem Prostatakrebs erkranken und in deren Familien drei und mehr Männer von Prostatakrebs betroffen sind. Dennoch können mehrere Fälle von Prostatakrebs in einer Familie auch durchaus zufällig (sporadisch) auftreten, ohne dass eine erbliche Veranlagung existiert. Dies ist sogar bei einem großen Teil der Patienten der Fall. Je jünger die erkrankten Angehörigen sind, desto eher vermuten Experten dahinter allerdings eine vererbte Krebserkrankung.
Früherkennung rettet Leben
Prostatakrebs hat sehr gute Heilungsaussichten, wenn er früh erkannt und behandelt wird. Da es aber erst dann zu Beschwerden kommt, wenn sich der Tumor bereits in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet, sind Früherkennungsuntersuchungen sehr wichtig. Dies gilt für Männer mit mehreren betroffenen Familienmitgliedern natürlich ganz besonders. In Deutschland ist die jährliche Prostatauntersuchung für Männer ab 45 Jahren gesetzliche Regelleistung. Die Kassen übernehmen dabei die Kosten für eine manuelle Abtastung der Vorsteherdrüse vom Enddarm aus. Männer, in deren Familie bereits ein Angehöriger an Prostatakrebs erkrankt ist (positive Familienanamnese), können diese Maßnahme auch schon ab dem 40. Lebensjahr in Anspruch nehmen.
Experten bezweifeln jedoch, dass mit dieser Untersuchung ein Tumor immer rechtzeitig erkannt wird. Zusätzlich bieten daher viele Urologen den Bluttest auf das Prostata-spezifische Antigen (PSA) als Selbstzahlerleistung an. Zur Verlaufskontrolle und Nachsorge einer Prostatakrebserkrankung ist dieser sogenannte Tumormarker sehr aussagekräftig und etabliert. Sein Stellenwert als Früherkennungsuntersuchung ist nicht abschließend geklärt, die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Einige Experten kritisieren die zu geringe Empfindlichkeit des Tests: Ein erhöhter Wert (>4ng pro ml Blut) ist kein definitiver Nachweis für einen bösartigen Tumor, ein niedriger Wert schließt den Krebs nicht aus.
Ob eine solche Untersuchung notwendig ist, sollte jeder Mann nach eingehender Beratung mit seinem Urologen entscheiden. Die Kombination von PSA-Test und Tastuntersuchung gilt derzeit jedoch als beste Früherkennungsmaßnahme, um ein Prostatakarzinom zu entdecken.




