PSA-Wert

Prostata-spezifisches Antigen: Krebsmarker im Blut

Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein Eiweiß, das von Prostatazellen gebildet und mit dem Prostatasekret im Ejakulat ausgeschieden wird. In geringen Mengen tritt es jedoch auch ins Blut über, wo es mit einem speziellen Labortest bestimmt werden kann. Bei Erkrankungen der Prostata wie Krebs, Entzündungen oder gutartigen Vergrößerungen kann der PSA-Wert im Blutserum ansteigen.

Der Nachweis von erhöhtem PSA gilt als ein empfindlicher Marker zur Früherkennung des Prostatakarzinoms. Bei der Tastuntersuchung durch den Anus ("digital rektale Untersuchung") kann der Arzt nur solche Tumoren erkennen, die im hinteren Teil an der Oberfläche der Prostata liegen und bereits eine gewisse Größe erreicht haben. Auch spielt die Erfahrung des Untersuchers bei dieser Methode eine entscheidende Rolle. Die Kombination aus der Bestimmung des PSA-Wertes im Blut und der digital-rektalen Untersuchung hat daher die höchste Erkennungsrate für Prostatakrebs.

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Vorsorge mit PSA-Bestimmung umstritten

Befürworter des Tests weisen darauf hin, dass durch die PSA-Bestimmung wesentlich mehr Prostatakarzinome in einem frühen Stadium entdeckt werden. Dann hat der Krebs meist noch keine Metastasen gebildet. Der Patient kann nach der Diagnose eine Therapie absolvieren, die gute Aussichten auf Heilung verspricht.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Unter anderem Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums und des National Cancer Institutes der USA warnen vor Überdiagnose und Übertherapie: Aufgrund der PSA-Bestimmung werden bei älteren Männern auch Karzinome entdeckt, die keine Beschwerden bereiten, sehr langsam wachsen und unbehandelt nicht lebensverkürzend wären.

Hoher PSA bedeutet nicht immer Prostatakrebs

Ein erhöhter PSA-Wert ist nämlich nicht gleichbedeutend mit dem Nachweis eines Prostatakarzinoms. Die Blutkonzentration des PSA kann auch bei gutartiger Vergrößerung und bei Entzündungen der Prostata erhöht sein, ebenso nach einer Ejakulation (Samenerguss) sowie nach mechanischem Druck: Fährt der Patient mit dem Fahrrad zur Untersuchung, kann das bereits die Werte beeinflussen. Aus diesem Grund muss die Blutabnahme zur PSA-Bestimmung immer vor der rektalen Tastuntersuchung erfolgen.

Und auch ein niedriger PSA-Wert schließt eine Krebserkrankung nicht aus: Ein Teil der Männer mit einem Prostatakarzinom hat einen "normalen" PSA-Wert. Für Schlagzeilen sorgte eine Studie, die Ende des Jahres 2007 veröffentlicht wurde. Demnach könnte bei übergewichtigen Männern das vergrößerte Blutvolumen das vorhandene PSA „verdünnen", was dazu führt, dass zu niedrige Werte gemessen werden.

Weitere Untersuchungen sind nötig

Bei wiederholtem Nachweis erhöhter PSA-Werte im Blutserum muss eine ultraschallgestützte Stanzbiopsie der Prostata durch einen Urologen vorgenommen werden. Dabei entnimmt der Arzt mindestens 6 Gewebeproben aus der Prostata, die anschließend mikroskopisch auf das Vorliegen von Krebszellen untersucht werden.

Hat sich der Verdacht auf ein Karzinom bestätigt, kann die Höhe des PSA-Wertes Hinweise auf die Ausbreitung des Tumors geben. Der PSA-Wert von Gesunden liegt meistens unter vier Nanogramm PSA pro Milliliter Blut (ng/ml). Bei Werten zwischen vier und zehn ng/ml ist ein Prostatakarzinom bei sieben von zehn Patienten auf die Prostata begrenzt und somit heilbar. Liegt der Wert hingegen höher, muss mit einer Ausbreitung gerechnet werden, beispielsweise mit Tochtergeschwülsten in den Lymphknoten. Bei einer weit fortgeschrittenen Prostatakrebs-Erkrankung sind meistens Metastasen in den Knochen nachweisbar. Dies spiegelt sich auch in stark erhöhten PSA-Werten wider.

Solche Knochenmetastasen lassen sich mit speziellen Methoden, etwa mit einer Knochenszintigrafie, nachweisen. Zum Nachweis bzw. Ausschluss von Lymphknotenmetastasen vor einer heilenden Therapie (Operation, Strahlentherapie) werden die infrage kommenden Lymphknoten operativ entnommen und mikroskopisch untersucht. Die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie eignen sich nicht zum Nachweis von Lymphknotenmetastasen, da sie zu ungenau sind.

Freies und gebundenes PSA

Seit einigen Jahren kann zusätzlich das freie PSA bestimmt werden. Der alleinige Messwert des freien PSA hat keine Bedeutung, jedoch gibt der Quotient aus dem freien PSA zum Gesamt-PSA dem Arzt eine weitere Entscheidungshilfe, ob eine (erneute) Probenentnahme per Stanzbiopsie aus der Prostata durchgeführt werden soll oder nicht. Auch hier sollte die Interpretation des Messwertes von einem Spezialisten, in der Regel einem Urologen, vorgenommen werden.

PSA zur Therapiekontrolle

Nach einer Therapie des Prostatakarzinoms sinkt der PSA-Wert im Blut ab. Die PSA-Bestimmung ist deshalb eine der wichtigsten Methoden zur Therapiekontrolle. Das Ausmaß der PSA-Absenkung hängt vom Krankheitsstadium bei Therapiebeginn und der durchgeführten Behandlung ab. So muss z.B. nach Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) der Wert auf 0 ng/ml oder unter die Nachweisgrenze sinken.

Die Bedeutung der PSA-Bestimmung sollte jedem gesunden Mann bekannt sein. Ob diese dann im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung durchgeführt wird oder nicht, kann jeder individuell in Absprache mit seinem Arzt entscheiden.


Quelle: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/psa-test-frueherkennung.php); „Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms“, Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V., Version 1.01 - Oktober 2009
Autor: Annette Mende (10.03.2008) / Aktualisiert - Kathrin Sommer
Stand: Jul 7, 2010


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