
In jungen Jahren erkrankt
Ist die Therapie eine andere?
Obwohl Prostatakrebs ein Krebs des hohen Lebensalters ist, erkranken auch Männer unter 50 Jahren daran. Neben dem Stadium der Erkrankung ist das Alter des Patienten wichtiges Kriterium für die Therapieentscheidung.
Aus Statistiken lässt sich ablesen, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, in jungen Jahren an Prostatakrebs zu erkranken. Dennoch gibt es diese Fälle: Das Robert Koch-Institut schätzt, dass jedes Jahr durchschnittlich 13,6 von 100.000 Männern im Alter zwischen 45 und unter 50 Jahren an Prostatakrebs erkranken. In der Gruppe der 50- bis 54-Jährigen sind es dagegen jährlich 56,9 neue Erkrankungsfälle pro 100.000 Männer.
Zunahme von Prostatakrebs auch bei jüngeren Männern
Britische Wissenschaftler stellen eine Zunahme der Prostatakrebsdiagnosen bei jüngeren Männern fest. Sie führen dies jedoch darauf zurück, dass immer mehr Männer immer früher ihren PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) bestimmen lassen. Die Untergruppe der jüngeren Prostatakrebspatienten war bisher nur selten Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Allgemein gültige Aussagen lassen sich über sie nur schwer treffen. Gesichert scheint eines: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor einen familiären Hintergrund hat, ist bei erkrankten Männern unter 50 Jahren größer als bei älteren Betroffenen.
Intensivere Therapie bei jüngeren Patienten
Die Wahl der Therapie stützt sich im Allgemeinen auf die Lebenserwartung, das Stadium der Erkrankung (Risiko von Mikrometastasen) und die Bereitschaft des Patienten, mögliche Nebenwirkungen der Behandlung in Kauf zu nehmen. Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose spielt also für die weitere Behandlung eine entscheidende Rolle. So wird generell zu einer intensiveren Therapie geraten, je jünger die Patienten sind und je höher die Lebenserwartung ist. Die Behandlung hat das Ziel, die Rezidivrate so stark wie möglich abzusenken.
Behandlungsoptionen im Frühstadium sorgfältig abwägen
Wird die Erkrankung bei einem jungen Mann früh genug entdeckt und ist das Risiko, daran zu versterben, nur gering, gilt es abzuwägen: Zum einen soll die Chance auf vollständige Heilung gewahrt bleiben, andererseits soll die Sexualität so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Die lokalen Therapieoptionen wie Operation und Bestrahlung bieten zwar die besten Aussichten auf eine komplette Genesung, sind aber gleichzeitig mit dem höchsten Risiko für eine Impotenz verbunden.Im Rahmen einiger Studien wird das Prinzip ?Abwarten und Beobachten? sowie eine Hormonentzugstherapie in einem frühen Krankheitsstadium überprüft. Inwieweit sich die Erkrankung damit auch heilen lässt, kann bislang nicht abgeschätzt werden.
Eine Radikaloperation bleibt also im Frühstadium die effektivste Behandlungsmethode für Männer im jüngeren Lebensalter. Dafür spricht auch, dass sie laut Untersuchungsergebnissen wahrscheinlich weniger Langzeitnebenwirkungen zur Folge hat als ein chirurgischer Eingriff bei älteren Männern. Experten raten außerdem zu Folgendem: Solange eine OP zur Debatte steht, sollte eine Hormonentzugstherapie zurückgestellt werden. Denn sie kann die Nervenerhaltung und die Analyse von Stadium und Grad des Tumors bei der OP erschweren. Junge Männer sollten in jedem Fall die verschiedenen Behandlungsoptionen gründlich gegeneinander abwägen und sich dann je nach persönlichem Lebensstil zusammen mit ihrem Arzt für eine Therapie entscheiden.




