Training und Techniken

Später kommen: Was hilft gegen vorzeitigen Samenerguss?

Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) gehört zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes. Bis zu 30 Prozent der Männer sind davon betroffen. Doch Praecox ist behandelbar: Mit Medikamenten, aber auch einfach erlernbaren Techniken lässt sich der Orgasmus steuern und hinauszögern.

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Es ist eine Paar-Aufgabe, vorzeitigen Samenerguss zu verhindern.
Getty Images/iStockphoto

Wann spricht man überhaupt von einem vorzeitigen Samenerguss? Dafür gibt es keinen Zeitwert, denn das Vorspiel und der Sex dauern bei jedem Paar unterschiedlich lang. Im Schnitt benötigt Mann für den eigentlichen Akt, also den Moment vom Eindringen bis zum Orgasmus, fast fünfeinhalb Minuten.

Wann kommt ein Orgasmus zu früh?

Damit beide Partner beim Sex Befriedigung erfahren, ist das Vorspiel und die Stimulation während des Sex entscheidend. Dafür braucht jeder von uns aber unterschiedlich lange. Ob der Orgasmus zu früh kommt entschiedet kein definierter Zeitpunkt, sondern ob sich für beide Sexualpartner diese Befriedigung einstellen konnte.

Hat der Mann aber permanent nur damit zu kämpfen, den Orgasmus zu verhindern, wird der Akt zur Quälerei anstatt zum Lusterlebnis. Führen wenige Bewegungen schon zu einer derart starken Stimulation, so dass es bei ihm deutlich unter der durchschnittlichen Fünfeinhalb-Minuten-Grenze zum Orgasmus kommt, oder kann der sich anbahnende Höhepunkt nicht durch verlangsamte Bewegungen oder gar ein Pausieren gestoppt werden, ist von einer sexuellen Funktionsstörung auszugehen, die durch sexual- und paartherapeutische Maßnahmen oder medikamentöse Therapieoptionen behandelbar ist.

Später kommen ist eine Partneraufgabe

Die psychologischen Behandlungsformen des vorzeitigen Samenergusses konzentrieren sich auf die Paartherapie. Obwohl der Erfolg der Praecox-Behandlung nicht vom Einbezug des Partners abhängig ist, wirkt sich eine gemeinsame Beschäftigung und die partnerschaftliche Suche nach Lösungswegen nachweislich positiv auf die Behandlung aus.

So kommen Sie später

In der Sexualtherapie kommen häufig Techniken zum Einsatz, die betroffenen Männern dabei helfen sollen, die Ejakulation bis zu dem Zeitpunkt, der als "Point of no return" bekannt ist, wahrzunehmen und ihn zu beeinflussen. Bekannt sind vor allem die Squeeze-Technik und die Stopp-Start-Technik nach Masters und Johnson. Bei der lebenslangen Form des vorzeitigen Samenergusses helfen diese beide Techniken nicht dauerhaft. Hier empfehlen sich medikamentöse Therapieansätze, die vom Auftragen empfindungssenkender Cremes bis hin zur Einnahme Orgasmus verzögernder Arzneimittel reichen.

Squeeze-Technik

Die Squeeze-Technik wird bevorzugt in der Paartherapie eingesetzt. Die Sexualpartnerin, oder auch der -partner, übernimmt dabei die Steuerefunktion für die Erregung des Mannes.

So funktioniert die Squeeze-Technik

Zu Beginn stimuliert die Partnerin, beziehungsweise der Partner, den Mann, bis er eine Erektion bekommt. Die Stimulation wird mit Hand oder Mund fortgesetzt, bis sich beim Mann das Gefühl eines sich anbahnenden Orgasmus einstellt. Dies signalisiert der Mann und die Partnerin, beziehungsweise der Partner, stoppt die Stimulation, umgreift den Penis mit den Fingern und drückt ihn für mehrere Sekunden fest, aber ohne Schmerzen für den Mann zusammen, bis die Erregung und der Ejakulationsdrang nachlassen. Nach etwa 20 Sekunden beginnt eine erneute Stimulation. Dies sollte über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten erfolgen, aber auch nicht länger und mit einem Orgasmus in Wunschposition abgeschlossen werden.

Im Laufe der Zeit kann das Zusammendrücken in Länge und Intensität reduziert werden. Kann der Mann den Orgasmus nicht selbständig unterdrücken, hilft die Partnerin, beziehungsweise der Partner, stets nach. Hat der Mann durch die Squeeze-Technik gelernt den Zeitpunkt der Ejakulation zu kontrollieren, kann im nächsten Schritt die Stimulation des Penis beispielsweise wieder durch das Einführen in die Vagina der Partnerin erfolgen. Eine aktive Penetration etwa in der Missionarsstellung ist nicht empfehlenswert. Auch hier sollte die Partnerin oder der Partner in der agierenden Rolle bleiben. Nimmt die Frau beispielsweise die Reiterstellung ein, kann sie die Intensität der Stimulation kontrollieren und auf ein Signal ihres Partners hin jederzeit reduzieren, abbrechen und den Ejakulationsdrang gegebenenfalls wieder durch die Squeeze-Technik unterdrücken. Danach führt sie den Penis wieder ein und der Vorgang beginnt von neuem. Später darf der Mann sich wieder selbst mitbewegen, zuletzt selbst aktiv eindringen. Auch hier sollten 20 Minuten zunächst nicht überschritten werden und am Ende mit einem Orgasmus in Wunschposition abgeschlossen werden.

Die meisten Paare beschreiben die als deutlich angenehmer im Vergleich zur Squeeze-Technik.

Stopp-Start-Technik

Für viele Männer ist die Stopp-Start-Technik besser geeignet als die Squeeze-Technik, da sie dem Empfinden beim Geschlechtsverkehr deutlich ähnlicher ist. Die Selbsterfahrung und Wahrnehmung der eigenen Erregung steht im Mittelpunkt dieser Technik zum Verhindern eines vorzeitigen Samenergusses.

So funktioniert die Stopp-Start-Technik

Zu Beginn masturbiert der Mann alleine (also ohne Erfolgsdruck durch die Partnerin) und stoppt die Masturbation jeweils kurz vor der kritischen Schwelle, dem "Point of no return", nachdem sich der Orgasmus für den Mann nicht mehr aufhalten lässt. Dieses Stoppen und Starten wiederholt er über einen Zeitraum von etwa 15 Minuten.

Hat der Mann erlernt den Orgasmus so zu unterdrücken, kann die Technik beim Geschlechtsverkehr mit der Partnerin oder dem Partner einesetzt werden. Beide vereinbaren ein Stopp-Signal, oder der Mann gibt unmissverständlich zu verstehen, wenn der Ejakulationsdrang zu stark wird und eine weitere Stimulation unterbleiben soll. Erst wenn er sich wieder auf einem deutlich niedrigeren Erregungslevel befindet, setzen beide den Akt fort. Auch ein Stellungswechsel kann die nötige Unterbrechung oder Reizminderung bewirken und den Orgasmus hinauszögern.

Sensibilitätsreduktion

Die in der Medizin zur örtlichen Betäubung der Haut bewährten Wirkstoffe Lidocain, Benzocain oder Prilocain können als medikamentöse Hilfe gegen den vorzeitigen Samenerguss helfen.

Wirkstoffe zu medikamentösen Behandlung der Ejaculatio Praecox

Bei Benzocain und Prilocain berichteten einige Patienten von einer bis zu vierfachen Orgasmusverzögerung. Dabei setze die Wirkung bereits eine Minute nach Applikation ein, so dass der Geschlechtsverkehr fast sofort möglich ist. Bei Lidocain dauert es indes meist etwa 20-30 Minuten bis die Betäubung einsetzt.

In Europa ist ein Kombinationspräparat aus dem rasch betäubendem Prilocain und anschließend länger anhaltenden Lidocain zur Behandlung der lebenslangen vorzeitigen Ejakulation zugelassen. Die Anwendung erfolgt 5 Minuten vor dem Beischlaf. Der Wirkstoff wird als Spray auf die Eichel aufgespüht.

Kondome mit benzocainhaltigem Gleitgel

Die führenden Hersteller von Kondomen bieten nicht nur Präservative für den Lustgewinn an, sondern haben sich auch auf den umgekehrten Fall eingestellt - wenn Männer immer früher kommen, als ihre Partnerin. Für diesen Fall gibt es Kondome, die innen mit einem benzocainhaltigem Gleitgel beschichtet sind. Der Wirkstoff betäubt die Hautnerven nicht komplett, kann aber in einem Anteil von rund fünf Prozent die Sensibilität des Penis an Spitze und Schaft soweit reduzieren, dass die Lust nicht darunter leidet, aber eine für einen Orgasmus benötigte Stimulation nicht eintreten kann.

Das Lokalanästhetikum baut sich binnen einem Zeitraum von rund 20 Minuten ab und der Penis ist wieder voll erregbar. Die Erektion leidet darunter nicht. Eine Unverträglichkeit auf den Wirstoff ist selten, dennoch kann es zu Hautreizungen, Jucken, Brennen und sogar Atemproblemen kommen. Dann ist ein von einem Gebrauch dieser Kondome ebenso abzuraten, wie bei offenen oder entzündeten Hautstellen.

Eine Kombination von beschichtetem Kondom und der oder auch der ist möglich.

Medikamentöse Behandlung

Eine medikamentöse Behandlung des vorzeitigen Samenergusses ist immer dann sinnvoll, wenn Techniken wie die , die , und eine Sexual- oder Paartherapie erfolglos bleiben. Medikamente können auch unabhängig von den genannten Alternativen eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die nicht gezielt zu diesem Zweck entwickelt wurden, sondern deren ejakulationshemmenden Eigenschaften zunächst als Nebenwirkungen beschrieben wurden. Für die gezielte Behandlung des vorzeitigen Samenergusses ist der Wirkstoff Dapoxetin zugelassen.

Orgasmus mit Medikamenten im Kopf steuern

Medikamente aus der Klasse der Psychopharmaka haben häufig eine ejakulationshemmende Nebenwirkung. Diese wurden in repräsentativen Studien genauer untersucht. So ist von einem Wirkstoff wie Clomipramin, der zur Behandlung von Zwangsstörungen eingesetzt wird, bekannt, dass er den Orgasmus um das 1,4-fache hinauszögert. Ähnliche Eigenschaften gelten für Herzmedikamente wie die häufig gegen Bluthochdruck verschriebenen Betablocker oder die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), wie Fluoxetin oder Setralin. Bei diesen wurde als häufige Nebenwirkung ein geminderte Lustempfindung (Libido) festgestellt, die wiederum einen positiven Einfluss auf eine bestehende Ejaculatio Praecox hat. Zugelassen sind diese Medikamente für die Behandlung nicht direkt, werden aber häufig verschrieben als sogenannter Off-Label-Use, also Verwendung jenseits der Bestimmung.

Dapoxetin schenkt 30 Extra-Sekunden

Ein speziell zur Behandlung der Ejaculatio Praecox entwickeltes und in Europa zugelassener Wirkstoff ist Dapoxetin. Dabei handelt es sich um einen sehr kurzzeitig wirksamen SSRI, der als Tablette bei Bedarf gut eine Stunde vor dem Sexualverkehr eingenommen werden kann. Es verzögert die Ejakulation um bis zu einer Minute.

So kommt er später

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. Januar 2016
Quellen: Hellstrom, W.: Emerging Treatments for premature ejaculation. Neuropsychiatric Disease and Treatment, Vol. 5, 2009, S. 37-46. Jungwirth, A. et al.: Leitlinie Ejaculatio praecox. Journal für Urologie und Urogynäkologie. Sonderheft 6, 2008, S. 15-16. Kreutzer, N et al: Premature ejaculation - A study of average ejaculation time and overview of the literature. In: Aktuelle Urologie 32 (2001) 7, S. 435-438. Mathers, M. J. et al.: Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox. Deutsches Ärzteblatt 104 (2007) 50, S. A3275-3480. Porst, E. et al.: The Premature Ejaculation Prevalence and Attitudes (PEPA) Survey, Comorbidities, and Professional Help-Seeking. European Urology, 51, 2007, S. 816-824. Sommer, F. und Schmäges, J.: Störungen der Ejakulation. Blickpunkt DER MANN 2007; 5 (2007), S. 21-27.

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