Haende um eine Kerze

Trauer ist individuell

Rituale geben Kraft

Auch wenn typische Trauerphasen beschrieben werden, trauert jeder Mensch individuell. Es macht keinen Sinn, von Verlusten betroffenen Menschen vorzugeben, wie sie zu trauern haben.

Viele Kulturen haben Trauerrituale entwickelt, die dabei helfen, den Tod eines Menschen zu bewältigen, der persönlichen Trauer einen Rahmen zu geben. Doch solche Rituale sind vielfach in Vergessenheit geraten oder sie werden kaum noch gepflegt. Ein Beispiel ist das rituelle Waschen, Ankleiden und Aufbahren des Toten, das Abschied nehmen in einem Sterbezimmer.

Doch Rituale können die Trauer erleichtern und ganz unterschiedliche Formen haben: Häufig gibt es den Wunsch nach einer individuellen Trauerfeier. Das Lieblingsgedicht des Verstorbenen kann am Grab vorgetragen werden, Sarg oder Urne können selbst gebaut und gestaltet, Grabmale mitunter entworfen werden. Gebete, das Anzünden von Kerzen oder eine Gedenkecke mit Fotos vom Verstorbenen können Wege sein, der Trauer Ausdruck zu verleihen. Entwickeln Sie eigene Rituale, um den schmerzhaften Verlust leichter zu bewältigen.

Manche Todesfälle kommen plötzlich und verhindern, dass man sich darauf einstellen oder verabschieden kann. Auch offene Dinge konnten plötzlich nicht mehr geklärt werden. Das Gefühl, dass eigentlich noch so vieles hätte ausgesprochen werden müssen, verhindert, dass der Trauerprozess einen Abschluss findet. In einem solchen Fall kann es hilfreich sein, Offenes symbolisch zu beenden. Dazu können Sie dem Verstorbenen beispielsweise einen Brief schreiben, den Sie anschließend vergraben oder einem Gewässer übergeben.

Hilfe in Anspruch nehmen

Fraglich ist, ob der Griff zur Tablette oder anderen „Beruhigungsmitteln“ hilfreich ist. Ähnlich wie andere „Symptome“ weist Trauerschmerz auf Wunden hin, die es zu „heilen“ gilt. Wer nur den Schmerz wegnimmt, riskiert, dass die eigentliche Wunde unnötig lange offen bleibt. Normale Trauer ist keine lebensbedrohliche Krankheit, die Sofortmaßnahmen erfordert, sondern vor allem Zeit. Von den meisten Menschen wird Trauer nach etwa einem Jahr weniger intensiv wahrgenommen. Allerdings können Jahre vergehen, bis der Trauerprozess abgeschlossen ist. Hilfe und Halt können Selbsthilfegruppen, professionelle Trauerbegleiter oder Trauerseminare geben. Auch psychotherapeutische Unterstützung kann angezeigt sein. Nehmen Sie vor allem dann professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie keine anderen Gesprächspartner haben oder sich das Gefühl manifestiert, in der Trauer „festgefahren“ zu sein. Ganz besonders aber, wenn der Verstorbene nicht auf natürliche Weise ums Leben gekommen ist, Sie Selbstmordgedanken haben oder unter einer chronischen Depression leiden.

Aus Trauer lernen

Trauer weist auf die Vergänglichkeit des Lebens hin. Sie verdeutlicht, dass Leben immer auch Abschiednehmen und sich Trennen heißt. Das fördert eine Haltung, die hilft, den Augenblick und das Vorhandene zu schätzen und die Relativität vieler Werte und Verhaltensweisen zu erkennen. Vielleicht haben Sie bedauert, dass der Verstorbene vieles nicht „geregelt“ oder zu Lebzeiten besprochen hat. Überlegen Sie, ob Sie sich genauso verhalten möchten. Finden Sie heraus, was Ihnen im Leben wirklich wichtig ist und versuchen Sie, diesen Dingen/Personen genügend Raum zu geben, solange es möglich ist.


Autor: Redaktion Heilberufe
Stand: Oct 16, 2009


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