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So lassen sich Schmerzen lindern

Medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen

Viele Menschen fürchten sich nicht so sehr vor dem Tod, sondern vor dem Leiden, das durch die Schmerzen verursacht wird. Für Angehörige ist es schwer mit anzusehen, dass ein geliebter Mensch leidet.

Eine Schmerztherapie bei starken Schmerzen ist ohne Medikamente nicht möglich. Doch gerade gegenüber Morphin (Opiat) gibt es Vorbehalte. Häufig wird deshalb die Einnahme abgelehnt. Um am Ende des Lebens noch von Lebensqualität sprechen zu können, ist aber die Behandlung der Schmerzen wichtig. Dabei kann die Unterstützung durch Angehörige hilfreich sein, um Widerstände des Sterbenden gegenüber dieser Medikamentengabe aufzulösen.

Vorurteile und Fakten

Wer kennt nicht die Vorurteile gegenüber Optiaten: Sie machen süchtig oder: Wenn man mit Morphin beginnt, ist alle Hoffnung aufgegeben und: sie beschleunigen den Tod. Richtig ist aber:

  • Als Schmerzmittel eingesetzt, wirkt das Opiat nicht „bewusstseinserweiternd“ und gibt keinen „Kick“.


  • Das Suchtrisiko unter Schmerzpatienten ist nicht größer als unter der Gesamtbevölkerung.


  • Schmerz dient als „Gegenspieler“ (physiologischer Antagonist) bei opioidbedingter Atemdepression.


  • In der palliativen Betreuung kann Morphin sogar zur Behandlung von Atemnot eingesetzt werden.


  • Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase sind Patienten in der Regel nicht mehr so müde und können ihre sozialen Kontakte in vollem Umfang pflegen.


  • Es besteht kein Gewöhnungseffekt. Eine Dosiserhöhung ist meist nur dann erforderlich, wenn die Schmerzursache (z.B. Tumor) zunimmt. Viele Patienten nehmen Morphin über Jahre hinweg und nicht erst in der letzten Phase ihres Lebens.


  • Die Verabreichung von Opiaten ist kein Indiz dafür, dass das Leben zu Ende geht.


  • Die Nebenwirkungen von Opiaten (Übelkeit, Müdigkeit) sind bekannt und berechenbar. Sie können auch vorbeugend behandelt werden.

Genaue Schmerzbeschreibung hilft

Um eine bestmögliche Schmerztherapie zu verordnen, ist der Arzt auf eine gute Beschreibung des Schmerzes angewiesen. Angehörige spielen dabei eine besondere Rolle, weil sie die meiste Zeit mit dem Patienten verbringen. Mittels einer Skala und eines Schmerztagebuchs können Stärke, Auftreten, Häufigkeit, Verlauf und Art des Schmerzes erfasst werden und dem behandelnden Arzt wertvolle Hinweise geben. Dieser verschreibt eine „Basismedikation“ und für plötzlich auftretende Schmerzen eine „Bedarfsmedikation“. Damit ist sowohl dem Patienten als auch seinen Angehörigen die Angst und Unsicherheit genommen, dass sie in einer akuten Schmerzsituation den Notarzt rufen müssen. Dem Sterbenden ist ein Stück seiner Eigenverantwortung und Autonomie zurückgegeben, in dem er selbst entscheidet, wann er wie viel von der Medikation nimmt, um sich wohl und schmerzfrei zu fühlen.

Schmerzmedikamente stehen in unterschiedlichen Verabreichungsformen zur Verfügung: Tabletten zum Schlucken und Lutschen, Kapseln, Tropfenlösungen, Zäpfchen, Pflaster, Lösungen zur Injektion und auch Schmerzmittelpumpen. Die Behandlung kann so der Situation des Patienten, der Stärke seiner Schmerzen und der gewünschten Wirkungsdauer individuell angepasst werden. Die Wirkung eines Schmerzmittels hängt nur wenig davon ab, ob es geschluckt oder injiziert wird. Es gibt Opioide der höchsten Wirkungsstufe, die als Tablette oder Tropfen zum Einnehmen zur Verfügung stehen. Es gibt aber auch „leichte“ Schmerzmittel, die über eine Ernährungssonde oder als Injektion verabreicht werden, zum Beispiel, wenn ein Patient nicht schlucken kann.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

Auch die Anwendung von Wärme oder Kälte kann Schmerzen reduzieren. Folgende nichtmedikamentösen Anwendungen sind von Angehörigen einfach durchzuführen:

  • Kälteanwendungen: Kühlgelkissen, Eisbeutel, Umschläge mit Quark, Wasser und Alkohol


  • Wärmeanwendungen: Wärmflaschen, Dinkel- oder Kirschkernkissen, Dampfkompressen, warme Wickel oder Wannenbad mit Zusätzen, die die Durchblutung fördern (Mineralsalze)


  • Weitere Maßnahmen: Lagerung beziehungsweise kleine Lagewechsel vornehmen, Zuwendung und Nähe (Haustiere können sehr hilfreich sein), Einreibungen und leichte Massagen (z.B. Handmassagen mit Schmerz- und krampflindernden Ölen wie Kamille und Rosmarin), Autogenes Training,


  • Aromatherapie: Kamille, Rosmarin und Pfefferminze wirken schmerzlindernd.


Wichtig!

Wärmflaschen und Kühlelemente niemals direkt auf die Haut geben, immer in Tücher wickeln. Die Haut ist regelmäßig zu kontrollieren. Vor der Anwendung die Temperatur prüfen und bei der Anwendung unbedingt die Reaktion des Patienten beobachten.


Autor: Redaktion Heilberufe
Stand: Oct 27, 2009


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