Atemfrisch
Mundpflege und Mundtrockenheit
Die Mundpflege kann die Lebensqualität eines Patienten deutlich steigern. Doch sie sollte bitte nie gegen den Widerstand des Patienten durchgeführt werden.
Häufig atmen schwerkranke Menschen mit offenem Mund. Das führt zur Austrocknung der Schleimhaut, es bilden sich Beläge, die später zu Borken werden. Risse und Entzündungen entstehen; der Patient hat bei jedem Schlucken und beim Essen Schmerzen. Da die Mundpflege vor allem bei Menschen mit Beeinträchtigung der Wahrnehmung schwierig ist, empfiehlt sich folgendes Vorgehen.
Wahrnehmungsfördernde Mundpflege
- Vertrauen aufbauen!
- Kontakt halten – je nach Wahrnehmungsfähigkeit
- Innehalten bei Ablehnung
- Gewohnheiten des Patienten berücksichtigen (Zahnpasta/Mundwasser? Wie wurde es früher durchgeführt?)
- Die Mundpflege in einen Sinnzusammenhang stellen, zum Beispiel vor der Nachtruhe.
Ausreichende Kopfstabilität
- Lagerung des Kopfes in Mittelstellung, leicht vorgebeugt, eventuell Stabilisierung des Kopfes durch Kissen oder Handtuchrolle
- Bei fehlender Rumpf- und Kopfstabilität, Mundpflege in Seitenlage.
Annäherung an den Mund
- Systematisches Ausstreichen zum Mund hin, sternförmige Berührungen
- Kreisförmiges Umfahren der Lippen
- Finger rollt sich hinter die Lippen.
Mundpflege durchführen
- Langsame Vorgehensweise mit kleinen Pausen; Patient soll mitbekommen, was passiert
- Wenige verbale Informationen
- Utensilien sehen, riechen, betasten lassen – je nach Wahrnehmungsfähigkeit
- Auswahl der Materialien zur Mundpflege bedenken: Finger des Patienten, der Pflegenden, mit einem Tupfer umhüllen
- Zahnbürste vorsichtig einsetzen (elektrische Zahnbürste nur, wenn es der Patient wünscht und gewöhnt ist)
- Aktivitäten vom Patienten wenn möglich selbst durchführen lassen, dazu geführte Bewegungen anbieten
- Anfang und Ende klar strukturieren
- Zunächst im vorderen Bereich des Mundes arbeiten
- Mundbereich (Wangeninnenseiten, Zahnfleisch) ausstreichen
- Vorsichtiges Reinigen der Zähne von „rot nach weiß“
- Nie gegen Widerstand zu tief in den Mund gehen
- Pausen einlegen, der Patient kann sich erholen und abschlucken
- Bei Abwehrbewegungen (Zubeißen, Kopf wegdrehen) pausieren.
Tipp!
Der Geschmack von Butter und Sahne wird von Menschen, die die Kriegsjahre miterlebt haben, häufig positiv empfunden. Versuchen Sie die Lippen damit dünn einzustreichen – oft wird dann die Butter von den Lippen geleckt.


