Geschwüre am Unterschenkel

Ein offenes Bein kommt nie allein

Mehr als 1,2 Millionen Deutsche leiden an offenen Beinen – Frauen öfter als Männer. Das Risiko daran zu erkranken steigt mit dem Alter, aber auch durch Krankheiten wie Krampfadern oder Diabetes.

Ein offenes Bein kann viele Ursachen haben. Umso früher ein Arzt eine genaue Diagnose stellt und eine passende Therapie einleitet, desto besser sind die Heilungschancen für chronische Wunden am Unterschenkel, medizinisch „Ulcus cruris“ genannt. Grundsätzlich gilt: Jede unklare Hautwunde, die nicht binnen wenigen Wochen heilt, größer wird oder sich entzündet, muss ärztlich abgeklärt werden. Gerade Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten gut auf Veränderungen ihrer Haut achten, um ein offenes Bein erst gar nicht entstehen zu lassen.

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Schwache Venen und Krampfadern

Bis zu 80% aller Beingeschwüre sind die Folge von Venenleiden, vor allem von einer chronisch venösen Insuffizienz. Ist diese Venenschwäche stark ausgeprägt, erweitern sich die Blutgefäße und es entstehen Krampfadern. Sie führen dazu, dass die Venen ihre Aufgabe, das sauerstoffarme und mit Abbauprodukten beladene Blut in Richtung Herz und zu den abbauenden Organen Lunge, Leber und Nieren zu transportieren, nicht mehr erfüllen können. Die Beinvenen schwellen außerdem an und es sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe (Ödem). Mit der Zeit verhärtet das Bindegewebe. Das Gewebe wird nur noch schlecht versorgt und es kann ein Beingeschwür entstehen. Häufig geschieht das infolge einer Thrombose, also durch einen Blutpfropf in einer tiefen Bein- oder Beckenvene. Gefährdet sind vor allem Menschen, die sehr viel sitzen oder stehen, rauchen oder die Antibabypille nehmen. Hinzu kommen ein vererbtes schwaches Bindegewebe, Gerinnungsstörungen, Schwangerschaften, Übergewicht, Beinbrüche und vorangegangene Operationen an dem betroffenen Bein.

Stadien der Venenschwäche
Stadium I: Ödem am Knöchel, Besenreiser am Knöchel
Stadium II: Braune Verfärbung der Haut an Unterschenkel und Knöchel; Verlust der Elastizität
Stadium III: Abgeheilte oder offene Geschwüre am Knöchel

Verengte Arterien und Bluthochdruck

Anders als die Venen transportieren die Arterien das mit Sauerstoff und Nährstoffen beladene Blut vom Herz weg in den Körper. Setzen sich diese Blutgefäße zu, spricht der Volksmund von Verkalkung. Die Folge einer solchen Arteriosklerose ist, dass das Gewebe nur mangelhaft versorgt wird. Die Verengung der Arterien vermindert die Durchblutung der Beine, was zu starken Schmerzen führt. Arteriosklerose entsteht vor allem durch Rauchen, Bluthochdruck, einen erhöhten Cholesterinspiegel und Diabetes mellitus. Bei einer Arterienschwäche kann schon aus kleinen Verletzungen ein Geschwür werden.

Diabetes und Rheuma

Diabetiker sind sehr gefährdet, offene, schlecht heilende Wunden zu entwickeln. Schuld daran sind eine gedrosselte Durchblutung und Gefühlsstörungen in den Füßen. Diabetiker sollten daher täglich ihre Haut kontrollieren, da ihnen Verletzungen meist keine oder nur wenige Schmerzen bereiten. Kleine Abschürfungen, Druckstellen und Hornhaut können sich zu einem Geschwür entwickeln. Auch die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) birgt ein großes Risiko für Beingeschwüre. Zum einem mindert die Entzündung der Gefäßwände die Durchblutung, zum anderen leiden viele Rheumapatienten an Arteriosklerose.

Sonstige Erkrankungen

Etwa 10% aller chronischen Beinwunden werden durch seltene Ursachen hervorgerufen. Dazu gehören Infektionen durch Bakterien, Pilzerkrankungen, Tumoren der Haut und die Autoimmunkrankheit "Pyoderma gangraenosum".


Autor: Martina Janning / Redaktion Heilberufe
Stand: Oct 27, 2009


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