hände_wasser

Hautpflege bei Inkontinenz

Hautschäden vermeiden

Die Hautpflege beim inkontinenten Menschen ist eine große Herausforderung für die pflegenden Angehörigen. Viele glauben, gerade wunder Haut mit viel Pflege etwas Gutes zu tun. Doch oft ist weniger mehr.

Unsere Haut hat die Funktion, den Körper vor aggressiven und schädigenden Einflüssen zu schützen. Sind die körpereigenen Fette der Haut nicht mehr ausreichend vorhanden beziehungsweise immer wieder abgewaschen worden, wird die Haut durch den Mangel an Fettschutz einer extremen Verdunstung ausgesetzt. Austrocknung, spröde und rissige Haut ist die Folge. Diese kleinsten Verletzungen der Haut sind wiederum Ausgangspunkte für Infektionen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich bei inkontinenten Menschen, die mit Vorlagen versorgt sind, meist mehr Keime auf der Haut befinden.

Viel trinken

Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Inkontinente Menschen neigen dazu, wenig zu trinken. Sie glauben, sie müssten dann nicht so oft ausscheiden. Ein fataler Irrtum: Durch die Reduzierung der Flüssigkeit wird der Urin konzentrierter und aggressiver. Dies wiederum führt zu einem stärkeren Harndrang und damit zu häufigeren Ausscheidungen.

Reinigung

Bei der Reinigung der Haut sollten weder der Feuchtigkeitsgehalt noch der Säure- und Fettschutzmantel in Mitleidenschaft gezogen werden. Waschen Sie nur so oft wie wirklich nötig. Seifen sind unnötig und eher schädigend. Klares Wasser besitzt ausreichende Reinigungswirkung und es bedarf keines Zusatzes Tipp: Ein Schuss Zitronensaft ins Waschwasser nimmt Gerüche, riecht frisch und hat nebenbei auch noch die Wirkung, dass gewollte Säure auf die Haut aufgebracht wird.

Salben decken ab

Auf keinen Fall sollten Sie die Haut mit Salben abdecken, das würde die Haut austrocknen. Denken Sie zum Beispiel mal an einen Fettstift zur Lippenpflege. Fast jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, das das Auftragen eines solchen Stiftes im ersten Moment angenehm ist, aber schon nach kurzer Zeit die Lippen sehr spröde wirken lässt, was natürlich zur Folge hat, dass wieder Fett aufgetragen wird. Dieses Beispiel lässt sich auf Pflegesituationen bei Inkontinenz übertragen. Bei regelmäßiger Anwendung von Anti-Dekubitus-Pasten, Vaseline, Melkfett, Zinkpaste, reinem Babyöl etc. scheint die Haut in Ordnung zu sein. Was mit der Haut passiert ist, fällt meist erst auf, wenn die Fette ein paar Tage nicht mehr aufgetragen werden. Außerdem können sich bei Anwendung von abdeckenden Präparaten Keime leicht vermehren. Dazu kommt, das diesen "Abdeckungen" mit reinem Wasser schlecht zu Leibe gerückt werden kann.

Cremes und Lotionen

Cremes und Lotionen sind Emulsionen aus Wasser und Fetten/Ölen. Es wird unterschieden zwischen O/W (Öl in Wasser) und W/O (Wasser in Öl). Aus den O/W-Emulsionen wird auf der Haut mehr Wasser verdunstet. Sie werden deshalb nicht bei trockener Haut eingesetzt. Hingegen sind W/O-Lotionen bei trockener Haut sehr gut geeignet. Der Unterschied zur Salbe ist der Wasseranteil der W/O-Lotion, der nach der Verteilung des Produkts auf der Haut verdunstet. Dort entstehen sehr wichtige Lücken, die die Hautfunktionen (z.B. Temperaturausgleich) erhalten. Sollte aus der Deklaration oder Beschreibung der Lotion nicht ersichtlich sein, ob es sich um eine W/O oder O/W handelt, können Hinweise wie "zieht schnell ein" zur Identifizierung nützlich sein. Achtung: Pflegezubereitungen enthalten oftmals Wirkstoffe, die die Haut austrocknen. Dazu zählen auch Kamille oder Teebaumöl.

Hautprotektor

Es gibt heute verschiedene Produkte, die als Hautprotektoren eingesetzt werden (z.B. Cavilon™). Hierdurch wird der Schutzfilm in der Hornhaut eingelagert. Er stört somit die Hautfunktionen nicht und muss nur einmal täglich aufgetragen werden, was Zeit und Geld spart.

Tipps und Tricks

Das gilt es zu vermeiden:

  • Kontakt der Haut mit Harn- und Stuhl
  • Feucht-warmes Milieu (Nährboden für Mikroorganismen!)
  • Starke Keimbesiedelung
  • Ungeeignetes Versorgungsmaterial (Produktqualität, Anwendungsfehler)
  • Verlust des Säure- und Fettschutzmantels
  • Häufige Waschungen mit ungeeigneten Produkten und unsachgemäße Pflege
  • Ammoniak-Entstehung

Gute Inkontinenzversorgung zeichnet sich aus durch:

  • Salben und Pasten vermeiden, um die Aufnahmefähigkeit der Vorlagen zu erhalten
  • Angepasster Wechselintervall, eventuell zur Erhebung ein Miktionsprotokoll führen
  • Inkontinenzmittel sollten so klein und "offen" wie möglich sein
  • Bei Männern eventuell auf Kondom-Urinale umstellen
  • Reduzierung oder Vermeidung der Hilfsmittel durch: Toilettentraining, Beckenbodentraining, Verhaltenstraining


Autor: Redaktion Heilberufe
Stand: Oct 27, 2009


Sie lesen gerade:

Hautschäden vermeiden

Seite empfehlen:
A A A

Mit freundlicher Unterstützung von

Heilberufe online

Palliativmedizin

Heilberufe Spezial

Spezialheft "Palliative Care"

Mit dem Spezialheft "Palliative Care" gibt die Fachzeitschrift Heilberufe professionellen Pflegekräften und pflegenden Angehörigen Tipps und Informationen für die Palliativversorgung ihrer Patienten.

Zur Bestellung