
Autark leben im Pflegefall
Wohnen in einem Haus von morgen
In Remscheid-Lennep leben 66 ältere Menschen mit Demenz und Pflegebedarf in sechs Hausgemeinschaften ohne jede Zentralversorgung, ohne Wäscherei, ohne Rezeption. Wer kann, kocht mit, bäckt, legt Wäsche zusammen.
Angeboten wird das Hausgemeinschaftskonzept von der CBT - Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH. Das Grundprinzip lautet: Normale Lebensgestaltung in einem beschützenden Rahmen. Alltag und Tagesgestaltung richten sich nach den Bedürfnissen und Ressourcen der Bewohner. In jeder Hausgemeinschaft leben 10 bis 12 Bewohner, die von 7 bis 10 Mitarbeitern (je nach Pflegstufe der Bewohner) aus den Bereichen Pflege, Hauswirtschaft und psychosoziale Begleitung betreut werden. Gemeinsam mit den Bewohnern gestalten sie den Tag. Schon die Einrichtung der Räumlichkeiten schafft Sicherheit und gibt Orientierungshilfe, damit sich die Bewohner geborgen fühlen können. Es wurden spezielle, helle und gut überschaubare Wohnküchen eingerichtet, die wie früher Mittelpunkt des täglichen Geschehens sind. Hier können die Bewohner sich aktiv am Tagesablauf beteiligen und in der Gemeinschaft den Tag verbringen. Es gibt aber auch Raum und Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Rund um den Küchenbereich gruppieren sich die individuell eingerichteten Appartements der Bewohner.
In diesen Hausgemeinschaften können auch an Demenz erkrankte Bewohner den Alltag im Rahmen ihrer Möglichkeiten leben. Die anregende Atmosphäre gibt Antrieb und Anreize zu Mobilität - mit bemerkenswertem Erfolg: Die Bewohner in den Hausgemeinschaften benötigen keine oder weniger Psychopharmaka. Auch Ernährungsprobleme werden geringer. Die Lust am Essen ist durch das Mitkochen, Zuschauen und die aufsteigenden Düfte geweckt. Tätigkeiten wie Bügeln, Tisch decken, spülen und so weiter strahlen Normalität aus, die gemeinsamen Tischrituale geben Orientierung. Geschäftigkeit schafft mehr Sicherheit und Selbstwertgefühl. Angehörige und Ehrenamtlichen schätzen die familiäre Atmosphäre, die ihren pflegebedürftigen Angehörigen offensichtlich gut tut.
Foto: Patrick Zier



