Pflegebedürftigkeit

Ab wann zahlt die Pflegekasse?

Die Pflegekasse zahlt Pflegegeld für pflegebedürftige Menschen. Wenn Menschen nicht mehr allen ihren Alltag bewältigen können, wird es Zeit, sich Unterstützung bei der Pflege zu holen. Die Pflegekasse zahlt dann, wenn dieser Hilfebedarf der Bedürftigen voraussichtlich dauerhaft ist, und mindestens sechs Monate lang benötigt wird.

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Die Pflegekasse kann im Alltag unterstützen.
Getty Images/Hemera

Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XI) sind Personen pflegebedürftig, wenn sie wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung ihre gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens in erheblichem Maße nicht mehr selbstständig durchführen können und deshalb Hilfe benötigen.

Wie bekommt man Pflegegeld von der Pflegekasse?

Wer Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen will, muss einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, diese ist bei der Krankenkasse angesiedelt. Antragsberechtigt ist der Versicherte. Wenn der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen so schlecht ist, dass er den Antrag nicht selbst stellen kann, müssen die Angehörigen das für ihn übernehmen.

  • Fordern Sie bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen einen Antrag an (einfach anrufen). Mit der Anforderung gilt der Antrag als gestellt!
  • Füllen Sie den Antrag aus und senden Sie ihn an die Pflegekasse zurück.
  • Die Pflegekasse sendet Ihnen einen „Pflegebogen zur Vorlage beim MDK“ zu. Das Ausfüllen des Bogens ist freiwillig.
  • Ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (kurz: MDK) kommt nach vorheriger Ankündigung in die Wohnung des Pflegebedürftigen und begutachtet ihn dort.
  • Der MDK fertigt ein Gutachten über den Pflegebedarf (Hilfebedarf) an.
  • Die Pflegekasse teilt dem Versicherten das Ergebnis mit.

Begutachtungsrichtlinien

Damit die Einstufungen nach gleichen Maßstäben erfolgen, wurden Richtlinien entwickelt. Häufig wird jedoch festgestellt, dass der vom Gutachter erfasste Pflegeaufwand nicht der Zeitbedarf ist, den Sie tatsächlich für die Pflege aufwenden. Tatsächlich werden lediglich die vom Gesetzgeber vorgegebenen Minutenwerte (Zeitkorridore) berücksichtigt. Dies sind zum Beispiel 1-2 Minuten für die Hilfe beim Aufstehen, 5 Minuten für die Zahnpflege oder 15-20 Minuten für ein Duschbad.

Wenn Sie mit der Einstufung und der Entscheidung der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb eines Monats nach Zustellung des Bescheides Widerspruch einlegen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Ein- oder Höherstufung zu stellen, wenn sich der Pflegebedarf erhöht hat.

Zur Erhebung der Pflegestufe durch den MDK ist es hilfreich, wenn Sie ein Pflegetagebuch führen, außerdem erleichtert es Ihnen das Ausfüllen des Pflegebogens. Auf der Basis Ihrer Angaben kann der individuelle Pflege- und Hilfebedarf schneller ermittelt werden.

  • Notieren Sie in den Tagebuchseiten unter den Zeitaufwand in Minuten täglich die benötigte Zeit.
  • Führen Sie das Tagebuch mindestens für 2-3 Wochen.
  • Legen Sie alle relevanten Unterlagen und Berichte von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegediensten (z. B. die Pflegedokumentation) und die Bescheinigungen anderer Sozialleistungsträger bereit.
  • Notieren Sie sich alle Hilfsmittel, die verwendet werden.
  • Stellen Sie alle ärztlich verordneten Medikamente der pflegebedürftigen Person bereit.
  • Überlegen Sie, welche die Pflege erschwerende Faktoren beim Pflegebedürftigen vorliegen.
  • Ermitteln Sie Größe und Gewicht des Pflegebedürftigen.
  • Notieren Sie, ob ggf. körperliche und geistige Störungen bestehen.

TIPP: Das Tagebuch kann kostenlos bei der Pflegekasse besorgt werden.

Autor: Martina Döbele, Angehörige pflegen, Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 23. November 2009
Quellen: http://www.springer.com/medicine/book/978-3-540-72265-6

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