Neurologische Störungen durch HIV-Infektion

Warum so viele HIV-Patienten Demenz bekommen

"Hand" kürzen Forscher das Phänomen ab, dass ältere HIV-Patienten überdurchschnittlich oft eine Demenz entwickeln. Dem Mechanismus dahinter sind deutsche Forscher auf die Schliche gekommen.

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Wenn HI-Viren Nervenzellen (Neuronen) umprogrammieren, können Demenz und motorische Störungen die Folge sein.
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Die Abkürzung steht für "HIV-associated neurocognitive disorders" - neurologische Störungen also, die mit einer HIV-Infektion in Verbindung stehen. Eine Hand bedeutet dabei nicht zwingend Vergesslichkeit und Verwirrtheit. Auch motorische Störungen und Verhaltensänderungen zählen dazu. Wieso sie gerade Patienten mit HIV-Infektion betreffen, war Forschern und Ärzten bislang ein Rätsel.

Nun kamen Bochumer Wissenschaftler dem Mechanismus hinter der Häufung solcher Symptome bei HIV-Infizierten auf die Spur. Sie konnten in Versuchen mit Ratten und dem Hirnwasser von HIV-Patienten zeigen, dass von den Viren befallene Zellen bestimmte Immunzellen im Gehirn aktivieren. Diese Zellen entfalten daraufhin eine zerstörerische Wirkung, sie tragen zum Tod von Nervenzellen und damit zur Entstehung einer Hand bei.

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HIV greift Neuronen an

„Wir konnten durch unsere Untersuchungen die Mechanismen der Neurodegeneration durch HIV detaillierter verstehen“, fasst Professor Andrew Chan von der Ruhr-Uni in Bochum (RUB) die Studienergebnisse zusammen. Die Forscher haben insbesondere den Verdacht, dass Immunzellen in Gehirn und Rückenmark aktiviert werden und so eine chronische Entzündungssituation entsteht, die zum Untergang der Neuronen führt.

Ihre Ergebnisse, so hoffen die Forscher, könnten helfen, Biomarker zu entwickeln und neue therapeutische Ansätze zu finden: "Langfristig sollen aus diesen Daten Therapiestrategien entwickelt werden, um das Voranschreiten von Hand bei HIV-infizierten Menschen zu verlangsamen", erklärt Chan. Die Studie seines Teams erschien in der Fachzeitschrift „Experimental Neurology“.

Lebenserwartung von HIV-Patienten deutlich gestiegen

Neurokognitive Störungen bis hin zur Demenz betreffen beinahe jeden zweiten HIV-Patienten. Seit Mitte der Neunziger die kombinierte antiretrovirale Therapie gegen HI-Viren etabliert wurde, hat sich die Lebenserwartung von Menschen mit HIV-Infektion deutlich erhöht. Dadurch allerdings gewinnen Langzeitkomplikationen wie Hand an Bedeutung. Forschung zu Früherkennungs- und Therapiemöglichkeiten tut deshalb not.

HI-Viren schaden den Nervenzellen womöglich mehrfach

Denn trotz der neuen Erkenntnisse ist die Entstehung einer Hand bis heute nicht exakt geklärt. „Man geht davon aus, dass HIV sowohl direkt schädlich für Nervenzellen ist, als auch indirekte Mechanismen anstößt, die zur Schädigung von Nervenzellen führen“, sagt dazu der RUB-Neurologe Dr. Simon Faissner.

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Letzte Aktualisierung: 04. September 2014
Quellen: Mitteilung der Ruhr-Universität Bochum

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