Comic-Helden helfen

Mit Trickfilmen angstfrei zur OP

Dass Kinder keine großen Fans von Ärzten und Spritzen sind, ist keine neue Erkenntnis. Gerade vor Operationen ist der Umgang mit den kleinen Patienten oft besonders schwierig. Eine aktuelle Studie zeigt Ärzten nun einen Wunderweg: Zeichentrickfilme machten die Vorbereitung zur OP fast zum „Kinderspiel“.

Mindestens jedes zweite Kind hat Angst vor einem operativen Eingriff. Gerade bei kleinen Patienten erschwert dies die Vorbereitung einer OP oft zusätzlich: Sie lassen sich kaum von den Eltern trennen, wehren sich gegen Pflaster, Masken und Kabel und lehnen jede Spritze kategorisch und mit Gebrüll ab. Schmerzen, fremde Umgebung und Menschen, unverständliche Abläufe und beängstigende Gerätschaften erhöhen den Stresspegel, nicht selten kommt noch die schlechte Erinnerung an den letzten Arztbesuch dazu.

Neue Erfahrungen zeigen nun, dass die Ablenkung der Kinder durch Zeichentrickfilme wahre Wunder wirken kann: Bekamen Kinder bereits auf dem Weg zum OP-Saal ein Smartphone oder Tablet PC, auf dem ein beliebter Trickfilm lief, ließen sie in der großen Mehrzahl der Fälle alle weiteren Prozeduren ungerührt über sich ergehen.

„Während sie wie gebannt den Film schauten, konnten wir sie problemlos an den Überwachungsmonitor anschließen“, berichtet Dr. med. Mario Eggers, Anästhesist von der Anästhesiegemeinschaftspraxis Narkoseteam Berlin und der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an den DRK-Kliniken Berlin Westend. Selbst der sonst kritischste Punkt einer Narkoseeinleitung durch Injektion des Narkosemedikaments in eine Vene war bei 20 von 25 Kindern problemlos möglich. Nach lokaler Betäubung der Haut mit einer Creme nahmen die Kinder den Stich in die Haut kaum noch wahr, so Eggers. Kollegen aus Münster bestätigen die positiven Erfahrungen.

Professor Dr. med. Hugo Van Aken, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin rät dazu, diese neuen Ergebnisse in die standardisierten Abläufe der Narkosemedizin mit einzubeziehen und den positiven Effekt der Medien häufiger zu nutzen. Er betont allerdings auch, dass weiterhin das kindgerechte Aufklärungsgespräch durch den zuständigen Arzt an erster Stelle stehe. Zudem helfen Medikamente, Kinder vor der Narkose zu beruhigen und Schmerzen zu lindern.

Die DGAI empfiehlt dementsprechend, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Erfahrung für die kleinen Patienten so angenehm wie möglich zu machen. Von der schmerzstillenden Creme bis zum Trickfilm darf und soll alles, was hilft, zum Einsatz kommen, um den Kindern schlechte Erinnerungen zu ersparen.

Der wissenschaftliche Arbeitskreis Kinderanästhesie der DGAI hat für Eltern nun extra eine Infomationsbroschüre zu Vorbereitung, Ablauf und Sicherheit einer Narkose bei Kindern entwickelt. Diese kann bei Interesse über das Internet bestellt werden.

Autor: Lifeline / Anna Stretz
Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2012
Quellen: Pressemitteilung der DGAI vom 22.12.2011: Trickfilme gegen die Tränen vor der Operation; Eggers M. et al. Erfahrungsbericht aus der Praxis – Einsatz moderner Medien in der Kinderanästhesie. Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46: 618–619

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