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Bessere Prognose ermöglicht vielleicht bald verlaufsgerechtere Therapie

26.11.2010 - Die Unsicherheit, mit der MS-Patienten oft leben, zählt mit zu den Dingen, die die Lebensqualität deutlich beeinflussen können. Bisher können die Ärzte nur Schätzungen abgeben, wie sich die chronische Krankheit in den folgenden Jahren und Jahrzehnten entwickeln könnte. Neue Methoden, den Verlauf einer MS besser einzuschätzen, liegen daher ebenfalls im Fokus der Wissenschaftler.

Für die Frage, ob bei einer Multiplen Sklerose bleibende Beeinträchtigungen entstehen oder nicht, spielt der direkte Schaden an den Nervenfasern (Axone) möglicherweise sogar eine größere Rolle als die auf die Myelinscheiden gerichteten Angriffe.

Daß die Axone, wie seit längerem vermutet, schon zu Beginn der Erkrankung betroffen sind, bestätigen neuere Auswertungen von Kernspin-Aufnahmen. Die Schädigung, die in einem Verlust an Hirnmasse mündet, lässt sich aus einer Vergrößerung der inneren Nervenwasserräume, der sogenannten Ventrikel, errechnen. Dieser Prozess wurde bei einer Studie der Freien Universität Amsterdam mit 54 MS-Patienten im Frühstadium der Erkrankung über fünf Jahre hinweg beobachtet. Anhaltspunkte stellten dabei die jährliche Änderungsrate des Gehirnvolumens (aPBVC) und die jährliche Änderungsrate des Ventrikelvolumens (aPVVC) dar. Auf der anderen Seite wurde im selben Zeitraum die Zunahme körperlicher Einschränkungen nach der Erweiterten Skala für den Status der Behinderung (EDSS) untersucht. Bei 29 der beobachteten Patienten fand im Verlauf der Studie eine Zunahme der Behinderung statt. Die parallel dazu im MRT erfasste Erweiterung der Ventrikelräume bei diesen Patienten erwies sich dabei als empfindlicher Marker für organische Veränderungen im Frühstadium.

Im Karolinska Institut in Schweden konnte nachgewiesen werden, daß diese Entwicklungen einander wahrscheinlich auch im späteren Verlauf noch entsprechen. 37 Patienten, teilweise seit mehreren Jahrzehnten erkrankt, unterzogen sich über sieben bis zehn Jahre hinweg regelmäßigen MRT-Untersuchungen. Auch hier stimmte das Maß der Ausbreitung der Liquorräume mit dem Fortschreiten bleibender Beschwerden überein.Bisher gelten die Anzahl der Schübe über einen Zeitraum und neuentstandene Herde als Maßstab für die Aktivität der MS. Dieser Maßstab ist leider oft trügerisch, weil er nicht ihre komplette Aktivität abbildet. Wenn ein Teil der Entzündung dem Blick verborgen bleibt, kann sich das später nachteilig auswirken, da die Chance zu einer aktivitätsgerechten Behandlung unter Umständen nicht genutzt wird. Der zusätzliche Marker einer Veränderung des Ventrikelraums, der vielleicht in einiger Zeit regulär eingesetzt werden kann, sollte erlauben, die Erkrankung besser zu beurteilen. Die Notwendigkeit, eine Therapie zu beginnen oder auf eine stärkere Therapie zu wechseln, könnte so schneller erkannt werden.

Autor: J. Wismar
Veröffentlicht am: 26. November 2010
Letzte Aktualisierung: 23. November 2011
Quellen: Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 2010, 81 (12)

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