Medikamentöse Behandlung

Schmerzmedikamente können Schmerzen auslösen

Gehirn,Thinkstock-Nr.93958555.jpg
Das plötzliche Absetzen von Opioiden schlägt sich im Schmerzgedächtnis als Langzeit-Potenzierung (LTP) nieder.
(c) Getty Images/Hemera

Eine neue Untersuchung zeigt, dass starke Schmerzmittel die Schmerzempfindlichkeit in die Höhe treiben und damit die Beschwerden von Schmerzpatienten verstärken können.

Sogenannte Opioide sollen die Beschwerden von Schmerzpatienten lindern und ihre Lebensqualität verbessern. Tatsächlich jedoch können die Medikamente die Empfindlichkeit auf Schmerzreize steigern und damit bestehende Schmerzen verstärken. Forscher der Medizinischen Universität Wien konnten nun aufklären, wie es zu dieser sogenannte Hyperalgesie kommt. Für ihre Untersuchung erhielten Dr. Ruth Drdla, Matthias Gassner und Prof. Dr. Jürgen Sandkühler den Ehrenpreis des Deutschen Schmerzpreises.

Auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt berichten die Forscher vom Zentrum für Hirnforschung der Medizinischen Universität Wien, dass ein abruptes Absetzen von Opioiden einen Vorgang ins Rollen bringen kann, bei dem sich die synaptische Erregungsübertragung in den Schmerzbahnen des Rückenmarks ändern kann. Dieser als LTP (Long-Term Potentiation) bezeichnete Vorgang spielt scheinbar eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Schmerzgedächtnisses, das unter anderem durch das plötzliche Absetzen von Opioiden entstehen kann. Werden die Schmerzmittel hingegen langsam abgesetzt, unterbleibt die LTP und damit der Einfluss auf die Erregbarkeit in den Schmerzbahnen.

Die Untersuchungen konnten ferner zeigen, dass sich die Hyperalgesie durch den Einsatz von retardierten Darreichungsformen, bei denen der Wirkstoff gleichmäßig über einen längeren Zeitraum abgegeben wird, verhindern lässt. Auch die genaue individuelle Anpassung der Behandlungsdauer und –intensität scheinen eine wesentliche Rolle zu spielen. Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Wolfgang Koppert haben außerdem ergeben, dass Entzündungshemmer die Schmerzverarbeitung beeinflussen können. "Darum kann es sinnvoll sein, eine Opiatbehandlung mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln zu kombinieren, wenn es Hinweise gibt, dass Patienten eine Hyperalgesie entwickeln", erklärt Koppert.

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 30. März 2010
Quellen: Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

Neueste Fragen aus der Community
Aktuelle Top-Themen
Zu viel Salz schadet Diabetiker-Herzen
Natriumarme Ernährung senkt das Risiko

Wieso Menschen mit Diabetes Typ 2 lieber selbst kochen und nicht nachsalzen mehr...

Erhöht Vitamin-D-Mangel die Sterblichkeit?
Sonnenvitamin für Knochengerüst und Nervenkostüm

Forscher enttarnen niedrigen Vitamin-D-Spiegel als Indikator für baldiges Ableben mehr...

Hebamme versuchte schon früher zu töten
Mindestens fünf Schwangeren falsche Medikamente verabreicht

Die verhaftete Hebamme gab auch an ihrer alten Arbeitsstelle einer Schwangeren das falsche Mittel mehr...

Ein Viertel mehr Hautkrebs-OPs in fünf Jahren
Massiver Anstieg von Tumoren der Haut

Hautkrebs nimmt so massiv zu wie keine andere Krebsart: um über 20 Prozent in nur fünf Jahren mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • HaarausfallHaarausfall

    So stoppen Sie hormonell erblich bedingten Haarausfall und stärken Ihr Haar von Innen mehr...

  • AllergieAllergie

    Bei Kindern treten sie gehäuft auf und jeder vierte Erwachsene quält sich: Allergien mehr...

Zum Seitenanfang