Magen-Darm-Erkrankungen

Reizdarm-Syndrom: Mastzellen als Verursacher im Verdacht

Reizdarm-Syndrom-Mastzellen-als-Verursacher-im-Verdacht-95297668.jpg
Reizdarm: Die wirkliche Ursache ist noch nicht geklärt.
FRANCK CAMHI

Blähungen, Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen oder Durchfall sind häufige Beschwerden bei einem Reizdarm. Die Symptome können so gravierend sein, dass sie denen einer schweren Darmentzündung ähneln. Eine organische Ursache ist bei den Betroffenen jedoch nicht festzustellen. Stress und innere Unruhe können die Beschwerden begünstigen.

Die genauen Ursachen des Reizdarm-Syndroms sind bisher unklar. Als Auslöser geraten jedoch mehr und mehr bestimmte Immunzellen in Verdacht, die so genannten Mastzellen. Mastzellen sind Zellen unseres Immunsystems, die eine Vielzahl von Botenstoffen speichern. Bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten oder auch Allergenen können sie durch Freisetzung der Botenstoffe eine Immunreaktion einleiten und die Körperabwehr koordinieren. Sind Mastzellen jedoch genetisch verändert, werden sie auch ohne Anlass aktiv und lösen beispielsweise Entzündungssymptome aus. Da Mastzellen in allen Geweben und Organen des Körpers zu finden sind, kann ihre Fehlfunktion zu vielen verschiedenen Beschwerden führen.

Überfunktion der Mastzellen als Ursache für den Reizdarm

Eine aktuelle Studie der Universität Bonn verleiht diesem Verdacht nun weiteres Gewicht: Die Forscher fanden bei Patienten mit schweren Reizdarm-Symptomen deutliche Hinweise auf eine krankhafte Überaktivität der Mastzellen.

Bei 20 Patienten mit schweren Reizdarm-Symptomen wurde die Funktion der Mastzellen untersucht. Im Fokus der Untersuchungen standen dabei nicht allein die Darmbeschwerden der Teilnehmer, sondern zusätzlich eine Vielzahl anderer Beschwerden: Traten bei diesen Patienten Hitzewallungen auf? Litten sie unter Gefühlsstörungen in Armen oder Beinen? Mussten sie wegen asthmaartiger Beschwerden behandelt werden? Klagten sie über Wortfindungs-, Konzentrations- oder Schlafstörungen? Bei 19 der 20 Patienten fanden die Ärzte eine Häufung derartiger Begleitsymptome. "In ihrer Kombination sind solche Störungen nur durch eine krankhafte Mastzellüberaktivität zu erklären", erläutert der Bonner Medizinprofessor Dr. Gerhard J. Molderings.

Es ist schon lange bekannt, dass krankhaft veränderte Mastzellen auch Reizdarm-Symptome auslösen können. Erstaunlicherweise brachte man die beiden Krankheitsbilder aber lange Zeit nicht zusammen. Erst vor wenigen Jahren stellten Mediziner fest, dass bei Reizdarmpatienten häufig die Zahl der Mastzellen im Darm erhöht ist. Möglicherweise lassen sich die überaktiven Mastzellen durch Medikamente bändigen. Damit sollten sich dann auch die quälenden Reizdarm-Symptome bessern oder im günstigsten Fall gar beseitigen lassen.

Autor: Verena Horsthemke
Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2011
Quellen: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Reizdarm: Mögliche Ursache sind überaktive Immunzellen. Pressemeldung vom 10.02.2011

Neueste Fragen aus der Community
Aktuelle Top-Themen
Wie Bakterien uns beeinflussen
Winzlinge bestimmen über Gewicht und Denken

10.000 verschiedene Mirkoben leben im oder am Menschen - und damit auch in seinen Wohnungen mehr...

Managerkrankheit RCS: Wenn Stress ins Auge geht
Unter RCS leiden besonders Ehrgeizige

Unter Hektik und Ärger leidet nicht nur die Psyche - sondern auch die Augen mehr...

Fünf Gerüchte über das Rauchen
Medizin-Mythos der Woche (14)

Ein paar Zigaretten täglich schaden doch nicht und Light-Zigaretten sind gesünder? Alles Humbug! mehr...

Ebola könnte über 20.000 Menschen infizieren
Epidemie in Afrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika breitet sich immer schneller aus mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • HaarausfallHaarausfall

    So stoppen Sie hormonell erblich bedingten Haarausfall und stärken Ihr Haar von innen mehr...

  • NagelpilzNagelpilz

    Nagelpilz ist häufig ein verschleppter Hautpilz. Erfahren Sie mehr über Erkrankung und Behandlung mehr...

  • AllergieAllergie

    Bei Kindern treten Allergien gehäuft auf, jeder vierte Erwachsene quält sich damit mehr...

Zum Seitenanfang