Krebserkrankungen

Übergewicht und Fettleibigkeit erhöhen Krebsrisiko

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Schon eine leichte Gewichtsabnahme, ballaststoffreiche Ernährung und etwas mehr Bewegung können vorbeugend wirken.
(c) iStockphoto

Forscher haben vor kurzem auf einen Zusammenhang hingewiesen, der weniger bekannt ist: Übergewicht ist mittlerweile einer der wichtigsten Risikofaktoren bei der Krebsentstehung.

Etwa jeder zweite Krebstodesfall in den westlichen Industrieländern ist Studien zufolge auf Lebens- und Umweltfaktoren zurückzuführen. Bereits 1996 wies eine Untersuchung der Universität Harvard dem Rauchen und der Ernährung jeweils einen Anteil von etwa einem Drittel am Gesamtkrebsrisiko zu, ohne sich jedoch explizit zur Rolle des Übergewichts zu äußern. In der Neuauflage des Reports sechs Jahre später wird der Risikobeitrag von Übergewicht und Fettleibigkeit bereits auf zehn Prozent bei Männern und bis zu 20 Prozent bei Frauen geschätzt. Heute halten Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Rolle des Übergewichts als Risikofaktor für Krebserkrankungen für ebenso groß wie die des Rauchens.

Im Gegensatz zu der wachsenden Zahl fettleibiger Menschen zeigt sich beim Nikotinkonsum seit geraumer Zeit eine gegenläufige Entwicklung. Zwischen 2002 und 2010 hat sich in Deutschland die Rate rauchender Jugendlicher halbiert - ein Trend, der sich etwa in 20 bis 30 Jahren in der Lungenkrebsstatistik niederschlagen wird. Dann könnte Übergewicht zur Krebsursache Nr. 1 avancieren prognostizieren Forscher.

Noch klarer werden die Zahlen, wenn man nur diejenigen Krebsarten ins Visier nimmt, bei denen die Rolle des Übergewichts als Risikofaktor gesichert ist. Hierzu zählt beispielsweise Gebärmutterkrebs, der bei jeder zweiten betroffenen Frau auf die überflüssigen Kilos zurückzuführen ist. Aber auch bei Brustkrebs nach den Wechseljahren geht immerhin noch jeder fünfte Fall auf das Konto von Übergewicht und Fettleibigkeit.

"Es wird immer deutlicher, dass die Adipositas ein sehr starker Promotor von Krebserkrankungen ist", sagte auch der Ernährungsmediziner Hans Hauner zum Auftakt des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in der vergangenen Woche. "Nicht nur Dickdarmkrebs, sondern auch Brustkrebs werden von Adipositas begünstigt. Die Mechanismen sind jedoch nicht ganz klar", sagte Mediziner Hauner.

Risikofaktor bei Übergewichtigen: Hormon Insulin

Die Frage, wie Übergewicht und Krebserkrankungen zusammenhängen, beantworten Wissenschaftler mit neuen Erkenntnissen über die Stoffwechselvorgänge des Fettgewebes. Sowohl veränderte Insulin- und Geschlechtshormon-Spiegel als auch Adipokine genannte Hormone des Fettgewebes stehen im Verdacht, das Krebswachstum zu fördern. Darüber hinaus spielen die zahlreich im Fettgewebe vorkommenden Entzündungszellen und ihre entzündungsfördernden Botenstoffe eine wichtige Rolle.

Auch Hauner zählt bei Übergewichtigen die hohen Werte des Hormons Insulin zu den begünstigenden Faktoren hinzu. Zu viel Fett führe dazu, dass das Insulin nicht mehr aufgenommen werden kann, erklärte er. Die Bauchspeicheldrüse produziere dann noch mehr Insulin, was den Blutzuckerspiegel senke. "Der Insulinspiegel steigt und dies wirkt möglicherweise als Wachstumsmotor für die Krebszellen", so der Ernährungsexperte.

Risikofaktor bei Frauen: Sexualhormon Östrogen

Einer anderen Hypothese zufolge spielt bei Brustkrebs ein bei Übergewicht erhöhter Spiegel des weiblichen Sexualhormons Östrogen eine Rolle. Im Fettgewebe werde Östrogen gebildet, das auch das Wachstum von Krebszellen fördere.

Zunehmend werde deutlich, dass die bisherige Definition der Fettleibigkeit, die tatsächlichen Risiken nur unzureichend abbildet. So gilt es unter Stoffwechselexperten mittlerweile als erwiesen, dass vor allem das sogenannte viszerale Fett, also das in der Bauchhöhle liegende Fett zwischen den Bauchorganen, bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle spielt. Deshalb können relativ schlanke Menschen von diesem Fett zu viel ansammeln und damit ein erhöhtes Krebsrisiko haben, ohne dass Maße wie das relative Körpergewicht oder der Body-Mass-Index (BMI) erhöht sind.

Risikofaktor beim Essen: Zu viel rotes Fleisch von Rind, Schwein oder Lamm

Das Unterhautfettgewebe dagegen gilt als weitgehend harmlos. So leben beispielsweise Sumo-Ringer trotz ihrer beeindruckenden Körpermasse mit einem völlig normalen, nicht erhöhten Risiko sowohl für Krebserkrankungen als auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes. Bei ihnen sind dank eines straffen Trainingsprogramms unter hochkalorischer Nahrungsaufnahme zwar die äußeren Körperschichten gut gepolstert, zwischen Leber und Milz aber findet sich so gut wie kein überflüssiges Fett.

Diese Tatsache erklärt möglicherweise auch, warum sich das Krebsrisiko übergewichtiger Menschen auch dann durch körperliche Aktivität verringern lässt, wenn sie dabei gar nicht abnehmen. Mangelnde körperliche Aktivität und Übergewicht scheinen in vielen Fällen weitgehend voneinander unabhängige Risikofaktoren zu sein.

Der Konsum von viel rotem Fleisch - Schwein, Rind und Lamm - begünstige ebenfalls Krebs. Hoher Zuckerkonsum hingegen könne zwar zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes (Insulinresistenz) führen. Aber: "Bei Krebs scheint der Zucker keine große Rolle zu spielen", sagte Hauner auf der DGE-Jahrestagung. Ernährungswissenschaftler empfehlen daher eine ballaststoffreiche Ernährungsweise. Auch die "Mittelmeerdiät" mit Oliven- oder Rapsöl, viel Gemüse, Salat und eher Fisch als Fleisch habe positiven Einfluss und helfe dabei, das Risiko für Brust- und Dickdarmkrebs zu mindern.

Die zehn gängigsten Ernährungsirrtümer

Autor: Anna Stretz / dpa / sl
Letzte Aktualisierung: 19. März 2012
Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum vom 02.02.2012: Schwergewichtiger Risikofaktor für Krebs; Archives of Internal Medicine: Red Meat Consumption and Mortality http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/full/archinternmed.2011.2287#AUTHINFO; http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1199

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