Altersforschung

Substanz in Samenflüssigkeit soll Zellalterung verzögern

Bisher hat die Substanz Spermidin ein recht unspektakuläres Dasein gefristet. Nun wird sie von zwei Forschern aus Österreich als natürlicher Jungbrunnen gefeiert.

Die Freude unter den wohl bemerkt männlichen Forschern ist so groß, dass sie ihre Beobachtung bereits als „heiligen Gral der Altersforschung“ bezeichnen, gleichwohl sie bisher lediglich bei Organismen wie Würmern und Fliegen Erfolge erringen konnten. Und das soll Spermidin genau auf dem Kasten haben: Die Substanz steckt in so ungefähr allen Körperzellen, vor allem jedoch in der männlichen Samenflüssigkeit. Die Forscher Frank Madeo und Tobias Eisenberg von der Universität Graz in Österreich vermuten, dass die Spermidin-Konzentration bei Alterungsprozessen stetig abnimmt. Außerdem soll die Substanz Zellschäden reparieren können.

Bisher wusste die Fachwelt vor allem vom positiven Einfluss von Spermidin auf das Zellwachstum. Die Forscher aus Graz und ihr Team berichten, dass sich mithilfe der Substanz Alterungsprozesse in zahlreichen Zellen ausbremsen konnten. Dabei scheint das Spermidin direkt im Zellkern zu wirken und die Zelle regelrecht umprogrammieren zu können. Jedenfalls lassen Arbeiten mit Zellkulturen und Organismen wie Würmern, Fliegen und Mäusen darauf schließen. Auch in Zellkulturen glückte die Verjüngungskur. So konnten einzellige Hefen und menschliche Immunzellen nach Zugabe von Spermidin eine längere Lebensdauer verbuchen.

Die Forscher vermuten, dass die Substanz die natürlichen Reparaturmechanismen und die „Müllentsorgung“ des Körpers anregt. Soll heißen: Die Zellen sind besser in der Lage, sich geschädigte Bausteine wie Proteine oder auch ganze Organellen wie etwa die Mitochondrien vom Zellleib zu schaffen. Diese Prozesse verlangsamen sich für gewöhnlich mit dem Alter. Spermidin lässt sie wieder auf Hochtouren laufen.

In einem nächsten Schritt soll die Verwertbarkeit der jüngsten Ergebnisse in der klinischen Forschung getestet werden. Kann das Spermidin auch in weiteren Versuchen von seinen verjüngenden Effekten überzeugen, könnte es schon bald bei der Behandlung von Alterserkrankungen wie Alzheimer und Parkinson Verwendung finden.

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 09. Oktober 2009
Quellen: Nach Informationen der Fachzeitschrift „Nature Cell Biology“

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