Gute Fette - schlechte Fette?

Fischöl in der Schwangerschaft hat keinen Einfluss auf kindliches Übergewicht

Der Frage, ob die Menge und Art des Fettkonsums in der Schwangerschaft die Bildung kindlicher Fettzellen im Mutterleib und damit das künftige Gewicht der Kinder bestimmt, gingen Münchner Forscher nach. Mit enttäuschenden Ergebnissen: Ob Fisch oder Schwein - egal was die werdenden Mütter aßen, der Nachwuchs war im Alter von zwölf Monaten gleich rund oder schlank.

Zivilisationskrankheit Übergewicht - seit Jahren schlagen Medien und Ärzte Alarm, weil immer mehr Kinder und Jugendliche zu viel Kilos auf die Waage bringen und an Folgeerkrankungen wie Diabetes und erhöhtem Risiko für Herzkreislauferkrankungen und bestimmte Krebsformen leiden. Immerhin ganze fünfzehn Prozent der Dreizehn- bis 17-Jährigen gelten als übergewichtig, vermeldet das Robert-Koch-Institut. Und führende Ernährungsmediziner sind der Ansicht, dass eine Vorbeugung nicht früh genug beginnen kann.

Da scheint es ein attraktiver Gedanke, mit der Prävention bereits im Mutterleib zu beginnen. Tierversuche an Mäusen legten die Annahme nahe, dass die Menge späterer Fettzellen beim Kind bereits im Mutterleib durch die Ernährungsweise der schwangeren Frau bestimmt wird. „Schlechte Fette“ sollten die Wahrscheinlichkeit für spätere zusätzliche Kilos erhöhen, die „guten“ Omega-3-Fette, wie sie beispielsweise in Fischöl vorkommen, dagegen vor Übergewicht schützen.

Forscher um Prof. Hauner, Leiter des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU-München, gingen dieser These nun nach und untersuchten im Rahmen des Kompetenznetzes Adipositas 208 werdende Mütter und ihre Kinder. Von Beginn der Schwangerschaft an wurden die Frauen in zwei Gruppen unterteilt: Teilnehmerinnen der ersten Gruppe nahmen während Schwangerschaft und Stillzeit durch häufigere Fischmahlzeiten und zusätzliche Einnahme von Fischölkapseln gezielt mehr „gute Fette“ zu sich, während die übrigen Frauen sich wie gewohnt ernährten und auf Nahrungsergänzung verzichteten. Nach Geburt wurde in beiden Gruppen das Fettgewebe der Kinder, durch Messung der Hautfaltendicke und Ultraschalluntersuchungen der Fettschicht am Oberbauch, bis zum zwölften Monat regelmäßig bestimmt. Zwischen beiden Gruppen ließ sich nach einem Jahr jedoch kein Unterschied feststellen. Die Ergebnisse enttäuschten somit die Hoffnungen auf eine schnelle und einfache „Programmierung“ des späteren Körpergewichts mithilfe einer gezielteren Ernährung der werdenden Mütter.

„Die Entwicklung im Mutterleib ist ein komplexer Prozess und lässt sich nicht auf einen einfachen Zusammenhang zwischen Nährstoffzufuhr und Fettgewebsentwicklung reduzieren“, kommentierte Prof. Hauner, diese Ergebnisse. Die Daten, die aus der Beobachtungsstudie erhoben werden können, hält er dennoch für sehr wichtig und in dieser Form bislang einmalig. Die Kinder sollen deshalb bis zu ihrem fünften Lebensjahr weiter in regelmäßigen Abständen untersucht werden. Dabei sollen Umwelt- und soziale Faktoren mit erfasst und beispielsweise auch mögliche schützende Effekte der Omega-3-Fette auf die Entwicklung von Asthma oder Neurodermitis überprüft werden.

Autor: Lifeline / Anna Stretz
Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2012
Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 04.01.2012: Fischöl in der Schwangerschaft schützt nicht vor Übergewicht

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