Schwangerschaft & Geburt

Entbindung durch Kaiserschnitt nimmt weiter zu

Jede dritte Geburt wird zum Wunschtermin per Sectio entbunden

Entbindung durch Kaiserschnitt nimmt weiter zu
Per Kaiserschnitt kommen in Deutschland fast 30 Prozent aller Kinder zur Welt.
Getty Images/iStockphoto

Mittlerweile kommt in Deutschland fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Offensichtlich entscheiden sich Frauen immer häufiger ganz bewusst für eine Schnittentbindung. Darüber diskutierten Experten im Rahmen eines Symposiums.

„Die Narbe spüre ich heute immer noch.“ „Der Kaiserschnitt war klasse – Kaum Schmerzen, keine Unsicherheit, kein Dammschnitt.“ „Als alles vorbei war, dachte ich: Können wir bitte noch mal von vorn anfangen, ich hab’s nicht richtig mitbekommen.“ Sehr unterschiedlich berichten Frauen von ihrem Kaiserschnitt-Erlebnis. Tatsache ist, dass mittlerweile fast 30 Prozent aller Kinder in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt kommen.

Dafür gibt es medizinische Gründe: Neugeborene werden immer schwerer, der Anteil an Zwillingsgeburten wächst, Mütter leiden vermehrt an Schwangerschafts-Diabetes. Hinzu kommt, dass Ärzte und Patientinnen bei einer Geburt die Risiken minimieren wollen und schneller zu Kaiserschnitten tendieren. Allerdings ist der Anteil der Kaiserschnitte ohne eigentliche medizinische Indikation auch geringfügig gestiegen. Fakt ist: Der Kaiserschnitt hat seinen ganz großen Schrecken verloren. Offenbar entscheiden sich Frauen auch deswegen ganz bewusst für die Schnittentbindung.

Die Gesundheit der Frau in den Jahren nach der Geburt

„Die Geburt darf nicht als ein Geschehen betrachtet werden, das ein paar Stunden im Kreißsaal stattfindet und danach erledigt ist. Sie beginnt schon Monate vorher im Kopf der Patientin und kann großen Einfluss auf die Gesundheit der Frau in den kommenden Jahren haben“, sagte DGGG-Generalsekretär Professor Klaus Vetter, Berlin im Rahmen eines von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) initiierten Symposiums. Urologische, proktologische und psychische Probleme können nach einer natürlichen Geburt noch Jahre später auftreten und Ärzte verschiedener Fachrichtungen beanspruchen. Deswegen sprachen auf dem Symposium nicht ausschließlich gynäkologische Referenten. Auch Proktologen, Urogynäkologen, Hebammen- und Patienten-Vertreter kamen zu Wort.

Die Hamburger Autorin Annette Bopp appellierte an die Frauen, sich wieder stärker auf die eigene Kraft zu besinnen. “Viele scheuen die normale Geburt vor allem aus Angst vor Schmerzen und Blasenschwäche. Nur wenige jedoch wissen, dass der Beckenboden bei einem Kaiserschnitt ebenso leiden kann, auch sind Schmerzen unter der Geburt gut zu lindern – beides sollte kein Grund für einen Kaiserschnitt sein”, sagte die Medizinjournalistin. Dies umso mehr, als die Sectio eher mit höheren Risiken für Mutter und Kind verbunden sei. Es sei höchste Zeit, dass die Geburtshelfer wieder stärker ihrer Aufgabe nachkommen, Frauen die Angst vor der Geburt zu nehmen.

Die Entwicklung nicht verteufeln

„Und dennoch dürfen wir diese Entwicklung in Bezug auf den Kaiserschnitt nicht verteufeln“, sagte Professor Peter Husslein, Universität Wien. „Das Geburtserleben wird für Frauen immer wichtiger, die Autonomie der Frauen immer größer. Wir Ärzte müssen akzeptieren, dass es nicht nur einen indizierten Kaiserschnitt geben kann, sondern dass ein so wichtiger Vorgang wie die Geburt in Zukunft in jedem Fall zwischen Arzt und Schwangeren besprochen werden muss.“ Nicht delegieren, sondern Entscheidungshilfe leisten und das Selbstbestimmungsrecht der Frau berücksichtigen. So, das meinen die Experten, könnte die Geburt der Zukunft aussehen. „Wichtig ist in allen Fällen die ergebnisoffene, umfassende Aufklärung der Patientin durch den Arzt. Die vaginale Entbindung ist und bleibt aber das Primat in der Geburtshilfe“, betonte DGGG-Präsident Professor Rolf Kreienberg, Ulm, in seinem Schlusswort.

Autor: DGGG
Letzte Aktualisierung: 24. Juli 2009
Durch: rs
Quellen: Nach Presseinformationen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. zu einem Symposium in Berlin am 9. Juli 2009

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