Naturheilverfahren
Wie der Körper die Psyche beeinflusst
Funktionelle Störungen können gut mit naturheilkundlichen Methoden gebessert werden. Sie gehören daher nicht automatisch oder ausschließlich in den Bereich der psychosomatischen Medizin.
Ob Herzneurose, hyperkinetisches Herzsyndrom, Reizdarm, Reizblase oder auch psychogener Husten – für diese und andere, durch chronischen Stress (mit) ausgelösten Funktionsstörungen findet man keine organische Erklärung. Üblicherweise werden daher zunächst vom Arzt Entspannungstechniken empfohlen. Reicht das nicht aus, wird zu einer Medikamenten- und Psychotherapie geraten.
Naturheilverfahren bei stressbedingten Erkrankungen mit einbeziehen
Dabei können gerade bei solchen, noch nicht organisch manifestierten, Erkrankungen die Naturheilverfahren eine große Hilfe sein. Denn viele dieser Erkrankungen gehen mit Störungen in vegetativ vermittelten Reaktionen einher, etwa im Wärmehaushalt, im Schlaf, in der Atmung, bei Verdauung und Menstruation. Naturheilverfahren beeinflussen unmittelbar oder mittelbar das vegetative Nervensystem:
- So führen zum Beispiel wiederholte Warm- oder Kaltreize zu Anpassungsprozessen. Dabei verringert sich die Aktivität des bei Stress aktivierten Teils des vegetativen Nervensystems (Sympathikus) zugunsten des auf „Schongang“ und „Erholung“ ausgelegten Vagus. Erkennbar wird das an einem gesenkten Blutdruck und Puls, was an sich schon positiv auf die Gesundheit wirkt.
- Zweifellos ist körperliche Aktivität (Joggen, Laufen, Wandern, Walken, Spazierengehen, Radfahren, Gartenarbeit, Schwimmen, Fußball spielen, etc.) eine der stärksten gesundheitsfördernden Maßnahmen überhaupt. Der durch sie hervorgerufene, wohl dosierte Eustress (positiver Stress) bewirkt langfristig eine Umstellung des vegetativen Nervensystems und führt dadurch zum Stressabbau.
- Die ebenfalls zu den Naturheilverfahren zählenden pflanzlichen Mittel haben nur wenige Nebenwirkungen, die es gerade bei Funktionsstörungen zu vermeiden gilt.
Psychosomatik und Somatopsychologie als gleichberechtigte Partner
Stress ist also nicht automatisch eine Domäne der Psychosomatik, wie Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke im "Naturarzt - Ihr Gesundheitsratgeber" betont: „Geht man davon aus, dass der menschliche Organismus eine Vielzahl vernetzter Regelkreise aufweist, so kommt man schnell zu der Schlussfolgerung, dass sich die Therapie von Funktionsstörungen nicht auf eine Nutzung der Einbahnstraße Kopf-Körper im Sinne eines isolierten psychosomatischen Denkens reduzieren muss." Es funktioniere eben auch umgekehrt: „Die Beeinflussung körperlicher Befindlichkeiten kann die psychische Situation verbessern.“
Diese Beziehungen könne man als „Somatopsychologie“ bezeichnen – und hier haben laut Dr. Brenke Naturheilverfahren viel zu bieten. Sie sollten in vielen Fällen gleichberechtigt zur Psychosomatik gesehen werden oder zumindest als sinnvolle Ergänzung.
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