Kinderwunsch und Rechtsprechung

Eizellspende ist kein Menschenrecht

befruchtete_Eizellen
Zwei österreichische Paare hatten gegen das Verbot geklagt, bei der In-vitro-Fertilisation fremde Eizellen und Spendersamen Dritter zu verwenden.
(c) GlowImages.de

Zwei österreichische Paare hatten gegen das in ihrem Land geltende Verbot geklagt, bei der In-vitro-Fertilisation fremde Eizellen und Spendersamen Dritter zu verwenden. Doch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies die Beschwerde zurück. Damit ändert sich auch in Deutschland vorerst nichts an der Rechtslage.

"No violation of Article 8 (right to respect for private and family life) of the European Convention on Human Rights", lautet der Satz im Begründungstext des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) - das Verbot verletze nicht das in der Konvention unter Artikel 8 garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens. Der künstlichen Befruchtung dürfen Staaten daher aus gesellschaftlichen und ethischen Gründen einen Riegel vorschieben und Eizellspenden bleiben wie in Österreich somit weiterhin verboten. Dies machte der EGMR in Straßburg Anfang November deutlich.

Widerspricht Verbot von Samen- und Eizellspenden dem Recht auf Achtung des Familienlebens?

Die beiden österreichischen Ehepaare machten in ihrer Beschwerde geltend, dass das Verbot ihr Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens nach Artikel 8 verletze. Dies würde eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Paaren bedeuten, die die Anwendung medizinischer Fortpflanzungstechniken anstrebten, aber dabei nicht auf Spenden für die angewiesen seien. In dem einem Fall leidet die Frau unter eileiterbedingter Sterilität, aber auch ihr Mann ist steril. Eine In-vitro-Befruchtung mit einer Samenspende von einem Dritten wäre der einzige Weg, ein Kind zu bekommen. In-vitro-Fertilisation ist in Österreich aber nur mit Samen vom eigenen Partner erlaubt, fremder Same muss direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht werden. Im anderen Fall kann die Frau keine Eizellen produzieren, sie bräuchte eine – verbotene – Eizellspende. Sie hatten ihre Beschwerde bereits im Mai 2008 beim EGMR eingereicht. In erster Instanz wurde das Verbot noch für menschenrechtswidrig erklärt. Auf Antrag der österreichischen Regierung ist der Fall im Oktober 2010 an die Große Kammer in Straßburg verwiesen worden.

Gerichtshof wolle "Aufspaltung der Mutterschaft" verhindern

Auch für Deutschland ist diese Entscheidung von Bedeutung, wo künstliche Befruchtungen mit gespendeten Eizellen ebenfalls verboten sind. Dagegen sind In-Vitro-Befruchtungen mit Spermien anonymer Spender in deutschen Landen möglich. Es ist die "Aufspaltung der Mutterschaft" zwischen einer genetischen Mutter und derjenigen, die das Kind austrägt, was nach Ansicht des Gerichtshofs problematisch sein kann. Der Gesetzgeber habe verhindern wollen, "dass zwei Frauen behaupten könnten, biologische Mutter desselben Kindes zu sein", schreibt der EGMR in seiner Begründung weiter.

Autor: sl
Letzte Aktualisierung: 07. November 2011
Quellen: www.echr.coe.int/ http://www.echr.coe.int/ECHR/EN/Header/Press/News/Press+releases/

Neueste Fragen aus der Community
Aktuelle Top-Themen
Positives Denken kann das Altern verlangsamen
100 Jahre werden - ohne negativen Beigeschmack

Das Altern aufzuhalten ist schwierig, aber als Gesellschaft können wir das Altern verlangsamen mehr...

Philipp Lahm bricht sich das Sprunggelenk
Frühes Saisonende nach Trainingsunfall möglich

Schock für den FC Bayern: Mannschaftskapitän Lahm wird für mehrere Monate ausfallen mehr...

Das wollen wir wirklich beim Sex!
Studie über erotische Fantasien: Die gewöhnlichsten und ungewöhnlichsten Sexträume

Gezwungen zum Sex oder Sex mit zwei Frauen: Was sich Männer und Frauen im Bett wirklich wünschen mehr...

Schon ein Glas Wein vernebelt die Sicht beim Autofahren
Alkohol am Steuer

Bereits nach geringen Mengen Alkohol leidet das Sehvermögen mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Ratgeber
  • HaarausfallHaarausfall

    So stoppen Sie hormonell erblich bedingten Haarausfall und stärken Ihr Haar von innen. mehr...

Zum Seitenanfang