Nur bedingt empfehlenswert
Plangeburt per Kaiserschnitt
Ein Kaiserschnitt geht schnell, ohne Wehenschmerz, ist planbar und vermittelt so Sicherheit. Vielleicht sind das die Gründe, warum heute bereits jedes dritte Baby in Deutschland im Operationssaal das Licht der Welt erblickt. Doch ist das wirklich der bequemere Weg ins Leben?
Ein geplanter Kaiserschnitt wird meist zehn bis 14 Tage vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt. Doch erst in den letzten drei Wochen einer normalen Schwangerschaft steigt das Hormon Cortisol beim Ungeborenen stark an, bringt die Lungenreifung in Gang und gibt das Signal, dass das Baby bereit für den Weg ins Leben ist. Das Cortisol wandert vom Blutkreislauf des Babys direkt in die Plazenta der Mutter und gibt so die Information weiter, dass die Wehen beginnen können. Die Wehen sind wiederum das Signal für das Kind, dass es den Weg aus der Geborgenheit hinaus in die Welt antreten muss.
Viele Babys haben Anpassungsprobleme
All diese Prozesse werden beim Wunschkaiserschnitt gestört: Licht, Kälte und Geräusche überfallen den neuen Erdenbürger ohne Vorbereitung. Viele Kinder haben Anpassungs- und Atemschwierigkeiten; das Fruchtwasser verbleibt ohne den engen Weg durch den Geburtskanal in der Lunge und muss meist abgesaugt werden. Selbst danach atmen die Babys oft schwächer und unregelmäßiger als vaginal entbundene Kinder.
Auch scheint es einen Zusammenhang zwischen Kaiserschnittgeburt und der Neigung zu Allergien zu geben: Kaiserschnittkinder tragen ein dreifach erhöhtes Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. Ist die Mutter selbst Allergikerin, ist dieses Risiko sogar siebenfach erhöht.
Inzwischen kommen mehr als 25 Prozent der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Was früher als Not-Lösung im Not-Fall galt, ist heute schon fast schick.
Dreifach erhöhtes Sterberisiko für Mütter
Im Vergleich mit einer vaginalen Entbindung hat die Mutter bei einem geplanten Kaiserschnitt ein dreifach erhöhtes Sterblichkeitsrisiko – schließlich ist und bleibt auch ein Kaiserschnitt ein operativer Eingriff!
Dennoch entscheiden sich heute immer mehr Frauen für den Wunschkaiserschnitt, nämlich doppelt so viele wie noch vor zwanzig Jahren! Auch Stars schwören drauf: Ex-„Spice Girl“ Victoria Beckham, Model Claudia Schiffer, Popstar Britney Spears und Werbe-Ikone Verona Pooth – alle haben ihre Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Eigentlich erstaunlich, birgt diese Art der Entbindung doch mehr Komplikationen: Durch einen Kaiserschnitt können verstärkt Blutungen sowie Verletzungen von Blase und Darm auftreten.
Wochenbettinfektionen wie Gebärmutterentzündung, Harnwegsinfektion oder Wundheilungsstörungen treten häufiger auf, als nach einer natürlichen Entbindung. Vor allem aber hat ein Kaiserschnitt Folgen bei weiterem Kinderwunsch: Die Plazenta kann während einer erneuten Schwangerschaft in das durch den Kaiserschnitt entstandene Narbengewebe hineinwuchern – die Nachgeburt ist dann schwer zu entfernen. Und für das Ungeborene ergibt sich bei Plazentaverwachsungen die Gefahr, nicht mehr ausreichend versorgt zu werden. Fazit: Im Notfall ist der Kaiserschnitt eine gute Methode, um Kinder auf die Welt zu holen. Doch im Normalfall ist der Weg der Natur besser – für Mutter und Kind.
Info: Chancen von Frühchen immer besser
Selbst sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von nur 500 bis 1500 Gramm, die bereits zwischen der 24. bis 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, haben mittlerweile gute Chancen zu überleben. Die moderne Neugeborenen- Intensivmedizin schafft in 90 Prozent dieser Fälle, den Kindern die Reifung zu ermöglichen, die sie im Mutterleib erfahren hätten. Frühchen haben vor allem Atemprobleme: Ihre Lunge und der Atemreflex sind oft noch nicht ausgereift. Das erhöht die Gefahr von Hirnschädigungen, die zu bleibenden Behinderungen führen können. Auch sind die Kleinsten anfälliger für Infektionen.
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