Aids

Offenes Gespräch mit HIV-Positiven

Wie verhält man sich am besten, wenn ein Freund oder Kollege einem anvertraut, dass er sich mit HIV infiziert hat? Heike Gronski von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin gibt Tipps.

Gespräch vater und sohn
Anderen von der eigenen HIV-Infektion zu erzählen, fällt nicht leicht. Umso wichtiger ist die Reaktion.
Getty Images/Brand X

Wer sich mit HIV infiziert hat, wagt oft wagt oft nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Tut er es doch, lassen die Reaktionen aus dem Umfeld diesen Schritt nicht selten bereuen. Immer noch werden Menschen, die den Aids-Erreger in sich tragen, gemieden und diskriminiert, obwohl im alltäglichen beruflichen oder familiären Umgang miteinander kein Ansteckungsrisiko gegeben ist. Oft verhalten sich Angehörige, Freunde und Bekannte aber auch unwissentlich verletzend, weil sie über die Information selbst erst mal geschockt sind.

"Wir bleiben weiter befreundet"

Sehr wichtig sei es, direkt über die Infektion zu reden, rät Heike Gronski von der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin. Es sei für HIV-Positive nicht leicht, anderen von ihrer Erkrankung zu erzählen; wenn sich jemand auf diese Weise öffne, sollte sich das Gegenüber nicht verschließen. Betroffene brauchen vielmehr die Unterstützung anderer, die Versicherung, dass die Infektion keinen Einfluss auf die Beziehung mit dem Gegenüber habe. "Wir bleiben weiter befreundet, du kannst natürlich weiter hier arbeiten", sind laut Gronski wünschenswerte Reaktionen.

Auch Fragen stellen, die eigenen Ängste und Befürchtungen ansprechen, all das sollte kein Tabu sein, sagt die Expertin. Denn viele Ängste seien unbegründet und könnten in einem offenen Gespräch zerstreut werden.

Fragen, ob Dritte davon wissen dürfen

Klären sollte man unbedingt, wie mit dem Wissen um die HIV-Infektion des Freundes oder Bekannten umgegangen werden sollte, ob der Betroffene beispielsweise seine Infektion geheim halten möchte oder Dritte davon wissen dürfen, und wenn ja, wer beziehungsweise wer nicht.  "Jeder hat das Recht darauf, dass seine Krankengeschichte nicht in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird, wenn er das nicht will", stellt Gronski klar. Das gilt auch, wenn man aus einer anderen Quelle von der HIV-Infektion eines Bekannten hört. Dann solle man gleich nachfragen, ob der Betroffene damit einverstanden ist, dass die Information über seine Infektion weiter gegeben wird.

Das gilt vor allem am Arbeitsplatz. Denn dort behalten die meisten HIV-Positiven ihre Infektion für sich. Wenn die Nachricht einer Infektion bereits als Gerücht die Runde macht, empfiehlt Gronski, dem Betroffenen die Chance zu geben, selbst öffentlich darüber zu sprechen. "In diesem Fall ist es vielleicht sogar sinnvoll, die Infektion in größerer Runde zu thematisieren, etwa bei einer Teambesprechung", ist ihr Ratschlag. Falls der Betroffene das ablehnt, sollte auch das respektiert werden.

Kampagne für Solidarität mit HIV-Positiven

Leider hat Offenheit am Arbeitsplatz bezüglich einer HIV-Infektion oft immer noch negative Folgen, es drohen Karriereknick oder gar Kündigung, obwohl dies juristisch anfechtbar ist. Die diesjährige Welt-Aids-Tag-Kampagne steht denn auch ganz im Zeichen der Solidarität mit Betroffenen. "Positiv zusammen leben. Aber sicher!" ist das Motto der Kampagne, deren Initiatoren das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. und die Deutsche AIDS-Stiftung sind und für die eine eigene Webside bereitgestellt wurde.

Autor: dpa / rs
Letzte Aktualisierung: 06. Dezember 2011

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