Gehirn und Ökonomie

Psychologe will Gier messen

Emotionale Faktoren wie Selbstüberschätzung und Gier können sich auf unsere Entscheidungen auswirken. Ein Jenaer Forscher will den zugrundeliegenden Mechanismen auf die Schliche kommen.

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close-up of a young woman eating a raspberry tart
(c) Stockbyte

Selbstüberschätzung und Gier beeinflussen unsere Entscheidungen maßgeblich und stiften zu leichtsinnigem Verhalten an. Wozu so etwas führen kann, hat die anhaltende Wirtschaftskrise eindringlich gezeigt. Dr. J. Hewig und sein Team von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollten das Phänomen näher beleuchten und untersuchten, inwiefern psychologische Einflussfaktoren ökonomische Entscheidungen beeinflussen können. Für sein Forschungsprojekt hat der Jenaer Psychologe nun den Schumpeter-Fellowship der Volkswagen Stiftung erhalten.

Ziel seines Projektes ist es, die Wirkung von Emotionen wie zum Beispiel Gier auf unser Verhalten zu untersuchen und dieses wenn möglich sogar zu steuern. In einem ersten Test spielen zwei Gruppen von Probanden miteinander um virtuelle Geldbeträge. Hewig möchte mithilfe des Spiels herausfinden, ob negative emotionale Zustände zu egoistischen Handlungen verleiten. Außerdem will der Psychologe versuchen, Gier zu messen. In einem anderen Versuch untersuchen das Forscherteam die Gefühlswelt von Jugendlichen und ihre Reaktion auf Emotionen und Veränderungen. Ein drittes Projekt wiederum soll aufklären, wie sich Bestrafung und Belohnung auf riskante wirtschaftliche Entscheidungen auswirken.

Hewig erläutert, dass das Gier-Verhalten hauptsächlich von zweierlei Effekten gesteuert wird: Belohnung und Erfolg. Wenn auf eine Handlung eine Belohnung oder ein Erfolgsmoment folgt, werden wir dazu animiert, sie zu wiederholen. Durch Messung der Gehirnaktivität soll es gelingen, die Auswirkung positiver und negativer Emotionen und Eigenschaften wie Freude, Angst, Gier und Risikofreudigkeit auf ökonomische Entscheidungen messbar zu machen. Die Forscher hoffen, dass die ersten Ergebnisse im Herbst dieses Jahres vorliegen.

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 04. März 2010
Quellen: Nach Informationen der Friedrich-Schiller-Universität Jena

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