Masernerkrankungen steigen wegen Impfmüdigkeit

Kinderwunsch? Masern-Impfschutz ist wichtig!

Masern können bei werdenden Müttern zu Fehl- oder Frühgeburten führen. Daher ist der Impfschutz so wichtig.
Masern können bei werdenden Müttern zu Fehl- oder Frühgeburten führen. Daher ist der Impfschutz so wichtig.
(Bild: Patrick Seeger) dpa

Dieses Jahr sind in Deutschland doppelt so viele Menschen an Masern erkrankt wie im Vorjahr. Eine Infektion kann tödlich enden, wie der Fall einer Sechsjährigen in Aschaffenburg zeigt. Insbesondere für Schwangere ist die Infektion gefährlich: Bei jeder vierten Schwangerschaft führen Masern zu einer Frühgeburt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt die Zahl der Maserninfektionen in Westeuropa zurzeit massiv zu. Allein in Deutschland sind von Januar bis Oktober 2011 über 1500 Fälle aufgetreten, doppelt so viele wie 2010. Häufig nehmen die Masern-Neuerkrankungen einen schweren Verlauf, sie sind aktuell vor allem unter den 20- bis 39-Jährigen und bei unter einjährigen Kindern zu verzeichnen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt den höchsten Zuwachs an Masernerkrankungen in den vergangenen fünf Jahren. Grund für die steigende Zahl ist eine wachsende Impfmüdigkeit unter den Westeuropäern, obwohl der Impfstoff gegen Masern schon seit 40 Jahren existiert. Eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat im Sommer diesen Jahres gezeigt, dass mehr als ein Drittel der Eltern in Deutschland den Sinn mancher Impfungen anzweifelt.

Insbesondere für Schwangere ist Masern-Infektion gefährlich

Leider, denn nach einer Ansteckung mit Masern während der Schwangerschaft kommen bis zu 25 Prozent der Babys zu früh zur Welt. Frauen mit Kinderwunsch sollten daher unbedingt gegen die Krankheit geimpft sein, um in der Schwangerschaft solche Folgen zu verhindern, rät Professor Klaus Friese, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin.

Doch damit nicht genug, infiziert sich eine Mutter sehr spät in der Schwangerschaft, kann es sein, dass das Kind mit Masern zur Welt kommt. Da das Immunsystem von Neugeborenen noch nicht ausgereift ist, kann die Infektion dann tödlich verlaufen. Kommt eine Schwangere mit Masernkranken in Kontakt, lässt sich der Ausbruch der Krankheit bei ihr durch die sofortige Gabe von Immunglobulinen verhindern oder abschwächen. Die Sorge, das Ungeborene könnte durch Masern Fehlbildungen bekommen, sind aber unbegründet.

Was kann jeder gegen aufkommende Masern-Infektionswelle tun?

Das Wichtigste ist der Impfschutz! Ausreichenden Impfschutz haben aber nur diejenigen, die in der Kindheit zweimal geimpft wurden. Wer sich nicht sicher ist, ob er ausreichend gegen die Krankheit geschützt ist, soll daher jeden Kontakt zu Säuglingen vermeiden. Und bei seinem Hausarzt checken lassen, ob er seinen Impfschutz auffrischen sollte. Denn wurde nur einmal oder gar nicht geimpft in der Jugend, dann empfiehlt das Robert-Koch-Institut allen, vor allem denjenigen, die im Jahr 1970 oder später geboren sind, die Masernimpfung umgehend nachzuholen. Denn laut WHO sind in Nord- und Südamerika, wo die Impfraten vergleichsweise hoch sind, seit acht Jahren keine Masern mehr aufgetreten. Nach Angaben des RKI und der WHO werden in Deutschland wiederum nur etwa 80 Prozent der Kleinkinder geimpft. In Nordrhein-Westfalen kam es daher Anfang 2009 zu einer Masern-Epidemie, bei der zwei Kinder starben.

Letzte Aktualisierung: 07. November 2011
Durch: sl
Quellen: dpa/ Robert-Koch-Institut/ Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung/ Weltgesundheitsorganisation

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