Ernährung

Gehirn entscheidet, was wir essen

Forscher in Lissabon und Wien konnten an Versuchen mit Fliegen zeigen, dass das Gehirn darüber entscheidet, welche Speisen auf unserem Teller landen.

Das Gehirn ist immer darüber im Bilde, welche Nährstoffe der Körper gerade benötigt und weiß daher am besten, was uns aktuell gut tut. Daher verwundert es eigentlich nicht, dass bestimmte Schaltkreise im Gehirn dafür verantwortlich sind, wenn uns plötzlich die Lust auf etwas Deftiges oder Süßes packt. Und genau zu diesem Ergebnis sind Forscher um Carlos Ribeiro und Barry Dickson am Institut für Molekulare Pathologie in Wien bei Versuchen mit Fliegen gekommen. Sie spürten jene Gene und die entsprechenden neuronalen Schaltkreise auf, die an der kulinarischen Entscheidungsfindung beteiligt sind.

Die Forscher beobachteten über mehrere Wochen hinweg das Fressverhalten von Fliegen. Dabei entdeckten sie, dass sich die Vorliebe für bestimmte Speisen je nach dem Nährstoffbedarf der Tiere ändert. Sind sie etwa ausreichend mit Proteinen versorgt, meiden sie proteinreiche Kost. Erst nach einiger Zeit auf eiweißreicher Diät machten sich die Tiere über proteinreiches Futter her. Weibchen ließen sich dabei schneller von neuen Gelüsten leiten als Männchen und änderten ihre Präferenz sogar noch etwas schneller, wenn sie befruchtet waren.

Carlos Ribeiro erläutert, dass es dank ausgereifter Methoden der Fliegengenetik möglich ist, die Moleküle und Neuronen zu benennen, die befruchtete Weibchen besonders schnell reagieren lassen. Auch die Moleküle, die im Gehirn dafür verantwortlich sind, einen Proteinmangel zu erkennen und die Nahrungsvorlieben umzustellen, sind den Forschern mittlerweile gute Bekannte.

Die Forscher sind sich sicher, dass sich die Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Bewiesen ist der Mechanismus bisher jedoch nur der Moskitos. Carlos Ribeiro erklärt: "Wenn wir verstehen, wie der Sensor bei Fruchtfliegen das Verlangen nach eiweißreicher Nahrung steuert, wäre es denkbar, in dieses Steuerungssystem einzugreifen. Bei Moskitoweibchen könnten wir so zum Beispiel den Bluthunger unterdrücken und damit den Übertragungsweg der Malaria-Parasiten blockieren."

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 28. Mai 2010
Quellen: Dr. Heidemarie Hurtl, IMP-IMBA Communications, IMP - Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie GmbH: http://idw-online.de/pages/de/news369438

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