Wissenswertes

Braunes Fettgewebe zur Übergewicht-Reduzierung?

Braunes-Fettgewebe-zur-Übergewicht-Reduzierung-80612491_BINARY_7276.jpg
Braunes Fettgewebe kann Übergewicht reduzieren.
Getty Images/Creatas RF

Die einen futtern jede Menge und bleiben schlank, die anderen jammern, sie würden schon beim bloßen Anblick von Essen dick. Diese Ungerechtigkeit könnte durch braunes Fettgewebe hervorgerufen werden, wie mehrere Studien nahelegen. Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, durch Stimulierung dieses "guten Fetts" Pfunde purzeln zu lassen und damit den Folgekrankheiten einer Adipositas vorzubeugen.

Braunes Fettgewebe setzt – anders als Weißes – Kalorien nicht in Körperfett, sondern in Wärme um. Zum Beispiel kann eine so kleine Menge wie 50 Gramm den Energieverbrauch um 20 Prozent steigern. Bisher wurde braunes Fettgewebe nur bei Babys vermutet, aber nun steht fest, dass es auch bei Erwachsenen vorkommt, und zwar hauptsächlich unterhalb der Schlüsselbeine. Das haben US-Forscher aus Boston nachgewiesen, indem sie PET/CT-Aufnahmen mit radioaktiv markierter Glukose auswerteten. Frauen besaßen es - mit 7,5 Prozent im Vergleich zu 3,1 Prozent bei Männern - nicht nur häufiger, sondern bei ihnen waren auch Menge und Aktivität höher. Vorkommen, Menge und Aktivität nahmen mit dem Alter ab und waren zudem um so geringer, je mehr weißes Fett die Teilnehmer hatten (NEJM 360, 2009, 1509).

Bestätigt werden diese Resultate durch niederländische Wissenschaftler, die 24 gesunde junge Männer – teils schlank, teils dick – mit dem gleichen Verfahren untersucht hatten, und zwar bei 16º C und 22º C. Alle außer einem hatten braunes Fettgewebe, das insgesamt bei der kühleren Temperatur mehr Wärme produzierte als bei der höheren. Bei den Schlanken wiederum war dieser Effekt ausgeprägter als bei den Übergewichtigen (NEJM 360, 2009, 1500).

Finnische Forscher fanden, dass bei Kälte die Glukose-Aufnahme durch braunes Fettgewebe ums 15-fache gesteigert ist, sie wiesen ein Protein nach, das die Wärmebildung ermöglicht, und zeigten durch Biopsien, dass die Lipidtröpfchen in den Zellen an vielen Stellen verteilt vorliegen (NEJM 360, 2009, 1518). Alle drei Forschergruppen schlagen vor, das braune Fettgewebe durch Arzneien zu stimulieren, so den Energieverbrauch zu steigern und damit Übergewicht vorzubeugen oder abzubauen.

Autor: lifeline.de-Redaktion
Letzte Aktualisierung: 14. Juli 2010
Quellen: © Ärzte Zeitung

Fragen zum Thema

Aktuelle Top-Themen

Perchlorat in Obst und Gemüse
Gefährliche Chemikalie in Lebensmitteln

Perchlorat in Obst und Gemüse

In fast jeder Probe haben Tester eine riskante Chemikalie entdeckt. Besser schnitt Bio ab mehr...

Dicker Vater, dicker Sohn - schlanke Tochter
Adipositas und Übergewicht

Dicker Vater, dicker Sohn - schlanke Tochter

Übergewicht ist anscheinend erblich, jedoch nur vom Vater auf den Sohn und nicht auf die Tochter mehr...

Die Frühkartoffel
Regional, gesund, frisch: Die Sorte der Woche

Die Frühkartoffel

Lebensmittel der Saison sind besonders frisch, gesund und lecker. Heute: die Frühkartoffel mehr...

Welche Diäten wirklich wirken
Große Studie über das Abnehmen

Welche Diäten wirklich wirken

Low-Carb, fettarm, Formula oder vegan – wie gut sind Schlankheitskuren? Diäten auf dem Prüfstand mehr...

Weiterführende Artikel

Allergie und Intoleranz: Wenn Essen Probleme bereitet

Allergie und Intoleranz: Wenn Essen Probleme bereitet

Laktose, Fruktose, Gluten: Mehr als jeder Sechste verträgt bestimmte Nahrungsmittel nicht. Die... mehr...

Alkohol und Süßes oben auf der Fasten-Hitliste

Alkohol und Süßes oben auf der Fasten-Hitliste

Der Verzicht auf Alkohol und Süßes steht bei den Deutschen auch heuer hoch im Kurs. 44 Prozent... mehr...

Ratgeber
  • Augen und SehkraftAugen und Sehkraft

    Was verbirgt sich hinter AMD? Was ist ein Sicca-Syndrom? Erfahren Sie alles über Augenerkrankungen

  • Was Ihren Rücken stärktWas Ihren Rücken stärkt

    Informieren Sie sich über Therapien, finden Sie Tipps zur Prävention oder besuchen Sie die Rückenschule

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere über 50 Gesundheitsexperten beantworten Ihre Medizin-Fragen.

mehr lesen...
Lifeline auf Twitter folgen

Lifeline-Fan auf Facebook werden

Zum Seitenanfang