Haut & Allergie
Nahrungsmittelallergien aus Tüte und Tiefkühltruhe
Fertiggerichte sehen oft richtig lecker aus: Ob Lachs mit Nudeln oder Steak mit Brokkoli - die Hersteller geben sich redlich Mühe mit Aussehen und Geschmack. Doch in den Produkten sind Tausende von Inhalts- und Zusatzstoffen versteckt und täglich kommen neue aus der Laborküche hinzu. So erstaunt es nicht, dass immer mehr Verbraucher unter Nahrungsmittelallergien leiden.
"In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Nahrungsmittelallergiker verdreifacht. In Deutschland sind mittlerweile 2,5 Millionen Menschen betroffen", so Professor Karl Christian Bergmann von der Allergie- und Asthmaklinik Bad Lippspringe - und er warnt: Kaum einer sei noch in der Lage, das Allergierisiko der Fertiggerichte einzuschätzen.
Glutamat kann Muskelzuckungen und Asthma auslösen
Beispiel Glutamat: 800.000 Tonnen dieses Geschmacksverstärkers werden jährlich verarbeitet. Vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass Glutamat , Muskelzuckungen und Asthmaanfälle auslösen kann. Noch schlimmer ist die Situation bei Nüssen. Sie können Hyperempfindliche sogar töten. Die USA haben Erdnussbutter deshalb als lebensbedrohlich eingestuft. Mehrere Fluglinien haben die Nationalspeise daraufhin von der Speisekarte verbannt.
Schimmelpilz-Enzyme in Marzipan und Margarine
Ein anderes Allergen sind Schimmelpilze, die oft Getreide, Obst, Trockenkräuter und Tees besiedeln. Mit ihren Enzymen werden Marzipan, Margarine, Pulver für Kartoffelpüree oder Schnittkäse hergestellt. Und in manchen Fruchtsäften steckt Obst, dessen Schalen nicht maschinell entfernt, sondern von Schimmelpilzen weggefressen wurden. Wer empfindlich reagiert, ist oft ratlos: Schließlich kann kaum einer ahnen, dass ein leckeres Müsli, ein Früchtejoghurt oder eine Instantsuppe schuld sein können an den allergischen Beschwerden. Hinzu kommt: Allergien tarnen sich und suchen sich neue Kriegsschauplätze im Körper: So verschwindet Asthma manchmal, dafür tauchen plötzlich Schwindel, oder Schwellungen an Händen und Füßen auf.
Therapie der Nahrungsmittelallergie
Helfen kann bei Nahrungsmittelallergien nur der Arzt. Professor Bergmann: "Wir haben heute gute Möglichkeiten, die Krankheit in den Griff zu bekommen." Die Therapie stützt sich dabei auf vier Schritte:
- Das Gespräch zwischen Arzt und Patienten: Gemeinsam müssen beide Seiten herausfinden, welche Symptome vorliegen und in welchem Zusammenhang Essen und allergische Reaktion stehen. Wichtig: Betroffene sollten ein Tagebuch führen und genau aufschreiben, was sie wann und in welcher Zusammensetzung gegessen und getrunken haben; auch sportliche Betätigung und Medikamenteneinnahme sollten sie sich notieren.
- Der Hauttest: Mit zwei Testarten versucht der Arzt heraus zu finden, welche Lebensmittel konkret eine allergische Reaktion auslösen. Beim Prick-Test spritzt der Allergologe ein industriell hergestelltes Allergen-Extrakt unter die Haut. Beim RAST-Test sticht der Arzt eine Nadel zuerst in ein Nahrungsmittel und anschließend in die Haut des Patienten. Wird sie rot und schwillt an, liegt eine allergische Reaktion vor.
- Der Bluttest: Er dient dem Nachweis von Immunglobulin-E-Antikörpern, die überall im Körper herumschwirren und eigentlich eine Schutzfunktion ausüben. Bei Allergikern führen sie allerdings zu einer fatalen Reaktion: Die Antikörper verbinden sich mit dem Allergieauslöser und setzen das Gewebshormon Histamin frei. Dieses löst Juckreiz sowie eine Rötung und Schwellung der Haut aus.
- Der Provokationsstest: Nur eine Klinik kann diesen Test vornehmen. Der Patient wird drei Tage auf strenge Diät mit Wasser und Zwieback gesetzt. Danach werden nach und nach alle Nahrungsmittel getestet, die eine Reaktion auslösen könnten. Die Patienten wissen bei dem Einfach-Blindtest nicht, ob das allergieauslösende Nahrungsmittel wirklich im Essen enthalten ist. Nur so erhält der Arzt eine Reaktion, die frei ist von psychischen Einflüssen.
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