Medizin & Forschung
Fliegen: Thromboserisiko nur leicht erhöht
Reisende auf Langstreckenflügen haben der weltweit bislang größten Studie zufolge ein leicht erhöhtes Thromboserisiko. Es ist nach Angaben Dresdner Mediziner jedoch nicht so groß wie befürchtet. Zwischen August 2001 und April 2002 seien 2.631 Menschen untersucht worden, sagte Gefäßmediziner Thomas Schwarz vom Dresdner Universitätsklinikum am Mittwoch. Bei 0,7% der Passagiere wurde ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen gefunden. 2,1% hatten Gerinnsel in kleinen Venen.
Die Untersuchung belege einen statistischen Zusammenhang zwischen langen Flugreisen und venösen Thrombosen, sagte Schwarz. Dennoch könne Entwarnung gegeben werden: "Die Häufigkeit ist deutlich geringer als in den Medien diskutiert." Die bekannten Risikofaktoren spielen laut Schwarz auch bei der Entstehung so genannter Flugthrombosen die alles entscheidende Rolle. "Dazu zählen ein Alter über 45 Jahre, Übergewicht oder erbliche Vorbelastung."Die Studie wertete die Daten von 964 Flugpassagieren aus, die auf einem Langstreckenflug von mindestens acht Stunden Dauer unterwegs waren. Die Ergebnisse wurden mit denen von 1.390 Nichtfliegern verglichen. Die Resultate von 117 Passagieren konnten nicht ausgewertet werden. In einer vorangegangenen Pilotstudie waren bereits 160 Probanden untersucht worden.Die Dresdner Mediziner untersuchten die Passagiere innerhalb einer Woche vor dem Abflug und erneut innerhalb von zwei Tagen nach der Heimkehr. Die Blutgefäße wurden mit Ultraschall kontrolliert. An der Studie nahmen nur Menschen teil, bei denen in der ersten Untersuchung keine Thrombose festgestellt worden war. Die Ergebnisse im Einzelnen: Bei 27 Passagieren und bei 12 Nichtfliegern diagnostizierten die Forscher zur zweiten Untersuchung eine Thrombose. 7 Fluggäste hatten eine Thrombose im tiefen Venensystem gehabt, die potenziell gefährlich sei. Bei 20 Passagieren bzw. 10 Nichtfliegern habe sich ein kleines Gerinnsel in der Unterschenkelmuskulatur gezeigt. Dies löse sich häufig von selbst wieder auf, sagte der Leiter der Abteilung Angiologie (Gefäßmedizin), Sebastian Schellong.Einige Mediziner empfehlen, beim Flug Stützstrümpfe zu tragen, Alkohol beim Flug zu meiden und raten zu gymnastischen Übungen. Oft werde ein Ziehen in den Beinen mit einem Muskelkater verwechselt. Ob die Empfehlung vieler Fluggesellschaften, viel zu trinken und sich während des Fluges zu bewegen, das Thromboserisiko mindere, ist nach früheren Angaben der Weltgesundheitsorganisation nicht erwiesen. Dagegen sei aber nichts einzuwenden, weil es auf jeden Fall das allgemeine Wohlbefinden erhöhe. (dpa/red)
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