Therapeutin und Patientin im Gespräch

Tumorarten

Neuroendokrine Tumoren unterscheiden sich

Am häufigsten entstehen Neuroendokrine Tumore (NET) im Magen-Darm-Trakt. Die Tumore können aktiv oder inaktiv sein, d.h. sie können Hormone produzieren und so den Stoffwechsel beeinträchtigen.

Wenn beim Arzt die Diagnose Tumor fällt, ist der erste Schreck meist groß. Besonders, wenn man eigentlich keine Beschwerden hat, wie viele Patienten mit Neuroendokrinen Tumoren (NET). Gut die Hälfte aller NET sind gutartig und auch viele NET, die bösartig sind, wachsen eher langsam. Nicht alle NET sind aktiv, geben also Hormone ins Blut ab, es gibt auch inaktive neuroendokrine Tumoren. Und selbst wenn, ist für viele Patienten ein relativ uneingeschränktes Leben möglich.

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Einteilung nach dem Ort der Entstehung

In der Medizin wird der Magen-Darm-Trakt in einen vorderen Bereich (engl. Foregut; gut = Darm), einen mittleren Bereich (engl. Midgut) und einen hinteren Bereich eingeteilt (engl. Endgut). Je nachdem, in welchem Abschnitt des Verdauungsapparates der Tumor gefunden wird, kann er dem entsprechenden Bereich zugeordnet werden. Zum Beispiel ist ein NET in der Bauchspeicheldrüse ein Tumor des Foregut, wohingegen eine Neubildung im Mastdarm dem Endgut zugeordnet wird.

Mediziner können NET nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilen. Zum einen gibt es die bereits erwähnten zwei Hauptgruppen: neuroendokrine Tumoren, die hormonell aktiv sind, oder hormonell inaktiv sind. Dann können die unterschiedlichen Entstehungsorte als Einteilungsmerkmal dienen. Je nachdem, aus welchem Gewebe der Krebs entstanden ist, ist ebenfalls eine Einordnung möglich. Und schließlich gibt es noch den Grad der Differenzierung, der besagt, wie sehr der Tumor seinem Ursprungsgewebe ähnelt.

Aktiv oder inaktiv?

Obwohl die NET ursprünglich aus hormonproduzierenden Geweben entstanden sind, geben nur rund die Hälfte von ihnen Hormone ins Blut ab. Inaktive neuroendokrine Tumoren produzieren gar keine Hormone. Sie bleiben daher oft lange Zeit unentdeckt und verursachen nur selten Beschwerden. Bei aktiven NET ist aber nicht die Größe entscheidend, wenn es um die abgegebene Hormonmenge geht. Sogar winzig kleine Tumore können so stark auf dem Organismus wirken, dass die Patienten sehr darunter leiden. Gastrinome zum Beispiel können so winzig sein, dass sie allen Diagnosemethoden entgehen, aber trotzdem die Magensäureproduktion so stark anregen, dass die Patienten schwer an Magen-Darm-Symptomen leiden. Die Größe des Tumors sagt über die Aktivität also nur wenig aus. Allerdings können auch inaktive ("nicht funktionelle") neuroendokrine Tumoren weiter wachsen, der Arzt spricht dann von einem "progredienten Tumor". Aktive und inaktive NET können in allen Abschnitten des Magen-Darm-Trakts angetroffen werden.

Folgende NET werden unterschieden:


  • Insulinome geben Insulin ins Blut ab und senken somit den Blutzuckerspiegel.

  • Gastrinome steigern die Produktion von Magensäure und führen zu Magengeschwüren, Sodbrennen und Magensäure-Reflux-Syndrom.

  • VIPome erzeugen das Krankheitsbild der Pankreatischen Diarrhoe und haben meist starke Durchfälle zur Folge.

  • Glukagonome sind nur selten aktiv. Sie produzieren Glukagon, den "Gegenspieler" von Insulin und können u. a. auch zu einem charakteristischen Hautausschlag und anderen Beschwerden führen.

  • Einige sehr seltene Tumoren der Bauchspeicheldrüse haben Einfluss auf die Hormonproduktion der Nebennierenrinde.

  • Das Karzinoidsyndrom bezeichnet NET des unteren Dünndarms oder seltener der Bronchien, die Serotonin produzieren. Als Folge kommt es häufig zu Herzschäden und starken Bauchbeschwerden. Charakteristisch sind häufige Durchfälle und der sogenannter Flush, eine plötzlich auftretende Gesichtsrötung.

  • Hormonell inaktive neuroendokrine Tumoren können im ganzen Magen-Darm-Trakt vorkommen und werden am häufigsten im Magen, im Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix) und im Mastdarm angetroffen.

Unterschiedliche Differenzierungsgrade als Anhaltspunkt

Je mehr ein neuroendokriner Tumor seinem Ausgangsgewebe gleicht, umso gutartiger wird er eingestuft. Eine Zelle, die in Aufbau und Funktion klar zuzuordnen ist, wird als hoch differenziert bezeichnet. Hoch differenzierte NET gelten als gutartig. Ein hoch differenziertes Karzinom, also eine Umfangsvermehrung, die schon Merkmale von Krebs ausweist, wird als niedrigmaligne - das bedeutet nicht sehr bösartig - eingestuft.

Sind die Tumorzellen hingegen völlig anders aufgebaut als ihr Ursprungsgewebe (also nur gering differenziert), teilen sie sich schnell und unkontrolliert und zerstören sie umliegendes Gewebe, gelten sie als hochgradig bösartig. Mediziner sprechen dann auch von "hochgradig maligne".


Quelle: Nach Informationen der Patientenbroschüre GEP-Tumoren und www.planet-cme.de
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 16, 2009


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