Geschichte der Karzinoide
Die Wissenschaft hat große Fortschritte gemacht
Der Begriff Karzinoid" besteht schon über einhundert Jahre. Aber wie viele unterschiedliche Krankheitsbilder wirklich hinter dieser Tumorerkrankung stecken, wurde erst langsam im Laufe eines ganzen Jahrhunderts klar.
In den vergangenen einhundert Jahren wurden viele Entdeckungen zur Entstehung und Behandlung von neuroendokrinen Tumoren (NET) gemacht. Der Begriff Karzinoid wurde inzwischen durch die modernere Bezeichnung NET abgelöst und auch viele neue Behandlungsmethoden entdeckt. Ein Rückblick auf die Geschichte der neuroendokrinen Tumoren zeigt, welche Fortschritte die Wissenschaft in nur wenigen Jahrzehnten gemacht hat.
Schon im Jahre 1880 beschrieb der Mediziner Otto Lubarsch im Dünndarm zweier verstorbener Patienten Tumoren, von denen wir heute wissen, dass es sich um Neuroendokrine Tumoren (NET) gehandelt haben muss. Eine wichtige Rolle in der Erforschung der NET spielte der deutsche Pathologe Siegfried Oberndorfer. Er stellte im Jahre 1907 in einem Fachjournal einen Artikel über karzinoide Tumoren des Dünndarms vor und begründete damit den Ausdruck "Karzinoid" für langsam wachsende Neubildungen im Magen-Darm-Trakt, der erst einhundert Jahre später durch den Begriff Neuroendokrine Tumoren abgelöst wurde.
Die Entdeckung der Hormone war ein Meilenstein
Zwischen 1902 und 1927 entdeckten Forscher Hormone wie Sekretin und Insulin, die eine große Rolle bei der Erkennung und Behandlung von NET spielen. Im Jahre 1930 wurde erstmals das Karzinoid-Syndrom mit den typischen Symptomen wie Gesichtsrötung (Flush") beschrieben. Den Zusammenhang zwischen übermäßiger Hormonproduktion und diesen Symptomen erkannte man dann zwischen 1952 und 1954, als aus Tumoren die Hormone Serotonin und die Substanz P isoliert werden konnten.
Das Verner-Morrison-Syndrom
1958 wurde das Verner-Morrison-Syndrom beschrieben, ein Tumor der Bauchspeicheldrüse, der von nicht beherrschbaren wässrigen Durchfällen und Kaliummangel begleitet wird. Solche Tumoren produzieren ebenfalls ein Hormon, das vasoaktive Intestinale Peptid (gefäßwirksames Darmhormon), kurz VIP. Der entsprechende Tumor wird daher als "VI-Pom" bezeichnet.
Das Zollinger-Ellison-Syndrom
Die Geschichte der NET erlebte bereits ein Jahr später einen weiteren Fortschritt, als die Chirurgen Robert Milton Zollinger und Edwin Homer Ellison über zwei Patienten mit einer ungewöhnlichen Kombination von Symptomen berichteten: Sie litten unter Zwölffingerdarm-Geschwüren, überhöhter Magensäurebildung und Durchfällen. Bis heute nennt man dieses Krankheitsbild Zollinger-Ellison-Syndrom (Gastrinom).
Moderne Begriffe im neuen Jahrtausend
In den Jahren 2000 und 2004 einigte man sich in der Weltgesundheitsorganisation WHO darauf, den Begriff Karzinoid" nicht mehr zu verwenden, sondern stattdessen die einheitliche Bezeichnung Neuroendokrine Tumoren, kurz NET.


