
Therapie des Karzinoidsyndroms
Was tun bei Durchfall oder Herzschwäche?
Flush, Durchfälle sowie die Gefahren der Karzinoidkrise und der Schädigung des Herzens kennzeichnen das Karzinoidsyndrom. Zwar können die Beschwerden oft nicht völlig behoben werden, aber eine Linderung ist möglich.
Als Hauptursache des Karzinoidsyndroms wird die Freisetzung des Hormons Serotonin in den Körperkreislauf angesehen. Serotonin, das von neuroendokrinen Tumoren (NET) im Magen-Darm-Trakt abgegeben wird, gelangt mit dem Blut zunächst in die Leber und wird dort sehr effektiv abgebaut. Ein Karzinoidsyndrom tritt daher ausschließlich auf, wenn
- Serotonin freisetzende NET außerhalb des Magen-Darm-Trakts, zum Beispiel in der Lunge oder der Leber selbst, vorliegen oder
- NET des Magen-Darm-Traktes Absiedelungen (Metastasen) in der Leber gebildet haben.
Serotonin und andere freigesetzte Hormone verursachen im Körper eine Reihe von Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken und unter Umständen gefährliche Komplikationen auslösen können. Die wichtigsten Symptome des Karzinoidsyndroms sind heftige Durchfälle, Flush, die Karzinoidkrise während Operationen mit asthmatischen Beschwerden und niedrigem Blutdruck sowie, bei etwa 40 Prozent der Patienten, langfristig Schäden an den Klappen der rechten Herzseite, die zu schweren Kreislaufstörungen führen können.
Therapie des Karzinoidsyndroms
Wenn ein Karzinoidsyndrom auftritt, hat der zugrunde liegende neuroendokrine Tumor in der Regel bereits Metastasen gebildet. Eine vollständige Heilung durch Operation ist zu diesem Erkrankungszeitpunkt nicht mehr möglich. Die Entfernung von Metastasen in der Leber kann ein Karzinoidsyndrom zwar vorübergehend bessern, in der Regel erfolgt jedoch eine symptomatische Therapie, die darauf abzielt, die Beschwerden der Betroffen zu lindern.
- Durchfälle: Somatostatin-Analoga bessern karzinoidbedingte Durchfälle oft nachhaltig. Sind weitere Behandlungsmaßnahmen erforderlich, können so genannte Serotonin-Antagonisten (z.B. Ondansetron, Tropisetron) oder opiatartige Medikamente (Loperamid, Tinctura opii) eingesetzt werden, die die Bewegungen des Darms vermindern. Zu beachten ist, dass sich Durchfälle auch als Folge von Operationen entwickeln können. Das gilt insbesondere, wenn der Endabschnitt des Dünndarms entfernt wurde, das so genannte terminale Ileum. In diesem Fall können Gallensäuren, die in den Dickdarm gelangen, die Ursache der Beschwerden sein. Zur Therapie eignet sich dann z.B. Cholestyramin.
- Flush: Sprechen Flushs nicht auf die Therapie mit Somatostatin-Analoga oder Interferon-alpha an, kann eine Radiorezeptortherapie versucht werden, um die Beschwerden zu bessern.
- Schädigung des Herzens: Das bei Karzinoidsyndrom in großer Menge freigesetzte Serotonin führt langfristig bei etwa 40 Prozent der Betroffenen zur Ablagerung bindegewebsartiger Strukturen auf der Herzinnenwand (Endokardfibrose). Besonders betroffen sind die beiden Klappen der rechten Herzseite (Trikuspidalklappe, Pulmonalklappe), die für den Transport von sauerstoffarmem Blut in die Lunge zuständig ist. Die Klappen werden durch die Auflagerungen undicht. Eine Herzschwäche ist die Folge. Diese Herzkrankheit sollte gründlich und umfassend behandelt werden, da sie die Überlebenszeit der Patienten erheblich verkürzen kann. Zur Therapie werden neben der Gabe von Somatostatin-Analoga, die die Freisetzung von Serotonin möglichst verhindern sollen, Medikamente gegen Herzschwäche eingesetzt. Das sind unter anderem harntreibende Mittel (Diuretika), so genannte ACE-Hemmer oder auch Digitalispräparate. Sind die Herzklappen bereits undicht, wird der Ersatz durch künstliche Herzklappen empfohlen.
- Karzinoidkrise: Die Karzinoidkrise geht mit plötzlichem Blutdruckabfall, Verengung der Atemwege und Herzrhythmusstörungen einher. Die Gefahr einer Karzinoidkrise besteht insbesondere bei Operationen von Dünndarm-NET. Zur Vorbeugung werden vor entsprechenden Eingriffen Somatostatin-Analoga verabreicht.
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