
Moderne Behandlungskonzepte
Individuell, fachübergreifend, verlaufsorientiert
Neuroendokrine Tumoren unterscheiden sich hinsichtlich des Orts ihres Auftretens, ihrer Gewebeeigenschaften, ihrer Hormonaktivität und ihrer Bösartigkeit. Moderne Therapien berücksichtigen diese Vielfältigkeit.
Neuroendokrine Tumoren (NET) stellen innerhalb der Medizin eine relativ uneinheitliche Erkrankungsgruppe dar. Es werden zahlreiche Tumorarten unterschieden, die vielfältige Beschwerden auslösen können und sich darüber hinaus hinsichtlich ihrer Neigung zur Ausbreitung im Körper und der Abgabe bzw. Nicht-Abgabe von Hormonen voneinander abgrenzen lassen.Moderne Behandlungskonzepte bei NET berücksichtigen die Vielgesichtigkeit der Erkrankung. Angestrebt wird eine fachübergreifende Zusammenarbeit von
- Chirurgen
- Endokrinologen (Hormonspezialisten)
- Gastroenterologen (Experten für den Magen-Darmtrakt)
- Nuklearmedizinern (Fachärzten, die mit radioaktiven Präparaten behandeln)
- Radiologen (Experten für die Diagnose mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomographie [CT] oder Magnetresonanztomographie [MRT])
- Pathologen (Fachärzte, die z. B. mikroskopisch das Tumorgewebe untersuchen und somit Art und Eigenschaften der Tumoren bestimmen)
Um die bestmögliche Behandlung zu erreichen, kooperieren die jeweils beteiligten Fachärzte eng miteinander und stimmen ihre Maßnahmen auf den individuellen Erkrankungsfall und dessen Verlauf ab. Koordiniert wird die Zusammenarbeit zumeist von einem Endokrinologen oder Gastroenterologen.
Am Anfang steht fast immer die Operation
Wird ein neuroendokriner Tumor rechtzeitig erkannt, kann er durch eine Operation oft vollständig entfernt werden. Der betroffene Patient ist in diesem günstigsten Fall geheilt und benötigt, abgesehen von Kontrolluntersuchungen, keine weitere Behandlung.
Kann ein NET nicht vollständig herausoperiert werden, müssen weitere Eigenschaften des Tumors wie die Geschwindigkeit seines Wachstums oder die Abgabe von Hormonen herangezogen werden, um die optimale Therapie zu finden. Doch auch in diesem Fall steht - von wenigen Ausnahmen abgesehen - am Anfang immer die Operation. Sie soll die Tumormasse verringern, auch wenn Tumorreste zurückbleiben.
Stabile, funktionell inaktive Tumoren
Wächst ein neuroendokriner Tumor nach der chirurgischen Therapie nicht weiter und gibt er keine Hormone ab (funktionell inaktiver Tumor), ist es gerechtfertigt, die Behandlung auf regelmäßige Kontrollen zu beschränken. Zu einem späteren Zeitpunkt sind darüber hinausgehende Maßnahmen nur dann erforderlich, wenn der Tumor den stabilen Zustand verlässt, also zu wachsen oder Hormone abzugeben beginnt. Inzwischen findet jedoch auch hier ein Umdenken statt, das auch in solchen Fällen hin zu einer frühzeitigen medikamentösen Behandlung geht.
Funktionell aktive und/oder wachsende Tumoren
NET, die Hormone abgeben, also funktionell aktiv sind, und dadurch Krankheitssymptome wie etwa das Karzinoidsyndrom (Flush, Durchfälle, Asthmaanfälle) hervorrufen, werden symptomatisch behandelt. Dabei versuchen die Ärzte, die Beschwerden zu lindern, ohne dass die Ursache der Beschwerden behoben wird. Bewährt hat sich hierfür insbesondere die medikamentöse Therapie mit so genannten Somatostatin-Analoga. Alternativ kann auch eine Behandlung mit dem Wirkstoff Interferon alpha erfolgen. Beide Wirkstoffgruppen können abhängig vom einzelnen Erkrankungsfall auch das Wachstum von neuroendokrinen Tumoren verlangsamen, aufhalten oder sogar zum Schrumpfen des Tumors führen. Eine aktuelle Studie (PROMID) hat das für ein Somatostatin-Analogon gezeigt.
Führt die medikamentöse Behandlung zu keinem befriedigenden Ergebnis, können die Chemoembolisation und die Radionuklidtherapie eingesetzt werden, um das Tumorwachstum und den Hormonausstoß des Tumorgewebes zu verringern. Auch neue Therapieverfahren wie die Hochfrequenzthermotherapie (HFTT, RFA, RITA), die Laser-induzierte Thermotherapie (LITT), die transarterielle Chemotherapie (TACE), die Kyrotherapie oder die selektive Interne Radio-Therapie (SIRT) können die Symptome der Erkrankung bessern und darüber hinaus das Wachstum der Tumoren aufhalten.
Aggressive Tumoren und NET der Bauchspeicheldrüse
Neuroendokrine Tumoren, die wachsen und in ihrer Zellstruktur nur wenig Ähnlichkeit mit dem Ausgangsgewebe des Krebses aufweisen, so genannte gering differenzierte Tumoren, können mit einer den ganzen Körper erfassenden ("systemischen") Chemotherapie behandelt werden, wenn andere Therapiemaßnahmen keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben. Das gilt auch für NET der Bauchspeicheldrüse, selbst wenn diese in ihrer Zellstruktur weniger stark von ihrem Ausgangsgewebe abweichen.
Pavel M: Was sind neuroendokrine Tumoren? Übersicht zur Klassifikation, Diagnostik und Therapie. GLANDULA Net 2006;7:10-5
Auernhammer CJ: Medikamentöse Therapie bei neuroendokrinen Tumoren. GLANDULA Net 2006;7:35-8Pascher A. Neuroendokrine Tumore - Behandlung von Lebermetastasen. Berliner Informationstag 2008
www.planet-cme.de


