
Behandlung mit Medikamenten
Neuroendokrine Tumore: Behandlung mit Medikamenten
Wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine Tumortherapie mit Medikamenten weiterhelfen. Dabei stehen unterschiedliche Wirkstoffe zur Verfügung.
Die medikamentöse Tumortherapie von neuroendokrinen Tumoren (NET) hat vor allem drei Ziele: Erstens die Hormonausschüttung durch die Tumoren zu verringern und somit die Symptome zu lindern, zweitens das Wachstum des Tumors zu verlangsamen, zu stoppen oder ihn sogar schrumpfen zu lassen und drittens die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.
Nur wenige Stoffe, die bei allen Tumoren helfen
So unterschiedlich die NET in ihrer Lokalisation sind, genauso unterschiedlich sind die möglichen Medikamente, die gegen sie eingesetzt werden können. Nur wenige Wirkstoffe sind grundsätzlich gegen fast alle Arten von NET geeignet. An erster Stelle stehen dabei Stoffe, die ebenso wirken wie das Hormon Somatostatin, so genannte Somatostatin-Analoga. Somatostatin wirkt dem Wachstumshormon entgegen und hemmt im Körper die Produktion von Magensaft, Insulin und seinem Gegenspieler Glukagon sowie von einigen weiteren Hormonen und Sekreten. Es nimmt dem Patienten die Belastung durch übermäßige Sekretion der Tumoren und kann obendrein in manchen Fällen auch das Tumorwachstum kontrollieren. In seltenen Fällen bilden sich die NET unter dem Einfluss dieser Medikamente sogar zurück. Wie genau es zu dieser Wachstumsbremse kommt, ist aber noch nicht vollständig erforscht.
Somatostatin und seine Analoga: wirkungsvoll und gut verträglich
Zu Anfang gab es Somatostatin- Analoga nur in kurz wirksamen Zubereitungen, die dreimal täglich unter die Haut gespritzt werden mussten. Diese Art der Tumortherapie war für die Patienten sehr aufwändig und schränkte die Lebensqualität ein. Heutzutage gibt es somatostatinartige Medikamente mit Depotwirkung. Bei diesen Zubereitungen ist der Wirkstoff in Mikrokapseln eingeschlossen und wird nur sehr verzögert, aber gleichmäßig freigesetzt. Depot-Zubereitungen müssen nur einmal alle vier Wochen durch den Arzt tief ins Gewebe injiziert werden. Dank eines speziellen Patientenservice können diese Injektionen seit Kurzem sogar bequem zu Hause erfolgen.
Die Nebenwirkungen von Somatostatin-Analoga sind eher milde und treten meist nur am Anfang der Therapie auf. Es herrschen Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen vor. Zudem kann es zu Reaktionen an der Einstichstelle wie Kribbeln, Rötungen und Juckreiz kommen. Bei dauerhafter Anwendung kann es zu Gallen-steinen kommen, eine gute Überwachung der Patienten ist darum notwendig.
Interferon: Gute Wirksamkeit, starke Nebenwirkungen
Ein weiteres, in vieler Hinsicht wirksames Mittel gegen NET ist das Interferon-alpha (IFN-alpha). Interferone sind wie das Somatostatin Substanzen, die auch natürlicherweise im Körper vorkommen. Ihre Aufgabe ist unter anderem die Bekämpfung von Viren und Tumorzellen. Bei der Interferon Behandlung von NET wirkt das eingesetzte IFN-alpha hemmend auf die Zellteilung der Geschwulste und bewirkt auch den Tod von Tumorzellen. Auch die Hormonausschüttung wird verringert. Außerdem verändert es die Oberfläche der Tumorzellen so, dass sie vom Immunsystem erkannt und vernichtet werden können. Neben allen positiven Wirkungen bringt die Therapie mit Interferon aber meist schwere Nebenwirkungen mit sich, sodass fast jeder Fünfte die Behandlung mit IFN-alpha vorzeitig abbrechen muss. Im Vordergrund stehen grippeartige Symptome direkt nach Therapiebeginn sowie langfristig Müdigkeit, Depressionen, Haarausfall, Blutbildveränderungen, Gewichtsverlust und Störungen der Immunabwehr. IFN-alpha wird ebenfalls per Injektion verabreicht.
Chemotherapie: Bei NET eher selten im Einsatz
Chemotherapie, bei vielen Tumorerkrankungen Mittel der Wahl, kommt bei einem neuroendokrinen Tumor als Therapie nur selten zum Einsatz und meistens auch nur, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Sie wird beispielsweise bei schnell wachsenden Tumoren eingesetzt, v. a. im Bereich der Bauchspeicheldrüse. Nicht angebracht ist eine Chemotherapie bei metastasierten GEP-Tumoren des Dünn- und Dickdarms sowie generell bei langsam wachsenden NET.


