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Karzinoidsyndrom

Flush und Durchfall belasten die Patienten stark

Hormonell aktive neuroendokrine Tumoren können ein sogenanntes Karzinoidsyndrom auslösen. Meistens handelt es sich dabei um NET des Dünndarms.

Auch ein aktiver neuroendokriner Tumor muss nicht zwangsläufig zu Beschwerden führen. Werden die produzierten Hormone in der Leber abgebaut, sind die Blutspiegel zumeist so gering, dass sie gar keine Symptome auslösen. Ist die Leber jedoch bereits durch Tumorabsiedelungen (Metastasen) in Mitleidenschaft gezogen, erhöht sich die Hormonkonzentration und ein Karzinoidsyndrom ist häufig die Folge.

Primärtumoren häufig im Dünndarm

Neuroendokrine Tumoren, die ein Karzinoidsyndrom auslösen, sind in den meisten Fällen im unteren Dünndarm lokalisiert und haben bereits Metastasen in der Leber gebildet. Sie produzieren das Hormon Serotonin, dessen Abbauprodukt 5-HIES (5-Hydroxyindolessigsäure) im Urin des Patienten nachgewiesen werden kann. Die Bestimmung der 5-HIES-Konzentration im 24-Stunden-Sammelurin dient dem Arzt daher zur Diagnosestellung eines Karzinoidsyndroms. Da serotoninreiche Nahrungsmittel wie Bananen, Pfirsiche, Avocados und Nüsse den Messwert erhöhen, sollte der Patient diese in den Tagen vor der Untersuchung meiden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Durchfall und Bauchschmerzen

Serotonin erfüllt in normalen Konzentrationen wichtige Aufgaben im Darm: Es sorgt unter anderem für die Sekretion von Verdauungssäften und regt Bewegungen des Darmes an. Liegt es im Überfluss vor, können daher starke Durchfälle die Folge sein. Ein weiteres typisches Kennzeichen des Karzinoidsyndroms sind krampfartige Bauchschmerzen, die häufig nach den Mahlzeiten auftreten. Sie beruhen in der Regel auf einer mangelhaften Durchblutung des Darmes, die durch eine Verengung bzw. Verkalkung der Blutgefäße hervorgerufen wird, die den Darm versorgen, einer sogenannten desmoplastischen Reaktion.

Flush: plötzliche Hitzewallungen

Neben Durchfall und Bauchkrämpfen klagen viele Patienten mit Karzinoidsyndrom über plötzlich auftretende Hitzewallungen, die mit starken Rötungen im Gesicht- und Halsbereich, teilweise sogar am gesamten Oberkörper verbunden sind. Gleichzeitig kann es zu Herzklopfen und Schweißausbrüchen kommen. Der Fachbegriff für diese Erscheinung lautet Flush. Anfangs dauert ein solcher Flush in der Regel etwa zwei bis fünf Minuten, im weiteren Verlauf der Erkrankung kann die Rötung jedoch auch über Stunden anhalten.

Herz- und Atembeschwerden seltener

Auch eine Schädigung des Herzens kann durch das Karzinoidsyndrom ausgelöst werden. Hier steht vor allem eine Schädigung der Herzklappen im Vordergrund, für die vermutlich auch das Hormon Serotonin verantwortlich ist. Diese entwickelt sich in der Regel langsam, kann aber schwerwiegend sein. Mitunter sind es auch die Beschwerden dieser Herzerkrankung, eine sogenannte Herzinsuffizienz, die den Patienten zum Arzt führen, und der zugrunde liegende Tumor wird nur zufällig entdeckt. Ein typisches Symptom für eine Herzinsuffizienz ist beispielsweise eine verminderte körperliche Belastbarkeit.Rund ein Fünftel aller Patienten mit Karzinoidsyndrom leidet zudem unter asthmaähnlichen Atembeschwerden.

All diese Symptome können bei einem Karzinoidsyndrom vorkommen, sie sind jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt und fehlen teilweise ganz. Am häufigsten klagen Betroffene jedoch über Bauchschmerzen, Durchfälle und Flush.


Quelle: Nach Informationen von Dietl, M. et al.: Harrisons Innere Medizin. 16. Auflage (2005); www.planet-cme.de, Patientenbroschüre Neuroendokrine Tumoren des Magen-Darm-Traktes und der Bauchspeicheldrüse (GEP-NET); Reuter, R.: Springer Lexikon Medizin (2004).
Autor: Annette Mende
Stand: May 12, 2009


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