Karzinoide

Langsameres Wachstum kennzeichnet ein Karzinoid

Was genau ist ein Karzinoid? Und welche unterschiedlichen Formen gibt es? Die Bezeichnungen in der Medizin sind oftmals verwirrend und sollen an dieser Stelle erklärt werden.

Der Begriff Karzinoid wurde vor rund 100 Jahren eingeführt und bezeichnete Tumoren, die langsamer und weniger aggressiv wachsen als die bösartigen Karzinome. Karzinoid blieb lange Zeit ein feststehender Begriff und wurde erst vor kurzer Zeit durch den Ausdruck „Neuroendokrine Tumoren" (NET) ersetzt. Auch die Abkürzung GEP-NET ist geläufig, sie steht für Gastro-Entero-Pankreatische (GEP) neuroendokrine Tumoren. Als neuroendokrin werden Gewebe bezeichnet, die Hormone herstellen. Nicht alle Karzinoide (NET) produzieren Hormone, aber wenn sie es tun, verursachen sie die typischen Symptome einer Hormon-Überdosierung, auch NET-Syndrom genannt.

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Gutartig oder bösartig?

Der Begriff Tumor sagt zunächst nur aus, dass im Körper eine Wucherung vorhanden ist, die nicht dort hin gehört. Und wie bei allen Tumoren unterscheidet man auch bei den NET zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Formen. Ein Tumor, der gutartig ist, wächst langsam und dringt nicht in das umliegende Gewebe ein (er wächst also nicht infiltrativ). Außerdem gleichen seine Zellen noch dem Ausgangsgewebe. Bei den bösartigen Tumoren spricht man hingegen von einer niedrigen Differenzierung. Je schneller das Wachstum und je undifferenzierter die Zellen sind, desto bösartiger ist die Geschwulst einzustufen. Hochgradig bösartige Tumoren dringen rasch in das umliegende Gewebe ein und zerstören es (infiltratives Wachstum). Aus diesem Grund brechen bösartige Tumore auch viel schneller in Blut- und Lymphgefäße ein und verursachen Tochtertumoren, so genannte Metastasen, die sich dann ebenso bösartig verhalten wie der Ausgangstumor. Auch gutartige Tumoren können Metastasen bilden. Eine Entfernung der Geschwulste, bevor sie sich verbreiten können, ist darum die wichtigste Voraussetzung für eine vollständige Genesung.

Unterschiedliche Tumoren an unterschiedlichen Stellen

Neuroendokrines Gewebe ist in vielen Bereichen des Körpers vorhanden. Der Oberbegriff NET fasst darum verschiedene Tumoren zusammen, die an ganz unterschiedlichen Stellen des Körper sitzen können: Im Thymus (einer Drüse in der Nähe des Herzens), in den Bronchien (Lunge), im Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix), im Dünndarm (Jejunum), Hüftdarm (Ileum) und Enddarm (Rektum), im Zwölffingerdarm (Duodenum), sowie im Magen (Gaster) und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Rund die Hälfte aller NET entstehen im Magen-Darm-Trakt. Vor allem der Dünndarm ist betroffen, gefolgt vom Wurmfortsatz, dem Magen und dem Dickdarm. Nur jeder 10. NET entsteht an anderer Stelle wie dem Thymus oder der Lunge.

Tochtergeschwulste treten vor allem in der Leber auf. Dabei werden Tumorzellen mit Blut und Lymphe in die Leber gespült und setzen sich dort fest. Die Leber hat als Entgiftungsorgan eine Art Klärwerkfunktion für den Magen-Darm-Trakt und ist daher für Metastasen aus dieser Region besonders anfällig.

Aktive Tumoren setzen Hormone frei

Nur die Hälfte aller neuroendokrinen Tumoren setzen Hormone frei, sind also aktiv. Anfangs geringe Hormonmengen verursachen noch keine Symptome, wenn aber größere Hormondosen aus dem Tumor freigesetzt werden, treten die typischen NET-Symptome auf: Gesichtsrötungen (Flush), die sich auf den Oberkörper ausbreiten können, Verdauungsprobleme wie Durch-fälle (Diarrhoen) und krampfartige Bauchschmerzen, Herzprobleme und Atembeklemmung. Nicht jeder Patient leidet unter allen Symptomen und oft werden einzelne Anzeichen falsch eingeschätzt. Zum Beispiel wird der Flush bei Frauen ab Mitte Vierzig leicht den Wechseljahren zugeschrieben oder die Bauchbeschwerden einer Laktose-Intoleranz. Schon bei kleineren NET können oftmals erhöhte Hormonspiegel im Blut gemessen werden und auch so genannte Tumormarker tragen zur richtigen Diagnose bei.

Inaktive Tumoren werden häufig sehr spät erkannt

Inaktive Tumoren existieren oft jahrelang unerkannt, wenn sie zu keinerlei Beschwerden führen. Erst wenn sie durch ihre Größe andere Organe verdrängen oder auf Nerven und Blutgefäße drücken, entstehen Symptome, die aber sehr unterschiedlich ausfallen. Früh werden zum Beispiel Tumoren im Wurmfortsatz des Blinddarms entdeckt, wenn sie zu einer Blinddarmentzündung führen, oder Tumoren der Bauchspeicheldrüse, wenn sie den Ausführungsgang der Gallenblase verschließen und so eine Gelbsucht entsteht. Viele Dickdarm-Tumoren könnten frühzeitig entdeckt und entfernt werden, wenn sich die Vorsorgeuntersuchung mittels Darmspiegelung unter den Patienten endlich mehr durchsetzen würde. Denn je früher ein NET entdeckt und entfernt wird, desto größer sind die Chancen auf eine vollständige Genesung.


Quelle: Nach Informationen der Patientenbroschüre GEP-Tumoren und www.planet-cme.de
Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 11, 2009


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