
Therapie des Insulinoms
Insulinome sollten nach Möglichkeit operativ entfernt werden. Schwierig gestaltet sich die Behandlung, wenn der Tumor bösartig ist. Dann sind die Besonderheiten des jeweiligen Erkrankungsfalls zu berücksichtigen.
Behandlung gutartiger Insulinome
Zwischen 85 und 95 Prozent aller Insulinome sind gutartig, neigen also nicht dazu, Tochtergeschwülste zu bilden. Alle gutartigen Insulinome werden möglichst operativ vollständig entfernt. Je nach Lage des Tumors in der Bauchspeicheldrüse kann es genügen, ihn aus dem Organ herauszuschälen". Es kann jedoch auch erforderlich sein, betroffene Teile der Bauchspeicheldrüse zu entfernen.
Behandlungsmöglichkeiten bei verschiedenen Insulinom-Formen
Insulinome gehen von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) aus. Sie verursachen eine Überproduktion von Insulin, dies senkt den Zuckerspiegel im Blut und verursacht eine anhaltende Unterzuckerung. Die Beschwerden einer Unterzuckerung (Mattigkeit, Schwächegefühl, Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Hungergefühl, Gewichtszunahme und Nervosität) sind bei Insulinom-Patienten oft weniger ausgeprägt als bei Insulin-spritzenden Diabetikern mit Zeichen der Unterzuckerung. Im Vordergrund stehen hier Störungen des zentralen Nervensystems wie Kopfschmerzen, Verwirrung, Sehstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und Lähmungen sowie manchmal ausgeprägte Persönlichkeitsstörungen.
Bei der Behandlung der Insulinome spielt eine wichtige Rolle, ob der Tumor gut- oder bösartig ist.
Die Behandlungsaussichten bei gutartigen Insulinomen sind sehr gut. Die Patienten werden durch die Operation in der Regel vollständig geheilt. In seltenen Fällen kann der behandelnde Arzt allerdings Probleme bekommen, das Insulinom in der Bauchspeicheldrüse zu lokalisieren. Denn in etwa fünf von hundert Fällen gelingt es während der Operation nicht, den Tumor in der Bauchspeicheldrüse zu ertasten oder durch Ultraschall sichtbar zu machen. In diesen Fällen wird der Eingriff ohne Entnahme von Gewebe beendet. Es ist dann zunächst erforderlich, die Lage des Tumors durch weitere Untersuchungen genauer zu bestimmen. Dementsprechend verzögert sich die Heilung. Bis zur Entfernung des Tumors können eine spezielle Diät sowie Blutzucker-regulierende Medikamente die Beschwerden mildern (siehe unten).
Behandlung bösartiger Insulinome
Bösartige (maligne) Insulinome neigen dazu, Tochtergeschwülste (Metastasen) in die Leber bzw. in die Lymphknoten abzusiedeln, die die Bauchspeicheldrüse umgeben. Die Therapie der bösartigen Tumoren erfolgt zunächst durch eine Operation, an die sich gegebenenfalls die Gabe von Medikamenten anschließt.
Unabhängig davon, ob das Insulinom bereits Tochtergeschwülste gebildet hat oder nicht, wird bei der operativen Behandlung der Ausgangstumor in der Bauchspeicheldrüse möglichst vollständig entfernt. Je nach Befund entnimmt der Arzt darüber hinaus auch Lymphknoten sowie befallene Teile der Leber.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Im Vordergrund der symptomatischen Maßnahmen steht beim Insulinomen das Diätverhalten des Patienten. Häufige kleine Mahlzeiten mit langsam resorbierbaren Kohlenhydraten helfen, schwere Unterzuckerungen zu vermeiden.Ist trotz der zuvor beschriebenen operativen Maßnahmen eine Heilung nicht zu erwarten, erfolgt zusätzlich eine Behandlung mit Medikamenten.
Mit Diazoxid kann die Häufigkeit der Unterzuckerungen verringert werden. Allerdings treten unter diesem Medikament häufig Übelkeit, niedrige Kaliumspiegel im Blut (Hypokaliämie), Ödeme und Herzrhythmusstörungen auf. Bei Tumoren, die Somatostatin Rezeptoren aufweisen (nachgewiesen durch eine sog. Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie), kann eine Behandlung des Insulinoms mit Somatostatin-Analoga (SSA), versucht werden, die die Beschwerden lindern und teilweise auch das Tumorwachstum kontrollieren können. Diese Therapie ist wegen des möglichen Risikos von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) jedoch bei Beginn sehr eng zu überwachen.
Tochtergeschwülste des Insulinoms können je nach Ort der Absiedelung durch Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden. Die Behandlungsaussichten bei bösartigen Insulinomen variieren individuell stark und lassen sich nur schlecht vorhersagen.
Insulinome bei Multiplen Endokrinen Neoplasien (MEN) vom Typ 1
Insulinome können nicht nur als eigenständige Erkrankungen auftreten, sondern auch im Rahmen einer Multiplen Endokrinen Neoplasie vom Typ 1 (MEN-1). In diesem Fall liegt das Insulinom gleichzeitig oder in zeitlicher Abfolge mit anderen Tumoren der Bauchspeicheldrüse und des Zwölffingerdarms vor. Eine dauerhaft heilende Operation ist bei MEN-1 deshalb nur selten möglich. Insulinome bei MEN-1 neigen jedoch dazu, bösartig zu werden und Tochtergeschwülste abzusiedeln. Daher sollte stets versucht werden, sie vollständig zu entfernen, weil sich auf diese Weise das Risiko für die Bildung von Metastasen minimieren lässt.


