Gastrinome
Etwa die Hälfte aller Gastrinome sind gutartig
Durch das hormonell aktive Gastrinom wird mehr Magensäure ausgeschüttet. Chronische Durchfälle und Oberbauchbeschwerden können die Folge sein.
Neuroendokrine Tumoren, die bevorzugt im Zwölffingerdarm und der Bauchspeicheldrüse vorkommen, werden Gastrinome genannt, wenn ihre hormonelle Aktivität (Gastrinproduktion) zu einer vermehrten Ausschüttung von Magensäure führt. In Deutschland sind unter einer Million Menschen nur vier bis zwölf von Gastrinom-Erkrankungen betroffen. Dabei sind ca. 40 Prozent dieser neuroendokrinen Tumoren in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) lokalisiert, weitere 40 Prozent finden sich im Zwölffingerdarm (Duodenum). Ein neuroendokriner Tumor kann beispielsweise auch im Dünndarm entstehen.
Früherkennung gute Heilungschancen
Zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Gastrinome sind bösartig und neigen dann schon nach kurzer Zeit zur Bildung von Tochtergeschwulsten (Metastasen). Diese breiten sich vom Darm ausgehend vor allem in den nahen Lymphknoten und vom Pankreas aus auch in der Leber aus. Bei jedem zweiten Patienten ist die Erkrankung zur Zeit der Diagnose bereits so weit fortgeschritten, dass bereits Tochtergeschwulste entstanden sind. Je nach Lage des Tumor ist die Prognose nach einer Gastrinomerkrankung unterschiedlich gut. Liegen bereits Metastasen in den Lymphknoten vor, rechnen Mediziner trotzdem mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass der Patient die folgenden fünf Jahre überlebt. Sitzt der bösartige Tumor im Pankreas und hat er bereits in die Leber gestreut, sinken diese Chancen. Nach Möglichkeit sollten Gastrinome möglichst rasch operativ entfernt werden.
Das Zollinger-Ellison-Syndrom
Die Gesamtheit der Symptome, die eine Gastrinom-Erkrankung verursacht, wird nach ihren Entdeckern Zollinger-Ellison-Syndrom genannt. Das Hormon, das von den Tumoren ausgeschüttet wird, heißt Gastrin. Es verursacht eine starke Magensäurebildung, in deren Folge Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre, Magensäurerückfluss in die Speiseröhre (Reflux), Sodbrennen, Speiseröhren-Reizungen und Verdauungsstörungen (vor allem wässrige Durchfälle und Fettstühle) auftreten. Um die schlimmsten Symptome des Zollinger-Ellison-Syndroms zu mildern, kann die Magensäureproduktion medikamentös gehemmt werden.
Diagnosemethoden für Gastrinome
Die Diagnose der Gastrinome ist schwierig. Bis zu 30 Prozent der kleinen Tumoren im Zwölffingerdarm entziehen sich Diagnosemethoden wie Röntgen, Computertomographie und Ultraschall. Da sie aber eine starke hormonelle Aktivität aufweisen, können sie mit labortechnischen Untersuchungen nachgewiesen werden. Patienten mit Gastrinomen weisen auch nüchtern einen sehr sauren Magensaft mit einem pH-Wert unter 2 auf. Liegt auch noch ein erhöhter Gastrinwert im Blut mit Werten über 1.000 Pikogramm pro Milliliter Blut vor, gilt der Nachweis als erbracht.
Auch mit dem so genannten Sekretintest kann festgestellt werden, ob eine übermäßige Gastrinausschüttung abläuft, die ebenfalls auf das Vorhandensein eines Gastrinoms hinweist. Sekretin reizt alle im Körper befindlichen Gastrin-ausschüttenden Gewebe zu starker Aktivität. Steigt der Gastrinwert im Blut nach der Sekretin-Spritze auf das Doppelte und noch mehr an, gehen die Mediziner davon aus, dass ein aktiver Tumor vorliegt.


