Mundgeruch: Was tun gegen die Ursachen?

Eine Knoblauchfahne ist ganz normal, andere Ursachen von Mundgeruch jedoch krankhaft! Was dahinterstecken kann und wie Sie wieder sorgenfrei reden und durchatmen: hier erfahren!

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Schnelle Hilfe bei Mundgeruch bieten zum Beispiel minzhaltige Kaugummis. Bei dauerhaftem Mundgeruch sollten aber die Ursachen geklärt werden.
(c) Getty Images/Zoonar RF

Als Mundgeruch wird jede Form von unangenehmem Geruch der Ausatemluft bezeichnet. Das Symptom ist häufig und meist harmloser Natur, tritt zum Beispiel nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel auf. Allerdings können auch ernste Zahnprobleme und mangelnde Mundhygiene Ursache des Mundgeruchs sein. In anderen Fällen allerdings kann Mundgeruch sogar krankhafte Ursachen haben, die unbedingt behandelt werden sollten.

Schätzungen zufolge hat etwa jeder dritte Bundesbürger mehr oder weniger chronischen Mundgeruch, medizinisch Halitosis genannt. Vielen ist er peinlich. "Manche halten in alltäglichen Situationen bewusst Abstand zu anderen Menschen, andere weichen den Zärtlichkeiten ihres Partners aus oder haben in extremen Fällen gar keine sozialen Kontakte mehr", sagt die Berliner Zahnärztin Aviva Grinfeld.

Mundgeruch am Morgen ist normal

Die Grenze zwischen schlechtem Atem und krankhaftem Mundgeruch verläuft dabei fließend. "Morgendlicher Mundgeruch nach dem Aufstehen ist normal, da man beim Schlafen weniger Speichel produziert und der Mund dann einfach trockener ist", erklärt die Berliner Zahnärztin Aviva Grinfeld. "Die Abgrenzung zum krankhaften Mundgeruch ist rein ursachenbedingt und in der Regel nicht an eine bestimmte Nahrungsaufnahme gebunden", ergänzt Sebastian Michaelis von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK).

In den wenigsten Fällen ist der Magen schuld

Bei etwa 90 Prozent der Patienten liegt die Ursache in der Mundhöhle. Der üble Geruch aus dem Mund wird von Schwefelverbindungen in der Ausatemluft hervorgerufen. Diese können beispielsweise bei der Zersetzung von Nahrungsresten durch Bakterien der Mundhöhle entstehen. "Vor allem auf der großen rauen Oberfläche der Zunge mit ihren zahlreichen Vertiefungen setzen sich Bakterien fest, die keinen Sauerstoff zum Leben brauchen", erklärt Kai Worch von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGParo) in Regensburg - "im Rahmen ihres Stoffwechsels produzieren sie flüchtige Schwefelverbindungen, die dann zu dem unangenehmen Geruch führen."

Auch in den Zahnzwischenräumen und unter schlecht sitzenden Kronen finden die Bakterien ihre Nischen. Besonders häufig ist Mundgeruch tatsächlich Folge des Verzehrs bestimmter Nahrungsmittel wie beispielsweise Zwiebeln oder Knoblauch. Mundgeruch hängt zudem recht häufig mit einer mangelnden oder falsch ausgeführten Mundhygiene zusammen. Bei einem verschwindend geringen Prozentsatz liegt es an einem undicht abgeschlossenen Magen, wenn es aus dem Mund müffelt.

Mundgeruch den Kampf ansagen mit diesen 13 Tipps!

Mundgeruch kann harmlos, Krankheitsanzeichen oder Nebenwirkung sein

Darüber hinaus können aber auch bestimmte Krankheiten, beispielsweise eine Mandelentzündung, Mundfäule oder Magenschleimhautentzündung, mit Mundgeruch einhergehen.

Mundgeruch tritt außerdem als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auf. Sonderfälle von Mundgeruch, die eher die Ausnahme als die Regel sind, sind Mundgeruch in Folge eines Leberversagens (Geruch süßlich), bei Nierenversagen (Geruch urinähnlich) oder bei stark überhöhten Zuckerwerten im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Geruch nach faulem Apfel beziehungsweise Aceton).

Selbsttest gibt Aufschluss über Mundgeruch

Anhaltender Mundgeruch führt oft zu sozialen Beeinträchtigungen der Betroffenen. Schließlich kann es überaus peinlich sein, wenn man mehr oder weniger öffentlich auf seinen schlechten Atem angesprochen wird. Hinzu kommt, dass man häufig selbst gar nicht weiß, dass man an Mundgeruch leidet, da viele Mitmenschen Hemmungen haben, dieses Tabu-Thema direkt anzusprechen.

Wer weiß, dass er zu Mundgeruch neigt, kann auch im Selbsttest seine Atemluft überprüfen: Dazu wird der Handrücken der Hand kurz angeleckt. Anschließend wird abgewartet, bis die Speichelfeuchtigkeit getrocknet ist und an der Hand gerochen. Besteht Mundgeruch, gelangt so der eigene Geruch in die Nase. Dadurch kann der Mundgeruch auch von Betroffenen selbst wahrgenommen werden.

Medizinisch werden im Zusammenhang mit Mundgeruch auch folgende Begriffe gebraucht:

  • Foetor ex ore: Unangenehmer Geruch, der ausschließlich in der Mund-Ausatemluft wahrnehmbar ist. Die Ursache liegt in diesem Fall in der Mundhöhle oder im Rachen.

  • Halitosis: Mundgeruch, dessen Ursachen außerhalb der Mundhöhle liegen. Halitosis kann in der Mund- und/oder Nasen-Ausatemluft vorkommen.

Ursachen für Mundgeruch im Überblick

Mundgeruch tritt häufig durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel auf, ist aber oft auch Folge einer mangelnden oder falschen Mundhygiene. Mitunter tritt Mundgeruch auch als Folge zugrundeliegender Erkrankungen auf, besonders häufig zum Beispiel in Zusammenhang mit einer Mandelentzündung oder auch einer . 

Häufige Ursachen von Mundgeruch in der Mundhöhle beziehungsweise im Rachen sind:

  • Speisereste in nicht einsehbaren Bereichen der Mundhöhle
  • verminderte Speichelproduktion (Xerostomia) – die Spülwirkung des Speichels gegen geruchsbildende Bakterien ist eingeschränkt
  • Zahn- oder Zungenbelag
  • Kariesbefall
  • eitrige Entzündung oder Fäulnis von Zähnen
  • verschmutzte Zahnprothese (schlechte Prothesenhygiene)
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Zahnhalteapparatentzündung (Parodontitis )
  • Mandelentzündung (Tonsillitis)
  • Mundfäule
  • Geschwüre in Mundhöhle oder Rachen
  • Krebserkrankungen des Rachens oder der Mundhöhle

Weitere Ursachen für Mundgeruch:

Kopf-Hals-Bereich:

  • Ozaena – Nasenentzündung, bei der es zu einem Absterben der Nasenschleimhaut und weiterer Teile des Nasengewebes kommt
  • Nasenpolypen
  • bestimmte Formen von Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Tumoren im Nasen- und Nackenraum

Lunge:

Mögliche Grunderkrankungen, die mit Mundgeruch einhergehen können:

  • ungenügender Verschluss des Mageneingangs (Kardiainsuffizienz) mit Rückfluss von Speisebrei (Refluxkrankheit)
  • Ausstülpungen der Speiseröhre (Ösophagusdivertikel)
  • Akute Magenschleimhautentzündung
  • Magengeschwür
  • Zwölffingerdarmgeschwür
  • Magenkrebs
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus ) (bei schwerer Stoffwechselentgleisung)
  • Nierenversagen
  • Leberversagen

Medikamente und Drogen:

  • einige Antibiotika sowie weitere Medikamente wie etwa Antidepressiva (siehe jeweilige Packungsbeilage)
  • Alkohol
  • Tabak

Halitophobie – Die Angst vor Mundgeruch

Einen Sonderfall im Zusammenhang mit Mundgeruch stellt die sogenannte Halitophobie dar, die aus psychologischer Sicht als Angst- oder Zwangsstörung beschrieben werden kann. Denn dabei handelt es sich um eine ausgeprägte Angst vor Mundgeruch, die auch besteht, wenn gar kein Mundgeruch vorliegt und dieser mittels diagnostischen Maßnahmen auch nicht nachgewiesen werden kann.

Die Betroffenen jedoch glauben, diesen tatsächlich bei sich wahrzunehmen und andere damit zu belästigen, so dass sie sich einerseits kontinuierlich mit dem eigenen, vermeintlichen Mundgeruch beschäftigen, sich andererseits aber auch immer mehr sozial absondern. Eine psychotherapeutische Behandlung sowie gegebenenfalls die Einnahme spezieller Antidepressiva kann bei Halitophobie die Weichen wieder neu stellen.

Stärke und Ursachen aufdecken: Die Diagnose bei Mundgeruch

Wenn man häufiger auf Mundgeruch angesprochen wurde oder auch selbst das Gefühl hat, mit der eigenen Ausatemluft sei etwas nicht in Ordnung, sollte der Weg zum Arzt des Vertrauens führen. Die Diagnose bei Mundgeruch erfolgt zunächst mit der naheliegendsten Untersuchung: dem Riechtest durch den Arzt.

So kann zunächst einmal tatsächlich beurteilt werden: Liegt Mundgeruch vor oder handelt es sich um subjektiv wahrgenommenen Mundgeruch, der nach außen hin nicht wahrnehmbar ist (etwa durch die sogenannte Halitophobie, der zwanghaften Angst vor Mundgeruch).

Die Stärke des Mundgeruchs wird in drei Grade eingeteilt:

  • Grad I: Geruch im Abstand von 10 cm wahrnehmbar
  • Grad II: Geruch im Abstand von 30 cm wahrnehmbar
  • Grad III: Geruch im Abstand von 1 m wahrnehmbar

In manchen Fällen wird zur exakteren Bestimmung des Mundgeruchs ein Halimeter herangezogen. Es handelt sich hier um ein Gerät, mittels dem die Messung der Konzentration bestimmter Schwefelverbindungen in der Atemluft möglich ist. Eine derartige Messung zählt allerdings nicht zur Standard-Diagnostik bei Mundgeruch.

Bei Mundgeruch Arzt über Ess- und Hygienegewohnheiten informieren

Wichtig ist auch, den Arzt umfassend zu informieren. Insbesondere folgende Punkte sind in Zusammenhang mit Mundgeruch relevant:

  • Essgewohnheiten
  • Zahn- und Mundhygiene
  • Nikotin- und Alkoholkonsum
  • Schnarchen bzw. Probleme bei der Nasenatmung
  • Vorliegende Allergien oder Grunderkrankungen bzw. Zahnprobleme
  • Medikamenteneinnahme

Im Verdachtsfall kann die weiterführende Diagnostik vom jeweiligen Facharzt – beispielsweise einem Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) oder dem Zahnarzt - durchgeführt werden. Auch ein Internist, Urologe, Gastroenterologe oder Pneumologe kann der richtige, im speziellen Fall zuständige Arzt sein.

Bundesweit gibt es rund 30 spezialisierte Mundgeruchssprechstunden. Dort wird mit dem Halimeter, einem speziellen Sensorgerät, die Gesamtkonzentration der Schwefelverbindungen in der Atemluft der Patienten gemessen. Es liefert objektive Messwerte, die man mit dem subjektiven Empfinden abgleichen und für Verlaufskontrollen im Rahmen der Therapie einsetzen kann.

Physiologischer Mundgeruch durch Zungenbelag

Mitunter kann die Diagnostik aber auch bereits im ersten Schritt in Richtung eines sogenannten physiologischen Mundgeruchs führen, der von pathologischem, also krankheitsbedingtem Mundgeruch zu unterscheiden ist. Der physiologische Mundgeruch ohne krankhafte Ursache kann beispielsweise Folge bestimmter Nahrungsmittel oder Genussmittel sein oder auch auf schlichten Zungenbelag zurück zu führen ist. 

In manchen Fällen lautet die Diagnose auch "Pseudo-Halitosis", also Mundgeruch, der von anderen gar nicht wahrgenommen wird. In diesem Fall kann die umfassende Information des Patienten oder die klare Sprache der Untersuchungsergebnisse häufig weiterhelfen. 

Mundgeruch behandeln mit Hygiene und Hausmitteln

Zur Therapie von Mundgeruch sollte nach Möglichkeit die Ursache des Geruchs behoben werden. Dabei kann es sich um die Behandlung von Zahnschäden, einer chronischen Mandelentzündung oder Nasenpolypen ebenso handeln wie um die Neueinstellung der Zuckerwerte eines Diabetikers.

Zur Behandlung von Mundgeruch steht eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung. Liegt eine Grunderkrankung (zum Beispiel Mandelentzündung, Sinusitis und weitere) als Auslöser des Mundgeruchs vor, gilt es diese gezielt zu behandeln. Eventuell vorhandene Zahnprobleme wie Karies oder eine Zahnfleischentzündung sollten durch den Zahnarzt behoben werden.

Grundsätzlich kommt der richtigen Mund- und Zahnhygiene als Vorbeugungsmaßnahme aber eine Schlüsselrolle zu.

Die richtige Zahnpflege und Mundhygiene gegen Mundgeruch

  • Lassen Sie sich durch Ihren Zahnarzt erklären, worauf es bei der Mundhygiene ankommt (Häufigkeit des Zähneputzens, Putztechnik, Anwendung von Zahnseide oder Interdentalbürstchen)
  • Experten empfehlen fluoridhaltige Zahnpasta

Auch die Zungenreinigung kommt häufig zu kurz – spezielle Zungenschaber finden sie zum Beispiel in der Drogerie. Damit die Zunge wieder rötlich oder rosa schimmert und nicht von einem weißen, gelben oder braunen Belag bedeckt ist, sollte man sie täglich reinigen. Wichtig ist, dass man die Zunge vorsichtig säubert und nicht verletzt. Die kleinen Erhebungen im hinteren Zungendrittel (Papillen) sollten nicht mitgereinigt werden.

Ernährung gegen Mundgeruch

  • Knoblauch und Zwiebeln sind bekannte Mundgeruch-Verursacher
  • Meiden Sie Nikotin und Alkohol
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und bevorzugen Sie eher mild gewürzte Speisen
  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr reinigt auch den Mund – ideal sind Wasser und ungesüßte Tees.

Schnelle Hilfe im Akutfall

Sollte zum Beispiel nach dem Verzehr bestimmter Speisen doch einmal vorübergehend Mundgeruch auftreten, können kurzfristige Maßnahmen den Geruch überdecken oder neutralisieren. Hier haben sich folgende Maßnahmen bewährt

  • Zuckerfreie Kaugummis
  • Spezielle Dragees gegen Mundgeruch aus der Apotheke
  • Mundwasser zum Gurgeln

Kaugummis versprechen eine schnelle Lösung für das Geruchsproblem, wirken aber nur oberflächlich. "Sie können zwar die Speichelproduktion anregen, was besonders bei Mundtrockenheit wichtig ist, aber eben nicht die Bakterien eliminieren", sagt Grinfeld. Permanentes Kaugummi-Kauen verschlimmere das Problem vielmehr. Der pH-Wert im Mund erhöhe sich soweit, dass die Entstehung der Schwefelverbindungen begünstigt wird.

Von anti-bakteriellen Mundwässern sollten sich Betroffene ebenfalls nicht zu viel versprechen, denn diese Mittel vertreiben den Belag nur kurzfristig von der Zunge. Außerdem werden damit auch die natürlichen Abwehrfunktionen der Zunge geschädigt, so dass es langfristig zu einem dichten Pilzbefall (Soor) kommen kann, der seinerseits Mundgeruch hervorruft.

Psychotherapie bei Angst vor Mundgeruch

Bei krankhafter Angst vor Mundgeruch, die auch ein eindeutiger, negativer Befund des Arztes nicht ausräumt, kann eine Psychotherapie hilfreich sein, um Wege aus den ständig kreisenden Gedanken über den eigenen, vermeintlichen Mundgeruch zu finden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Dezember 2016
Durch: Sarah Wagner
Quellen: Universität Zürich. Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Präventivzahnmedizin und Orale Epidemiologie. Mundgeruch – Ursachen und Therapie. Mai 2008. URL: http://www.dent.uzh.ch/ppk/patienten/leistung/praeventivzahnmedizin/07_mundgeruch_ursachen_therapie_0805.pdf (abgerufen: 24.10.2011) Scully C, Porter S. Halitosis. Clinical Evidence 2008; 07: 1305. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2907968/pdf/2008-1305.pdf Porter SR, Scully C. Oral malodour (halitosis). BMJ 2006; 333: 632–5. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1570844/pdf/bmj33300632.pdf

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