Ein "Nickerchen" für das Gedächtnis

Wie Schlaf das Lernen fördert

Im Schlaf regeneriert sich der Körper. Doch ein Organ gönnt sich keine Pause: Das Gehirn schläft nie. Während wir schlafen, verarbeitet es das im wachen Zustand Erlernte und Erlebte und verankert es im Gedächtnis.

Auf die richtige Auswahl kommt es an

Das Gehirn verarbeitet, bewertet, sortiert und speichert unablässig Informationen. Sie gelangen über den Ultrakurzzeitspeicher in den Arbeitsspeicher und über den Hippocampus weiter ins Langzeitgedächtnis. Dabei wird aus Kapazitätsgründen nur ein winziger Bruchteil aller Informationen, die auf uns einströmen, im Gedächtnis gespeichert. Schon nach maximal einer Minute sind Informationen nicht mehr unmittelbar (und bewusst) im Arbeitsspeicher verfügbar, sondern entweder bereits in das Langzeitgedächtnis weitergeleitet oder verschwunden.

Selektiert wird streng nach Priorität: Nur Informationen, die wir individuell als wichtig erachten, mit bekanntem Wissen verknüpfen können oder die uns emotional berühren, bleiben auch gespeichert - über Minuten, Stunden, Jahre. Schlafphasen sind dabei die Intervalle, die dazu dienen, der Informationsflut Herr zu werden. Neues wird geordnet, Wichtiges gespeichert und Unwichtiges gelöscht. Dem gesunden Schlaf schreibt die Wissenschaft eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung und damit beim Lernen zu.

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"Einmal überschlafen" fördert den Lernerfolg

Wichtige Entscheidungen zu überschlafen, empfiehlt schon der Volksmund. Zu Recht, wie wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen. Während des Schlafs sinken Atemfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur. Der Körper baut Stresshormone ab, entspannt sich und kommt zur Ruhe. Das Gehirn ist weiterhin aktiv und verarbeitet die Ereignisse des Tages. Untersuchungen weisen darauf hin, dass nicht nur ein ausgedehnter Nachtschlaf dazu führt, Eindrücke zu verfestigen und Gelerntes zu sortieren. Schlaf ist generell erholsam, selbst ein kurzes "Nickerchen" zwischendurch. Das wusste schon Albert Einstein, ein eingefleischter Verfechter der täglichen Siesta.

Schlafforscher der Universität Salzburg fanden in einem Versuch heraus, dass ein einstündiger Mittagsschlaf die deklarative Gedächtnisleistung, d.h. das Speichern von Fakten und Ereignissen, die bewusst wiedergegeben werden können, signifikant erhöht. Versuchspersonen im Alter zwischen 19 und 30 Jahren hatten die Aufgabe, assoziative Wortpaare zu lernen, z.B. "Buch - Lesen". Jeweils vor und nach der Schlafphase wurden sie getestet - mit dem genannten Ergebnis.

Komplexere Aufgaben lassen sich leichter lösen, wenn man eine Nacht darüber schläft, so die Erkenntnis von Schlafforschern der Universitäten Lübeck und Köln. Sie legten Probanden Zahlenreihen vor, deren Struktur diese erkennen sollten. Von den Personen, die das Problem eine Nacht überschliefen, fanden am nächsten Tag doppelt so viele die Lösung heraus wie in den zwei Testgruppen, die nicht geschlafen hatten. Die eine versuchte sich nach einer achtstündigen nächtlichen Pause (ohne Schlaf) ein zweites Mal an den Aufgaben. Die zweite unternahm beide Versuche am selben Tag, ohne übermüdet zu sein. Auch sie zeigte kein besseres Ergebnis als die Gruppe, die zwischendurch geschlafen hatte.

In rhythmischen Phasen: Schlaf ist nicht gleich Schlaf

Traum- (sogenannte REM)- und Tiefschlaf- (sogenannte Non REM)-Phasen wechseln sich ca. drei bis fünf Mal pro Nacht in einem Rhythmus von ungefähr 90 Minuten ab. Wie viel Schlaf ein Mensch insgesamt braucht, um ausgeruht zu sein, ist individuell verschieden. Die meisten Menschen sind nach sieben bis acht Stunden wieder fit. Während in den leichteren Traumphasen hauptsächlich Erlebnisse verarbeitet werden, findet in den Tiefschlafphasen die Gedächtnisbildung statt.

Grund genug, auf einen gesunden Schlaf zu achten. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) empfiehlt dazu u.a., jeden Tag um dieselbe Zeit aufzustehen, nur schlafen zu gehen, wenn man wirklich müde ist und entspannungsfördernde Rituale zu etablieren, z.B. einige Minuten zu lesen und regelmäßig Sport zu treiben.


Quelle: Nach Informationen von Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), Gesellschaft für Somnologie, Fachjournal Nature, Wissenschaftszeitung spektrumdirekt, Ärzte Zeitung
Autor: Sabine M. Kempa
Stand: Apr 16, 2009


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