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Erfahrungsschatz Langzeitgedächtnis

Das Archiv im Kopf kann Erinnerungen Jahrzehnte lang speichern

Die Spanne reicht von Millisekunden bis hin zu Jahrzehnten: Abhängig davon, wie lange Informationen im Gehirn zur Verfügung stehen, unterscheidet man Ultrakurzzeitgedächtnis, Arbeitsspeicher und Langzeitgedächtnis.

Im Team erfolgreich: Arbeitsspeicher und Langzeitgedächtnis

Das Gehirn verarbeitet, bewertet, sortiert und speichert unablässig Informationen. Dabei trägt der Arbeitsspeicher als Informationsmanagement-Zentrale die Hauptlast der bewussten Informationsverarbeitung im Gehirn. Nur ein winziger Bruchteil aller Informationen, die auf uns einströmen, bleibt über längere Zeit im Gedächtnis gespeichert und steht damit dauerhaft zur Verfügung. Dies ist nicht zuletzt eine Frage der Kapazität. Schon nach maximal zehn Sekunden sind Informationen nicht mehr unmittelbar (und bewusst) im Arbeitsspeicher verfügbar, sondern nur noch mittelbar: Sie sind zunächst in aktivierten Neuronenschaltkreisen "zwischengelagert" und werden dann (zumindest teilweise) als Erfahrung im Langzeitgedächtnis gespeichert und von dort aus bei Bedarf aktiviert. Nehmen wir als Beispiel eine alltägliche Situation wie das Zeitunglesen: Wenn wir uns nur eine Stunde später an das Gelesene erinnern, befindet sich diese Information bereits im Langzeitgedächtnis und wird von dort aus, quasi zum weiteren Gebrauch, wieder in den Arbeitsspeicher "geladen".

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Fakten und Fertigkeiten

Nach der Art der gespeicherten Informationen unterteilt man das Langzeitgedächtnis in das deklarative und das prozedurale Gedächtnis.

Das deklarative Gedächtnis speichert zum einen Tatsachen und Ereignisse, die personenunabhängig sind, etwa neutrale Fakten, die als "Weltwissen" bezeichnet werden, und zum anderen Geschehnisse und Daten aus dem eigenen Leben. Das prozedurale Gedächtnis hingegen speichert erlernte Fertigkeiten, die quasi "unbewusst" abrufbar sind. Dazu gehören motorische Abläufe wie sie beim Fahrradfahren oder Schwimmen nötig sind.

Das "Tor zum Gedächtnis"

Eine zentrale Rolle bei der Bildung und Verarbeitung von Erinnerungen spielt das sogenannte Limbische System - und hier im Besonderen der Hippocampus. Er wird als "Tor zum Gedächtnis" bezeichnet, denn er fungiert als Schaltstelle zwischen den verschiedenen Gehirnsystemen. Er erkennt, welche Informationen neu sind, koordiniert die unterschiedlichen Gedächtnisinhalte und organisiert das Einspeichern bewusster Informationen aus dem Arbeitsspeicher in das Langzeitgedächtnis. Unterstützt wird er dabei vom Mandelkern (Amygdala), dem Teil des Limbischen Systems, in dem die sachlichen Informationen emotional bewertet werden. Einer amerikanischen Studie zufolge hängt die Größe des Hippocampus mit der körperlichen Fitness zusammen: Bei 165 gesunden Personen wurde per MRT die Größe des linken und rechten Hippocampus gemessen. Es stellte sich heraus, dass er umso größer war, je körperlich fitter die Studienteilnehmer waren. Daraus schlossen die Forscher, dass wer sich körperlich fit hält, auch etwas für sein Gedächtnis tut.

Wissen, das bleibt

Nur Informationen, die wir individuell als wichtig erachten, mit bekanntem Wissen verknüpfen können oder die uns emotional berühren, bleiben im Langzeitgedächtnis gespeichert - über Minuten, Stunden, Jahre und teilweise über Jahrzehnte. Das Gehirn benötigt allerdings mindestens 24 Stunden, um eine Information verlässlich im Gedächtnis zu verankern. Während dieser Spanne kann die Gedächtnisbildung durch konkurrierende Informationen gestört oder durch passende Informationen gefördert werden. Denn durch die enge Wechselbeziehung zwischen Arbeitsspeicher und Langzeitgedächtnis werden aktuelle Wahrnehmungen kontinuierlich mit den Erinnerungen und Erfahrungen aus dem Langzeitgedächtnis verglichen, bewertet und neu interpretiert.

Auf diese Weise ist das menschliche Gehirn in der Lage, neue Situationen zu meistern und sein Wissen ständig zu erweitern und zu aktualisieren. Kurz gesagt ist es dadurch befähigt zu lernen - und zwar ein Leben lang.


Quelle: Nach Informationen von Ärzte Zeitung, medizin-online und Gehirn&Geist
Autor: Sabine M. Kempa
Stand: Sep 25, 2009


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