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Immer im Einsatz

Der Arbeitsspeicher ist die Management-Zentrale des Gehirns

Unablässig strömen über die Sinnesorgane, die Umwelt und den Körper Informationen aller Art auf uns ein. Sie zu verarbeiten, zu bewerten, zu sortieren und zu speichern ist eine Herkules-Arbeit für das Gehirn.

Mentale Fitness entscheidet sich hier

Abhängig davon wie lange Informationen im Gedächtnis verbleiben, unterscheidet man zwischen sensorischem Gedächtnis, Arbeitsspeicher und Langzeitgedächtnis. Die Hauptlast bei der bewussten Informationsverarbeitung trägt der Arbeitsspeicher, auch Kurzzeitspeicher oder Arbeitsgedächtnis genannt. Er ist der Ort des aktiven Informationsmanagements. Hier werden aktuelle Wahrnehmungen mit Erinnerungen und Erfahrungen verknüpft, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Sie werden bewertet, neu zusammengesetzt, als Entscheidungsgrundlage genutzt und in Reaktionen - Mimik, Gestik, Handlungen - umgesetzt. Lokalisiert ist der Arbeitsspeicher im Vorderhirn. Während die Wissenschaft bis Ende des 20. Jahrhunderts davon ausging, dass es sich beim Arbeitsspeicher um spezialisierte Speichereinheiten im präfrontalen Kortex (PFC) handele, stützen neuere Forschungen die Auffassung, dass der Arbeitsspeicher ein komplexes System flexibel agierender Hirnareale ist, das auch weiter hinten im Gehirn liegende Bereiche einbezieht.

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Im Zentrum der Wahrnehmung

Ein gut funktionierender Arbeitsspeicher ist der Dreh- und Angelpunkt mentaler Fitness. Seine Kapazität ist jedoch begrenzt. Daher findet ein ständiges Umsortieren und ?Überschreiben? der alten mit neuen Informationen statt. Erhöht wird die Aufnahmefähigkeit dadurch, dass das Gehirn in der Lage ist, Wahrnehmungen zu filtern und wesentliche Informationen von unwesentlichen Details zu trennen. Je besser dies funktioniert, desto effizienter ist die Leistung des Arbeitsspeichers. Nur wenige Sekunden verbleiben die Informationen im Arbeitsspeicher und stehen in dieser Zeit unmittelbar und bewusst zur Verfügung. Danach sind sie entweder verschwunden oder werden in anderen Neuronenschaltkreisen zwischengelagert bzw. vollends im Langzeitgedächtnis gespeichert - je nachdem für wie wichtig sie erachtet werden.

An zwei Basisgrößen, die individuell unterschiedlich sind, lässt sich die Leistungsfähigkeit des Arbeitsspeichers ablesen:

  • Zum einen ist dies die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, d.h. die Menge an Informationen, die das Gehirn pro Zeiteinheit aufnehmen, verarbeiten, speichern und abgeben kann. Ein durchschnittlicher Erwachsener ist demnach in der Lage, bei voller Anstrengung in einer 15tel Sekunde etwa zwei Bilder oder Laute zu erfassen.

  • Darüber hinaus ist die Merkspanne, also der Zeitraum entscheidend, in dem eine Information im Arbeitsspeicher "gehalten" werden kann, bevor sie wegen Überladung zusammenbricht. Bei einem Erwachsenen sind dies ca. vier bis sieben Sekunden.

Für beide Prozesse benötigt das Gehirn Energie.

Maximale Arbeit braucht maximale Energie

Schon im Ruhezustand verbraucht unser Gehirn ca. 20% der im Körper erzeugten Energie. Wird es beansprucht, steigt der Energiebedarf enorm. Unter Stress entzieht es dem Körper bis zu 90% der verfügbaren Energie. Für den Arbeitsspeicher gilt: Die Merkspanne verbraucht deutlich mehr Energie als die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, denn bewusst Informationen im Arbeitsspeicher zu halten, stellt hohe Anforderungen an das Gehirn. Anders gesagt: Gedanken zu kontrollieren, verbraucht sehr viel Energie. Die Belastung, die mit der mentalen Aktivität einhergeht, empfindet der Mensch dann als anstrengend und erschöpfend.

Das bedeutet: Mentale Fitness ist ganz entscheidend eine Frage der verfügbaren Energie im Gehirn.


Quelle: Nach Informationen von Nature Neuroscience, Christian Wolf: "Flüchtige Erinnerung" in Gehirn&Geist 4/2009, Ernst Pöppel (2006): "Gekonnt denken"
Autor: Sabine M. Kempa
Stand: Apr 20, 2009


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