
Gehirnleistung
Mentale Leistungsfähigkeit ist formbar
Sinkt die geistige Leistungsfähigkeit ab der Lebensmitte und werden die aktiven Nervenzellen im Gehirn tatsächlich weniger? Nicht unbedingt. Denn: Mentale Fitness ist nicht nur eine Frage des Alters.
Ein Feuerwerk der Nervenzellen
Das menschliche Gehirn ist in jedem Alter in der Lage, durch gezieltes Training fit zu bleiben, zu lernen und Potenziale zu nutzen. Es ist die Schaltzentrale des menschlichen Organismus, ein Hochleistungsorgan mit einer gigantischen Informationskapazität, das alle Funktionen des Körpers überwacht und koordiniert, unsere Sinneseindrücke verarbeitet und Emotionen entstehen lässt. Dafür sorgen 100 Milliarden Nervenzellen, über 100 Billionen Kontakte und etwa eine Million Kilometer Leitungsbahnen.
In diesem komplexen System sind Nervenzellen (Neuronen) die Hauptakteure. Sie tauschen über elektrochemische Impulse (Reize) Signale und Informationen aus. Dabei durchlaufen die ankommenden Reize Kontaktstellen (Synapsen), die die Impulse verstärken oder abschwächen. Wenn die eingehenden Signale einen bestimmten elektrischen Schwellenwert erreichen, wird die Nervenzelle aktiv und sendet über ihre Ausgabeleitung (Axon) ein Signal an eine andere Zelle. Infolge dessen bilden sich mehr oder weniger feste Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen aus, auf deren Grundlage die weitere Informationsverarbeitung erfolgt.
Dabei gilt: Je mehr Zellen miteinander vernetzt sind, desto mehr Informationen können verarbeitet werden. Und: Je schneller das Gehirn arbeitet, desto größer ist die Leistungsfähigkeit. Denn Reize kann das Gehirn nur nacheinander, nicht gleichzeitig weiterleiten.
Mentale Fitness - ein stetiger Prozess
Die Bildung neuronaler Netze als Grundvoraussetzung für die mentale Leistungsfähigkeit ist ein dauerhafter Prozess, der durch geistige Aktivität und kontinuierliches Lernen angestoßen und fortgesetzt wird. Gleich nach der Geburt beginnt dieser Prozess. Reize und Impulse bewirken die Vernetzung der vorhandenen Neuronen. Fühlen, Sehen, Hören führt zu Gedanken, Gedanken ziehen Handlungen nach sich. Wissen und Erfahrung werden angehäuft. Ob der Mensch dabei Erfahrungen ein- oder mehrfach machen muss, um sie im Gedächtnis abzuspeichern und ob er einmal Gelerntes wiederholen muss, hängt davon ab, für wie wichtig der Mensch die jeweilige Information hält. Dieser Prozess setzt sich in den ersten 30 Lebensjahren unvermindert fort. Immer mehr und dichtere neuronale Netze entstehen. Ab der Mitte des Lebens beginnt das Gehirn jedoch, diejenigen Nervenverbindungen stillzulegen, die nicht mehr aktiv genutzt werden. Einem damit drohenden Verlust der Leistungsfähigkeit kann aktiv entgegengewirkt werden.
Reizvolle Liaison
Das Gehirn reagiert auf Reize. Es braucht stets neue Impulse, um die Aktivität der grauen Zellen und die Bildung neuronaler Netze in Gang zu halten. Die Bereitschaft zum Lernen, die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, kreative Tätigkeiten und körperliche Aktivität wirken der nachlassenden mentalen Leistungsfähigkeit entgegen. Je mehr der Geist beschäftigt wird, desto mehr Nervenzellen verbinden sich, und zwar altersunabhängig. Damit stimmt der Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" nur bedingt. Oder wie es Howard Fillit vom New Yorker Institut für Altersforschung formuliert: "Der Verlust der geistigen Fähigkeiten ist keine zwingende Begleiterscheinung des Alterns".





